06. Jan 2009 09:45
Die israelische Armee ist inzwischen tief in den Gazastreifen eingedrungen und liefert sich heftige Gefechte mit Hamas-Kämpfern. Unterdessen warnen die Vereinten Nationen vor einer «zunehmend beängstigenden« humanitären Lage.
Nach Informationen der Zeitung «Jerusalem Post» rückte die Armee erstmals in dicht besiedelte Wohngebiete nördlich von Gaza vor. Dabei kam es zu schweren Kämpfen mit militanten Palästinensern. Unterdessen gingen die diplomatischen Bemühungen um ein Ende der Kämpfe und die Versorgung der notleidenden Bevölkerung des Gazastreifens weiter. Die drei Soldaten starben, als ein israelischer Panzer ein leerstehendes Gebäude in Dschabalia, in dem die Männer Deckung gesucht hatten, unter Beschuss nahm. 24 weitere Soldaten wurden den Berichten des israelischen Onlinedienstes Y-Net zufolge durch das sogenannte «Friendly Fire» verletzt, vier von ihnen schwer. Einer befand sich den Angaben zufolge am Morgen noch in kritischem Zustand. Damit erhöhte sich die Zahl der seit Beginn der Militäroperation im Gazastreifen getöteten israelischen Soldaten auf vier.
Israelische Medien berichteten am Dienstagmorgen unter Berufung auf Armeeangaben, dass bei den Kämpfen zwischen israelischen Soldaten und der in Gaza herrschenden radikal-islamischen Hamas allein am Montag schätzungsweise 100 Palästinenser getötet worden seien. 80 Palästinenser seien festgenommen worden. Die Armee habe Gaza praktisch eingekreist. Kämpfer der Hamas hätten die vorrückenden Truppen mit Mörser-Granaten beschossen. Auch am Montag feuerten militante Palästinenser nach israelischen Angaben wieder mehr als 40 Raketen aus dem Gazastreifen auf Israel ab. Seit Beginn der Militäroperation am 27. Dezember wurden vier Isarelis durch Raketen getötet.Die Gesundheitsbehörde in Gaza hatte die Zahl der am Montag getöteten Palästinenser am Abend mit mindestens 50 angegeben. Weitere 150 Bewohner des Gazastreifens seien verletzt worden. Bei den meisten Opfern handele es sich um Zivilisten, hieß es.
Unterdessen warnten die Vereinten Nationen, die humanitäre Lage im Gazastreifen sei «zunehmend beängstigend». Seit Beginn der Offensive gegen die Hamas Ende Dezember seien sauberes Wasser, Energie, Lebensmittel, Medikamente und andere Versorgungsgüter nicht mehr in ausreichendem Maß vorhanden, sagte der Leiter der UN-Hilfsdienste John Holmes. Er widersprach damit entschieden israelischen Politikern, die von einer ausreichenden Versorgungslage der Bevölkerung in dem palästinensischen Autonomiegebiet sprechen. Holmes beklagte auch die hohe Zahl von Opfern des Militäreinsatzes unter der Zivilbevölkerung. Bis zu einem Viertel der mehr als 500 Getöteten seien nach Schätzungen der UN Zivilpersonen, sagte Holmes.
Israel lehnt eine Waffenruhe bislang ab. Verteidigungsminister Ehud Barak erklärte dazu am Montag, die Offensive werde fortgesetzt. Die Ziele seien noch nicht erreicht. Hamas habe jedoch schweren Schaden erlitten. Auch Israels Außenministerin Zipi Livni sagte nach einem Treffen mit Vermittlern der Europäischen Union in Jerusalem, der Kampf gegen die Hamas werde weitergehen. Der französische Präsident Nicolas Sarkozy, der sich ebenfalls zu einer Vermittlungsmission in der Region aufhält, rief erneut zu einer raschen Waffenruhe auf. «Die Gewalt muss aufhören, und die humanitäre Hilfe sollte erleichtert werden. Wir können nicht verstehen, wie eine Demokratie wie Israel erlauben kann, dass die humanitäre Situation in Gaza immer schlechter wird», sagte Sarkozy nach Gesprächen mit Palästinenserpräsident Mahmud Abbas in Ramallah. (dpa/AP)