02.01.2009
Herausgeber: netzeitung.de
Kinder protestierten in Berlin mit
Foto: dpa
Quelle: NZ Netzeitung GmbH
Israel setzt ungeachtet internationaler Proteste seine Angriffe auf den Gazastreifen fort - von wo aus Militante Raketen schicken. Tausende in Deutschland und aller Welt sind nun aus Solidarität mit den Palästinensern auf die Straße gegangen.
Mehr als 400 Menschen sind bei der seit sieben Tagen andauernden Militäroffensive Israels im Gazastreifen ums Leben gekommen. Wie die Gesundheitsbehörde in Gaza am Freitag mitteilte, wurden mindestens 2200 Menschen verletzt. 380 von ihnen schwebten in Lebensgefahr.
Im Gegenzug griffen militanten Palästinenser auch am Freitag wieder israelische Städte mit mehr als 20 Raketen an. An den Folgen der Angriffe sind seit Samstag vier Israelis gestorben.
In aller Welt protestierten am Freitag zehntausende Muslime gegen die israelischen Luftangriffe. Nach den Freitagsgebeten gingen Demonstranten in Ostafrika, dem Nahen Osten und in einigen Ländern Asiens auf die Straße. Auf Transparenten forderten sie zum sogenannten Heiligen Krieg (Dschihad) gegen Israel auf, Aktivisten verbrannten israelische und amerikanische Flaggen.
DeutschlandAuch in Deutschland demonstrierten Tausende. Zu den Aufmärschen nach dem traditionellen Freitagsgebet hatte die radikalislamische Hamas aufgerufen. Der Protest richtete sich auch gegen die Haltung der deutschen Bundesregierung zu den am 27. Dezember begonnenen Luftangriffen.
In Stuttgart gingen nach Polizeischätzungen etwa 3500 Menschen auf die Straße und forderten mit lauten Sprechchören, Flaggen und Transparenten ein Ende der Militäroffensive. In Hamburg waren es knapp 4000 Menschen, in Kiel rund 300. In Berlin kamen etwa 1000 Demonstranten zusammen. In Karlsruhe trafen sich rund 200 Menschen zu einer Mahnwache. In der Bonner Innenstadt demonstrieren nach Polizeiangaben etwa 250 Menschen.
IndonesienIn der indonesischen Hauptstadt Jakarta versammelten sich mehr als 10.000 Menschen vor der US-Botschaft; Reporter der Nachrichtenagentur AP gingen von einer deutlich höheren Teilnehmerzahl aus. Die Demonstranten richteten Raketenattrappen mit der Aufschrift «Ziel: Tel Aviv, Israel» auf das Botschaftsgebäude, das von hunderten Polizisten bewacht wurde. Auf Plakaten war zu lesen «Rettet Palästina vor Israel, dem Terroristen».
AfghanistanIm afghanischen Kabul versammelten sich bei Protesten rund 3000 Menschen. Ein Mullah verurteilte vor der Menge die US-Unterstützung für Israel und leitete Sprechchöre «Tod für Amerika».
TürkeiIn Istanbul demonstrierten nach Berichten türkischer Nachrichtenagenturen rund 5000 Menschen gegen die israelische Militäroffensive, zahlreiche Flaggen wurden verbrannt. Auch in anderen Städten der Türkei kam es zu Protesten.
SchweizIn der Schweizer Hauptstadt Bern demonstrierten mehrere hundert Menschen unter dem Motto «Stoppt die Massaker am palästinensischen Volk!» Sie forderten Sanktionen gegen Israel, die sofortige und vollständige Aufhebung der Blockade und den Schutz der Bevölkerung.
IranIm iranischen Teheran zogen nach dem Freitagsgebet rund 6000 Demonstranten durch die Stadt zum Palästina-Platz. «Der wahre Holocaust findet in Gaza statt», stand auf Transparenten. Einer der führenden Ayatollahs, der vormalige Präsident Haschemi Rafsandschani, warnte Israel eindringlich vor einer Bodenoffensive. Selbst wenn die Hamas-Regierung gestürzt würde, würde der palästinensische Widerstand nur größer, sagte er.
SyrienNahe der syrischen Hauptstadt Damaskus demonstrierten rund 2.000 Menschen beim palästinensischen Flüchtlingslager Jarmuk und trugen Plakate mit der Aufschrift «Der Dschihad wird uns einen». In Damaskus protestierten mehrere hundert Menschen vor der historischen Omajaden-Moschee.
JordanienIn der jordanischen Hauptstadt Amman protestierten Hunderte vor der israelischen Botschaft, und auch in Ägypten gingen die Menschen auf die Straße. Die zwei Länder sind die einzigen Staaten im Nahen Osten, die einen Friedensvertrag mit Israel abgeschlossen haben. In Kairo verhinderten Hundertschaften der Bereitschaftspolizei Ausschreitungen, in der Stadt Al Arisch protestierten rund 3000 Menschen.
Tansania, Kenia, SudanIm Westjordanland demonstrierten tausende aus Solidarität mit den Palästinensern im Gazastreifen. Auch in Tansania, Kenia und im Sudan protestierten Muslime gegen die israelische Militäroffensive, bei der bereits mehr als 400 Menschen getötet wurden. Im Zentrum Khartums zogen mehrere tausend Demonstranten zum Platz der Märtyrer und riefen zum Dschihad auf. (AP/dpa/nz)