21.12.2008
Herausgeber: netzeitung.de
Feuer in Griechenland: Die Polizei liefert sich eine Schlacht mit Randalierern
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Quelle: NZ Netzeitung GmbH
Ihr Hauptquartier war die Technische Universität, in der sie vor der Polizei sicher sind. Von dort planten wütende junge Griechen ihre neuesten Angriffe. Auch in Hamburg ging die Polizei gegen Randalierer vor.
Kurz vor Weihnachten sind die gewaltsamen Ausschreitungen in Athen wieder aufgeflammt. Nach einer Gedenkveranstaltung für einen 15-Jährigen, der vor zwei Wochen von einem Polizisten erschossen wurde, griffen Demonstranten am Samstagabend Sicherheitskräfte mit Brandsätzen und Steinen an. Die Vermummten bewarfen außerdem den großen Weihnachtsbaum in der Innenstadt mit Müll.
Bei den Ausschreitungen wurden drei Pressefotografen verletzt. Die Angreifer benutzten die Technische Universität von Athen als Basis und planten von dort ihre Angriffe. Sie setzten ein Bürogebäude in der Innenstadt in Brand und errichteten Barrikaden. Die Sicherheitskräfte dürfen laut Gesetz den Campus nicht betreten, solange sie von der Universitätsverwaltung nicht dazu aufgefordert werden.
Die Sicherheitskräfte auf dem Syntagma-Platz setzten Pfefferspray und Schlagstöcke ein. Der Platz mit dem städtischen Weihnachtsbaum wurde innerhalb von zwei Stunden geräumt. Der erste Weihnachtsbaum in der griechischen Hauptstadt war bei Protesten am 8. Dezember angezündet worden und in Flammen aufgegangen.
Bürgermeister mit Gebäck beworfenIn Saloniki besetzten Demonstranten ein Kino und einen Stand, an dem Bürgermeister Vassilis Papageorgopoulos Kuchen und Süßigkeiten an kranke Kinder verteilte. Papageorgopoulos und einer seiner Stellvertreter wurden mit dem Gebäck beworfen. Regierung und Polizei hatten gehofft, dass die seit zwei Wochen andauernden teils gewaltsamen Proteste an den Weihnachtsfeiertagen abebben.
Auslöser war der Tod von Alexandros Grigoropoulos bei einem Polizeieinsatz am 6. Dezember. Angefacht wurden die Proteste außerdem durch die Unzufriedenheit mit der Wirtschafts- und Sozialpolitik der Regierung des konservativen Ministerpräsidenten Konstantinos Karamanlis und der hohen Arbeitslosigkeit. Insgesamt wurden nach Polizeiangaben bislang mehr als 300 Menschen festgenommen.
Festnahmen in HamburgBei einer Demonstration gegen Polizeigewalt in Griechenland wurden am Samstag in Hamburg neun Personen festgenommen. Ein Teilnehmer kam in Polizeigewahrsam. Von den rund 1000 Teilnehmern sei etwa die Hälfte dem gewaltbereiten Spektrum zuzurechnen, sagte eine Polizeisprecherin. Aus der Menge wurden nach ihren Angaben Flaschen und Feuerwerkskörper auf Polizisten geworfen.
Vier Polizeibeamte wurden verletzt. Wegen der Ausschreitungen stoppte der Einsatzleiter der Polizei die Demonstration und ordnete eine Änderung der angemeldeten Route an. Diese Auflage wurde von der Versammlungsleiterin nicht akzeptiert; sie erklärte den Aufzug für beendet. Beim Abzug in kleinen Gruppen griffen Störer nach Polizeiangaben vereinzelt Beamte an. Zwei seien nach Flaschenwürfen ins Krankenhaus gebracht worden.
Ohne Zwischenfälle verlief eine Kundgebung in der Nähe des griechischen Generalkonsulats mit etwa 250 Teilnehmern. Wegen der Demonstrationen waren etwa 1300 Polizisten im Einsatz. (AP)