08.12.2008
Herausgeber: netzeitung.de
Verschlüsselung per Mausklick
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Quelle: NZ Netzeitung GmbH
Lauschangriff, Videoüberwachung, Onlinedurchsuchung - wenn die gesuchten Daten verschlüsselt sind, stößt jede Methode an ihre Grenzen. Das machen sich zeitgemäße Terroristen zu Nutze.
Verschlüsselte Telefonate und Datenpakete im Internet sind die neuesten Mittel des internationalen Terrorismus zur Vorbereitung von Anschlägen. Dies zählt zu den Lehren aus den Terroranschlägen von Bombay, die Sicherheitsbehörden am Montag auf einer internationalen Konferenz in Berlin erörterten.
Bundesinnenminister Wolfgang Schäuble sprach sich für eine engere Vernetzung von Sicherheitsbehörden im Antiterrorkampf aus. Bombay zeigt nach Meinung der Experten erneut, dass im Ausland geplante Anschläge von einer relativ kleinen Gruppe mit einem Höchstmaß an Opfern ausgeführt werden. Internet-Telefonie habe bei der Vorbereitung eine Rolle gespielt.
BKA-Präsident Jörg Ziercke sagte, immer häufiger stießen Ermittler gegen Terrornetzwerke auf verschlüsselte Daten und anonymisierten Datenverkehr. Er sprach von E-Mails deren Inhalte ebenso wenig offensichtlich wie Absender und Empfänger seien. Hinzu komme das sogenannte Call-Shop-Hopping, bei dem verschlüsselte Internet-Telefonate von verschiedenen Stellen aus abgesetzt würden. Genutzt würden auch nicht geschützte Hotspots in den Wohnungen argloser Bürger mit schnellem Internetanschluss.
Grenzen erkennbarDie Überwachung wird nach den Worten Zierckes auch deshalb immer schwieriger, weil es für die Internet-Telefonie keine zentralen Anbieter mehr gebe. Die Überwachung mit herkömmlichen Mitteln stoße an ihre Grenzen. Dies werfe die Schlüsselfrage nach der Wirksamkeit der Abwehr von Terrorismus und organisierter Kriminalität auf.
Robert Hannigan, Sicherheitsberater des britischen Premiers Gordon Brown, berichtete, seine Regierung suche derzeit parlamentarische Mehrheiten für Maßnahmen zur Überwachung der Internet-Telefonie. Er sprach von einer «großen Herausforderung» für die nächsten Jahre.
«Umfassendes Sicherheitsnetzwerk»Ähnlich äußerte sich der Abteilungsleiter islamistischer Terrorismus beim Bundesamt für Verfassungsschutz, Hans-Georg Engelke. Er sprach auch über unterschiedlichste Tätergruppen in seinem Bereich. Zunehmend an Bedeutung gewännen Migrantenkinder oder -enkel, die in Deutschland geboren wurden. Im Kernpotenzial möglicher Täter seien inzwischen 50 Prozent Konvertiten: «Das hatten wir so noch nicht,» sagte Engelke.
Schäuble (CDU) forderte die kombinierte Zusammenarbeit der Sicherheitsbehörden in einem «umfassenden Sicherheitsnetzwerk», um den Terrornetzwerken entgegentreten zu können. Der bisher straflose Besuch terroristischer Ausbildungscamps müsse zum Straftatbestand erhoben werden. Der Besuch solcher Lager müsse als Vorbereitungshandlung für eine Straftat beurteilt werden.
Information ist nach den Worten des Ministers das wichtigste Mittel im Kampf gegen den Terrorismus. Ohne auf die umstrittene Online-Durchsuchung im vorerst gescheiterten BKA-Gesetz einzugehen, nannte er es «unredlich und schädlich», Nachrichtendiensten unlautere Motive und einen «Überwachungswahn» zu unterstellen. Wer dies tue, untergrabe das Vertrauen der Bürger und lege die Hand an die Wurzeln von Rechtsstaatlichkeit. (AP)