Militäraktion im Gazastreifen: 

netzeitung.deIsrael sieht «keine unverhältnismäßige Härte»

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Israelischer Angriff auf Gaza City (Foto: AP<br/>Quelle: NZ Netzeitung GmbH)

Lupe Israelischer Angriff auf Gaza City
Foto: AP
Quelle: NZ Netzeitung GmbH

Die israelische Armee hat bei ihren Angriffen auf den Gazastreifen nach drei Tagen 350 Palästinenser getötet und 1650 verletzt. Schuld trage die Hamas, die Zivilisten vorsätzlich gefährde, heißt es.

Israel hat alle Vorwürfe unverhältnismäßiger Härte bei den Luftangriffen auf den Gazastreifen zurückgewiesen. Während die radikalislamische Hamas Zivilisten als menschliche Schutzschilder benutze, versuche Israel, die zivilen Opfer auf beiden Seiten gering zu halten, hieß es in einer am Montag verbreiteten Erklärung des israelischen Außenministeriums. Nach humanitärem Völkerrecht handele es sich bei Raketenabschussrampen und Waffenlagern im Gazastreifen um rechtmäßige militärische Ziele, auch wenn sie inmitten von Wohngebieten lägen. Die Schuld für alle zivilen Opfer liege dann bei jener Partei, die Zivilisten vorsätzlich gefährde.

Führende UN-Menschenrechtsvertreter hatten zuvor die israelischen Luftangriffe auf den Gazastreifen als unverhältnismäßig kritisiert. Die Luftangriffe hätten nicht nur jede Polizeistation und jede Sicherheitseinrichtung der gewählten Regierung im Gazastreifen zerstört, sondern auch viele Zivilisten getötet, heißt es in einer Erklärung des UN-Sonderberichterstatters über die Menschenrechtslage in den Palästinensergebieten, Richard Falk, vom Montag. Zwar seien die Raketenangriffe gegen Zivilisten in Israel gesetzeswidrig, aber dies gebe Israel weder als Besatzungsmacht noch als souveräner Staat das Recht, das internationale humanitäre Völkerrecht zu verletzten. Die Eskalation der Militärangriffe habe das Leben für israelische Zivilisten nicht sicherer gemacht.

Bei den seit drei Tagen anhaltenden schweren Luftangriffen Israels auf den Gazastreifen sind mindestens 350 Palästinenser getötet worden. Wie die Gesundheitsbehörde am Montagabend in Gaza weiter mitteilte, wurden mindestens 1650 weitere Personen verletzt. Im Gegenzug feuerten militante Palästinenser am Montag mehr als 60 Raketen auf Israel ab. Eine sogenannte Grad-Rakete schlug am Abend nach Armeeangaben an einer Bushaltestelle in der Hafenstadt Aschdod mit 190.000 Einwohnern ein. Bei der Explosion wurden eine Person lebensgefährlich und eine weitere Person schwer verletzt. Damit haben militante Palästinenser erstmals mitten in die rund 30 Kilometer nördlich vom Gazastreifen gelegene Hafenstadt geschossen und dort Menschen verletzt. Mit der höheren Reichweite der Raketen sind jetzt nicht mehr nur 120.000 Israelis, sondern bis zu 300.000 durch Raketen gefährdet.

Seit Beginn der israelischen Militäroffensive sind nach Armeeangaben mehr als 200 Raketen und Mörsergranaten auf Israel abgefeuert worden. Bis Dienstagabend waren insgesamt drei Israelis an den Folgen der Explosionen gestorben. Ein Mann, der bei einen Hamas-Angriff in Nachal Oz verletzt worden war, starb nach israelischen Angaben am Dienstagabend. Dutzende weitere wurden verletzt.

Die israelische Luftwaffe hatte zuvor das Haus eines Kommandeurs des bewaffneten Flügels der Hamas beschossen und dabei sieben Menschen getötet. Der Top-Kommandeur war nach Angaben der Hamas zum Zeitpunkt des Beschusses nicht zu Hause. Bei einem weiteren Raketenangriff wurden im südlichen Gazastreifen fünf hochrangige Mitglieder der militanten Palästinenserorganisation Islamischer Heiliger Krieg getötet.

Die arabischen UN-Botschafter forderten unterdessen, den Druck auf Israel zu erhöhen. In Gesprächen mit Ban und dem amtierenden Präsidenten des UN-Sicherheitsrats verlangten die Vertreter der arabischen Staaten, die Regierung in Jerusalem zur Einhaltung der UN-Vorgaben zu verpflichten. Der Sicherheitsrat habe am Samstag einmütig eine sofortige Waffenruhe und die Öffnung der Grenzübergänge zum Gazastreifen gefordert, sagte der palästinensische UN-Botschafter Riyad Mansour. «Dieser kollektive Wille muss in die Praxis umgesetzt werden.» Nähere Angaben zu den verlangten Maßnahmen machte er nicht. In jedem Fall müsse Israel dazu gebracht werden, die Forderungen innerhalb der nächsten 24 Stunden zu erfüllen. (dpa/AP)