«Was dort geschieht ist menschenunwürdig»: 

netzeitung.dePapst-Vertrauter vergleicht Gazastreifen mit KZ

 Herausgeber: netzeitung.de

Kardinal Renato Raffaele Martino (Foto: AP<br/>Quelle: NZ Netzeitung GmbH)

Lupe Kardinal Renato Raffaele Martino
Foto: AP
Quelle: NZ Netzeitung GmbH

Trotz heftiger Kritik hält Renato Martino an seinem Vergleich fest, die Lebensbedingungen im Gazastreifen ähnelten «einem riesigen Konzentrationslager». Den Vorwurf, Propaganda für Hamas zu machen, wies der Kardinal zurück.

Ungeachtet von Kritik hält der Präsident des Päpstlichen Rats für Gerechtigkeit und Frieden, Kardinal Renato Raffaele Martino, an seinem Vergleich des Gazastreifens mit einem Konzentrationslager fest. «Sie können sagen, was sie wollen, die Lage in Gaza ist schrecklich», zitierte ihn die italienische Tageszeitung «La Repubblica». Die Kritik eines Sprechers des israelischen Verteidigungsministeriums, Propaganda für die radikal-islamische Hamas zu machen, wies Martino zurück. Es gehe ihm nicht darum, Hamas zu verteidigen.


Die Bewohner des Gazastreifens lebten unter Bedingungen, die gegen die Menschenwürde verstoßen, sagte der langjährige Vatikanbeobachter bei den Vereinten Nationen. In seinen Äußerungen sei «nichts, das als antiisraelisch interpretiert werden kann». Israel hat dem Kardinal zufolge das Recht auf Selbstverteidigung. «Aber was soll man sagen, wenn so viele Kinder getötet und Schulen der Vereinten Nationen bombardiert werden», ergänzte der Kardinal. Dabei verfügten die Israelis über Technologien, «die es erlauben, sogar eine Ameise zu erkennen».

In einem Interview mit der Online-Zeitung «Il Sussidiario» hatte der Vatikanvertreter erklärt: «Schauen wir uns die Lebensbedingungen im Gazastreifen einmal an: Das ähnelt immer mehr einem riesigen Konzentrationslager.» Wie italienische Medien am Donnerstag berichteten, verurteilte er vor allem den «Egoismus auf beiden Seiten» und den Mangel an «Gespür für die Menschenwürde» als Hauptursache für den Konflikt im Heiligen Land.

Bayerischer Landesbischof nannte Vergleich «völlig verfehlt»
Der bayerische evangelische Landesbischof Johannes Friedrich hatte Vergleiche des israelischen Vorgehens im Gazastreifen mit dem Holocaust als «völlig verfehlt» bezeichnet. Es gebe kein Ereignis, das mit der systematischen Vernichtung der Juden vergleichbar wäre, sagte Friedrich am Mittwoch in München.

Papst Benedikt XVI. hatte die Konfliktparteien im Nahen Osten wiederholt zu einem Ende des Blutvergießens und zum Dialog aufgerufen. Das Oberhaupt der katholischen Kirche plant in diesem Jahr eine Reise in die Region. Ein genauer Termin steht aber nach Angaben des Vatikans noch nicht fest. (epd/dpa/nz)