Israelisch-palästinensischer Krieg: 

netzeitung.deEU und Nahost-Quartett verlangen Feuerpause

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Ergebnis eines aufgekündigten Waffenstillstandes: Zerstörungen in Gaza-City (Foto: dpa<br/>Quelle: NZ Netzeitung GmbH)

Lupe Ergebnis eines aufgekündigten Waffenstillstandes: Zerstörungen in Gaza-City
Foto: dpa
Quelle: NZ Netzeitung GmbH

Die Bombardierungen des Gazastreifens gehen weiter, das Raketenfeuer auf israelische Städte auch. Angesichts der dramatischen Lage werden die Rufe nach einer Feuerpause eindringlicher.

Angesichts anhaltender Luftangriffe Israels auf den Gazastreifen und des andauernden Raketenbeschusses israelischer Grenzgebiete durch militante Palästinenser nimmt der internationale Druck auf die Konfliktparteien zu. Die Außenminister der Europäischen Union und das Nahost-Quartett aus UN, EU, USA und Russland forderten eine sofortige dauerhafte Waffenruhe.

Die 27 EU-Außenminister einigten sich am Dienstagabend in Paris auf eine Erklärung, die zudem ungehinderten Zugang zum Gazastreifen für humanitäre Hilfe fordert. Israel lehnt eine Waffenruhe bislang ab, um der in Gaza herrschenden radikal-islamischen Hamas keine Ruhepause zu gönnen. Nach einem Bericht der israelischen Zeitung «Haaretz» wollte das Kabinett am Mittwoch angesichts der internationalen Forderungen aber weiter über einen Vorschlag Frankreichs beraten, der eine zunächst auf 48 Stunden befristete Feuerpause vorsieht.

Am Dienstagabend griffen israelische Kampfflugzeuge erneut Schmugglertunnel bei Rafah an der Grenze zwischen dem Gazastreifen und Ägypten an. Nach israelischen Medienberichten war es die zweite große Angriffswelle auf das Tunnelsystem, durch das Palästinenser Waren und Versorgungsgüter aller Art, aber auch Waffen in den abgeriegelten Gazastreifen schmuggeln.

Außerdem sei eine Raketenstellung militanter Palästinenser angegriffen worden, von der aus zuvor Grad-Raketen auf die israelische Wüstenstadt Beerschewa abgefeuert worden waren, berichtete die «Jerusalem Post» unter Berufung auf Armeeangaben. Beerschewa ist mit knapp 40 Kilometern die bislang am weitesten vom Gazastreifen entfernte Ortschaft, die von palästinensischen Raketen getroffen wurde.

50 Raketen auf Israel
Nach Berichten der Zeitung «Haaretz» schlugen am Dienstag bis zum Abend mehr als 50 Raketen auf israelischem Gebiet ein. Dabei seien zwei Menschen leicht verletzt worden. Seit Beginn der jüngsten Kämpfe am vergangenen Samstag kamen insgesamt vier Israelis ums Leben. Auf palästinensischer Seite starben nach letzten Angaben der Gesundheitsbehörde in Gaza bisher mindestens 380 Menschen, mehr als 1800 sollen verletzt worden sein.

Dem «Haaretz»-Bericht zufolge wollte sich das israelische Kabinett am Mittwoch erneut mit einer möglichen Feuerpause befassen, nachdem bei Beratungen am Dienstag keine Entscheidung gefallen sei. Wie es hieß, habe sich Verteidigungsminister Ehud Barak bei Gesprächen mit Regierungschef Ehud Olmert und Außenministerin Zipi Liwni für die Suche nach einem Weg zur Einstellung der Kämpfe in den kommenden Tagen ausgesprochen. Dabei favorisiere er den Vorschlag des französischen Außenministers Bernard Kouchner über eine auf 48 Stunden befristete Feuerpause, da diese die Möglichkeit biete, den Willen der Hamas zu eine dauerhaften Waffenruhe zu testen, berichtete die Zeitung weiter.

Offensive «Gegossenes Blei»
Olmert hatte eine Feuerpause am Dienstag abgelehnt. Israel wolle die am Samstag begonnene Offensive «Gegossenes Blei» nicht beenden, bevor alle Ziele erreicht seien, betonte ein Sprecher des Regierungschefs. Nach Medienberichten bat Olmert das Kabinett am Dienstag um Zustimmung für die Mobilisierung weiterer 2500 Reservisten. Bereits am Sonntag hatte die Regierung beschlossen, 6500 Reservisten einzuberufen. Dies galt als Anzeichen für eine möglicherweise bevorstehende Bodenoffensive im Gazastreifen.

Die EU-Außenminister fordern von Israel und der Hamas eine «sofortige und dauerhafte Waffenruhe». Das Ergebnis des Pariser Treffens sei ein wichtiges Signal europäischer Geschlossenheit, sagte Staatssekretär Günter Gloser, der Bundesaußenminister Frank-Walter Steinmeier in der französischen Hauptstadt vertreten hatte. «Ich hoffe, dass es uns gelingt, die Waffen endlich zum Schweigen zu bringen». Die gemeinsame Position der Europäer war auch von der Stellungnahme des Nahost-Quartetts beeinflusst worden. Diese Gruppe forderte nach einer Telefonkonferenz ebenfalls eine sofortige Waffenruhe im Gazastreifen.

Am Mittwoch wollten die Außenminister der Arabischen Liga bei einer Sondersitzung in Kairo darüber sprechen, wie sie ein Ende der Offensive der israelischen Armee im Gazastreifen herbeiführen können. (dpa)