Religiöse Gedanken zum neuen Jahr: 

netzeitung.dePapst und Bischöfe: Geld allein macht nicht glücklich

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Benedikt XVI. (Foto: dpa<br/>Quelle: NZ Netzeitung GmbH)

Lupe Benedikt XVI.
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Der Papst hat angesichts der Gewalt im Gazastreifen konkrete Lösungsvorschläge angemahnt. Zugleich rief er zu einer Reform des Weltfinanzsystems auf. Auch deutsche Bischöfe mahnten, Gott statt Geld in den Lebensmittelpunkt zu stellen.

Papst Benedikt XVI. hat die Regierungen weltweit zu einer tiefgreifenden Reform des Weltfinanzsystems aufgerufen. In seiner Neujahrsansprache vor tausenden Gläubigen auf dem Petersplatz erklärte der Papst, kurzfristige Rettungsversuche seien nicht ausreichend. Die Krise müsse als «Prüfstein» für die Zukunft der Globalisierung betrachtet werden.

«Die Krise sollte als ein ernsthaftes Symptom gesehen werden, dass ein Eingreifen an der Wurzel erfordert», erklärte Benedikt. Auch die Erde sei auf eine Korrektur angewiesen, genauso wie die «kulturelle und moralische Krise», in der die Welt sich befinde.

Zugleich äußerte sich der Papst in seiner Ansprache besorgt über die Eskalation der Gewalt im Nahen Osten. Er erklärte, er bete für ein Ende der Angriffe im Gazastreifen und hoffe, die internationale Gemeinschaft werde konkrete Lösungsvorschläge präsentieren. Israelis und Palästinenser müssten in Frieden, Sicherheit und Würde leben können.

Benedikt prangerte zudem einen «unannehmbaren Rüstungswettlauf» in der Welt an. Die internationale Gemeinschaft feiere einerseits die Verabschiedung der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte vor 60 Jahren. Andererseits verstoße sie gegen die UN-Charta, indem sie die Militärausgaben erhöhe, kritisierte der Papst. Am 1. Januar feiert die katholische Kirche seit 1967 traditionell den Weltfriedenstag.

In einem Silvestergottesdienst im Peterdom hatte der Papst am Mittwoch für das neue Jahr zu «Nüchternheit und Solidarität» aufgerufen. Die gegenwärtige Zeit werde von Unsicherheit und Sorge um die Zukunft geprägt, sagte Benedikt. Dies sei aber kein Grund, ängstlich zu sein. Die Menschen forderte Benedikt auf, besonders den Familien in finanziellen Schwierigkeiten beizustehen. Die katholischen Hilfsorganisationen täten ihr Möglichstes, um diesen Familien zu helfen.

Bischöfe mahnen zur Rückbesinnung auf Gott
Die Wirtschaftskrise war auch Thema für evangelische und katholische Bischöfe in Ansprachen zum Jahreswechsel. Die aktuellen Entwicklungen stellten die Menschen vor die Frage, worauf es letztlich ankomme, «auf Gott oder auf das Geld», sagte der Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), Wolfgang Huber, am Mittwoch in Hannover. Das Heil ruhe nicht auf dem Geld. Der Freiburger Erzbischof und Vorsitzende der katholischen Deutschen Bischofskonferenz, Robert Zollitsch, warnte vor Gleichgültigkeit in der Krise. Er rief die Christen auf, Gott in den Mittelpunkt ihres Lebens zu stellen.

Zollitsch beklagte im Silvestergottesdienst im Freiburger Münster, vielen sei der «moralische Gleichgewichtssinn verloren gegangen». Nicht nur die Finanz- und Bankenkrise bringe dies deutlich zum Ausdruck, sondern tiefer noch die Sorge um das Menschsein selbst. So werde die Unantastbarkeit des menschlichen Lebens nicht mehr allgemein anerkannt.

Die hannoversche Landesbischöfin Margot Käßmann erklärte, viele Menschen bauten darauf, dass sie sich mit Geld gegen jede Not absichern könnten. «Wie unsicher und verletzbar diese Absicherung ist, wurde uns im vergangenen Jahr bewusst, als alle Kurse wankten», so die Bischöfin der größten evangelischen Landeskirche in Deutschland. Davon seien nicht nur die Superreichen betroffen gewesen, sondern auch viele «kleine Leute», die ein Häuschen oder eine Lebensversicherung zur Altersvorsorge angespart hätten. (dpa/AP/epd)