Krieg in Nahost:
Israel startet Bodenoffensive im Gazastreifen
03. Jan 2009 09:50, ergänzt 21:58
 |  Palästinenser vor zertrümmerten Häusern | Foto: AP |
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Im Norden des Gazastreifen haben israelische Soldaten die Grenze passiert. Damit hat die Offensive gegen die Palästinenser eine neue Stufe der Eskalation erreicht.
Es war nur eine Frage der Zeit: Nach acht Tagen Beschuss aus der Luft hat Israel nun die ersten Soldaten in palästinensisches Gebiet geschickt. Ein israelischer Militärsprecher bestätigte, dass der Einsatz von Bodentruppen begonnen habe. Augenzeugen berichten von einer kleinen Einheit, die im Schutz der Dunkelheit die Grenze zum Gazatreifen überschritten habe. Seit Tagen hatten sich tausende israelische Soldaten bereit gehalten, um den Marschbefehl entgegen zu nehmen.Israel hatte am Samstag den achten Tag in Folge seine Militäroffensive im Gazastreifen fortgesetzt. Nach Angaben eines Armeesprechers beschossen die Luftwaffe und die Kriegsmarine mehr als 20 Ziele der radikalislamischen Hamas. Dazu gehörten unter anderem Waffenlager und Ausbildungscamps. Im Gegenzug schlugen nach Angaben des Sprechers zwei Raketen und eine Mörsergranate auf israelischem Boden ein.
Als Folge des achttägigen Beschusses sind nach Angaben der Gesundheitsbehörde in Gaza bislang 437 Menschen getötet worden, darunter auch viele Frauen und Kinder. Weitere 2300 hätten Verletzungen davongetragen. 400 Menschen schwebten in Lebensgefahr.
Auf die Nachricht der gestarteten Bodenoffensive reagierte ein Hamas-Sprecher am Samstag mit den Worten, der Gazastreifen werde jetzt zum Friedhof für israelische Soldaten. Im Fernsehsender «Al Aksa TV» sagte er ans israelische Militär gerichtet: «Gaza wird für Euch nicht mit Blumen gepflastert sein, es wird mit dem Feuer der Hölle gepflastert sein.» An anderer Stelle hieß es, Hamas-Mitglieder sollten israelische Soldaten töten oder entführen und ihnen psychischen Schaden zufügen «von dem Grauen», das man ihnen bereiten werde.
Bush verlangt Rückkehr «zum Pfad des Friedens»
Unterdessen schaltete sich US-Präsident George W. Bush in den Konflikt ein. Er verlangte ein «dauerhaftes» Ende der Gewalt im Nahen Osten und eine Rückkehr «zum Pfad des Friedens». Bush sagte in seiner am Freitag vorab veröffentlichten wöchentlichen Rundfunkansprache, alle Nationen müssten auf dieses Ziel hinarbeiten. Zugleich machte er klar, dass er eine Waffenruhe im Konflikt zwischen Israel und der radikal-islamischen Hamas nur dann für sinnvoll hält, wenn sichergestellt sei, dass sich die militante Organisation auch daran halte. «Eine andere Einbahn-Waffenruhe, die zu Raketenangriffen auf Israel führt, ist nicht akzeptabel», sagte der Präsident. Es war das erste Mal seit der Eskalation um Gaza, dass sich Bush persönlich zu dem aktuellen Konflikt äußerte. Bush gab in der Rundfunkansprache, die am Samstag ausgestrahlt wird, Hamas die volle Schuld an dem jüngsten massiven Gewaltausbruch. Israel habe lediglich auf die anhaltenden Angriffe der Organisation reagiert.
Abbas und weitere zu Beratungen in New York erwartet
Anfang kommender Woche werden Spitzenvertreter der Arabischen Liga und Palästinenserpräsident Mahmud Abbas (Fatah) zu Beratungen in New York erwartet. UN-Generalsekretär Ban Ki Moon erhofft sich nach Angaben seines Nahost-Sonderkoordinators Robert Serry von den Gesprächen Fortschritte für eine friedliche Lösung des Konflikts. Angesichts der israelischen Panzer an der Grenze zum Gazastreifen sei eine sofortige Waffenruhe dringlicher denn je, sagte Serry.
Wie der Sprecher der libyschen UN-Botschaft in New York auf Anfrage mitteilte, wollen neben Abbas die Außenminister von neun arabischen Staaten nach New York kommen, unter anderem aus Ägypten, Libyen, Jordanien, Syrien und dem Irak. Die Politiker werden demnach von Sonntag an in den USA erwartet, am Montag wollen sie zunächst zu internen Beratungen zusammenkommen. Ob und wann es ein Treffen mit dem UN-Sicherheitsrat gibt, war am Freitag zunächst offen. Abbas hatte angekündigt, er werde solange in New York bleiben, bis es eine UN-Resolution mit einer klaren Zeitvorgabe für ein Ende der Gewalt gebe. (dpas/nz)