Offensive gegen die Befreiungstiger: 

netzeitung.deRebellen-Hochburg im Norden Sri Lankas fällt

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Bewohner Sri Lankas feiern die Eroberung der Rebellen-Hochburg Kilinochchi (Foto: AP<br/>Quelle: NZ Netzeitung GmbH)

Lupe Bewohner Sri Lankas feiern die Eroberung der Rebellen-Hochburg Kilinochchi
Foto: AP
Quelle: NZ Netzeitung GmbH

Regierungstruppen in Sri Lanka gelang es, die von tamilischen Rebellen kontrollierte Stadt Kilinochchi zu erobern. Präsident Rajapakse sprach von einem «entscheidenden Sieg». Doch der Kampf gegen die LTTE ist noch nicht zu Ende.

Das seit Wochen umkämpfte Hauptquartier der tamilischen Rebellen im Norden Sri Lankas ist gefallen. Präsident Mahinda Rajapakse höchstselbst verkündete am Freitag in einer live im Fernsehen übertragenen Ansprache die Rückeroberung der seit zehn Jahren von den Befreiungstigern von Tamil Eelam (LTTE) kontrollierten Stadt Kilinochchi. Von drei Seiten hatten Regierungstruppen das 300 Kilometer nördlich der Hauptstadt Colombo gelegene Verwaltungszentrum der LTTE am Morgen in die Zange genommen und waren ins Stadtzentrum vorgerückt. Rajapakse und seine Offiziere bezeichneten die Einnahme Kilinochchis als «entscheidenden Sieg» im Kampf gegen die Rebellen.

Doch die LTTE ist noch lange nicht besiegt. Nicht einmal eine halbe Stunde nach der Rede Rajapakses sprengte sich in Colombo eine Selbstmordattentäterin in die Luft. Bei der Explosion vor einer Luftwaffenbasis kamen mindestens zwei Menschen ums Leben. Mehr als 30 weitere wurden zum Teil schwer verletzt. Wie üblich bekannten sich die Rebellen nicht zu der Tat. Selbstmordanschläge gehören jedoch zu den Waffen der LTTE, mit denen sie im Süden des Landes immer wieder Anschläge gegen Regierung, Streitkräfte und Zivilisten verübt.

Im Norden hat das Militär die LTTE, die seit 25 Jahren für einen eigenen Staat für die tamilische Minderheit kämpft, in den vergangenen Monaten allerdings immer stärker in Bedrängnis gebracht. Begonnen hatte die Großoffensive vor einem Jahr, nachdem die Regierung einen ohnehin brüchigen Waffenstillstand mit der LTTE auch offiziell aufgekündigt hatte. Seitdem rücken Regierungstruppen immer tiefer in das von den Rebellen kontrollierte Gebiet vor. Tausende LTTE-Kader und Soldaten sollen bei den Gefechten ums Leben gekommen sein. Unabhängige Angaben zu den Opferzahlen gibt es nicht.

Militärische und politische Niederlage für die Rebellen
Mit dem Fall Kilinochchis haben die Rebellen nun nicht nur eine militärische sondern auch eine politische Niederlage erlitten. Die Stadt war nach dem Fall des Rebellen-Hauptquartiers Jaffna im Jahr 1995 systematisch zur faktischen Hauptstadt des von der LTTE proklamierten Tamilen-Staates «Eelam» ausgebaut worden - mit Verwaltungsgebäuden, Polizeihauptquartier, Gericht und Steuerbehörde.

Nach Angaben des LTTE-nahen Internetdienstes TamilNet fielen den Regierungstruppen bei ihrem Einmarsch in Kilinochchi jedoch keine wichtigen Dokumente der Parallelregierung in die Hand. Die Armee, so berichtete TamilNet, habe eine «Geisterstadt» erobert, denn sämtliche Infrastruktur sei von den Rebellen schon vor Tagen aus der Stadt geschafft worden. Politische und militärische Führung der LTTE sowie Tausende kampferprobte Guerillas haben sich in den Nordosten der Insel zurückgezogen, in die Region um die Hafenstadt Mullaittivu.

Friedensforscher Perera für «gerechte politische Lösung»
Die Regierungstruppen wollen in den kommenden Monaten auch in dieses mehrere hundert Quadratkilometer große Gebiet vorstoßen. Armeesprecher Udaya Nanyakarra sagte am Freitag, Ziel sei es, die LTTE «im Laufe des Jahres 2009» militärisch zu zerschlagen.

Nach Ansicht von Beobachtern würde aber selbst ein Sieg der Regierung auf dem Schlachtfeld den Jahrzehnte alten Konflikt nicht beenden. Der srilankische Friedensforscher Jehan Perera sagte unlängst, dem tamilische Nationalismus, der die LTTE und ihre Anhänger antreibt, könne nicht mit Waffengewalt begegnet werden. Allein eine «gerechte politische Lösung», die auch die tamilische Minderheit einschließt, könne das Blutvergießen beenden, so Perera. Nach den militärischen Erfolgen der letzten Wochen und dem Fall Kilinochchis hat die Regierung dafür jedoch kein offenes Ohr. (Stefan Mentschel, dpa)