10.12.2008
Herausgeber: netzeitung.de
Für ihren Einsatz wurde Eleanor Roosevelt als "First Lady der ganzen Welt" verehrt
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Quelle: NZ Netzeitung GmbH
Zwei Jahre lang hatte die Präsidentenwitwe für eine allgemeine Menschenrechtserklärung gekämpft: Am 10. Dezember 1948 erreichte Eleanor Roosevelt ihr Ziel.
Es war ihr großer Tag: Am 10. Dezember 1948 genoss Eleanor Roosevelt den tosenden Applaus der UN-Generalversammlung. Soeben hatten die Delegierten die Allgemeine Erklärung der Menschenrechte verabschiedet. «Langer Job beendet», kritzelte die damals 64-jährige Präsidentenwitwe in ihr Notizbuch.
Zwei Jahre lang hatte Roosevelt als Vorsitzende der Menschenrechtskommission Kompromisse gesucht, gestritten und zur Eile gedrängt. Nun war das Werk vollbracht. Dabei hatte Roosevelts Karriere bei den Vereinten Nationen wenig verheißungsvoll begonnen. Während ihrer ersten Debatten im Jahr 1946 wurde die einzige Frau der US-Delegation oft von gähnender Langeweile gequält. Prompt schockte sie die männlichen Kollegen mit der Frage, ob es wohl in Ordnung wäre, wenn sie künftig mit Strickzeug zur Versammlung käme.
Geschickt und geduldigDoch die ehemalige First Lady entpuppte sich bald als geschickte Diplomatin: Die stets bis ins Detail informierte Amerikanerin schien unendlich geduldig. Und manchmal lud sie einfach die gesamte Kommission zu Tee und Keksen auf ihr Hotelzimmer ein, um die angespannte Atmosphäre zu lockern.
Die selbstbewusste Dame hatte nicht viel mit dem schüchternen Mädchen Eleanor gemein, das im späten 19. Jahrhundert in New York City groß wurde. Roosevelts Kindheit verlief chaotisch und lieblos: Die Mutter, eine Schönheit aus der Oberschicht, lehnt die 1884 geborene Tochter ab und gibt ihr den Spitznamen «Granny» - «Großmutter». Sie stirbt an Diphtherie, als Eleanor acht Jahre alt ist. Der alkoholkranke Vater, Bruder des späteren Präsidenten Theodore Roosevelt, stirbt zwei Jahre später. Eleanor wächst bei ihrer Großmutter auf.
Kampf für die Rechte von FrauenMit 15 schickt man das Mädchen auf ein Internat nach England. Bei ihrer Rückkehr nach New York meldet sich die Siebzehnjährige als Helferin in der verarmten Lower East Side, wo sie Arbeiterkinder in Gymnastik unterrichtet. Doch das soziale Engagement endet in Jahr 1905. Denn mit 21 heiratet Eleanor ihren Cousin Franklin Delano Roosevelt. Artig fügt die frisch Vermählte sich in die Rolle der Hausfrau - streng überwacht von der konservativen Schwiegermutter. In den nächsten Jahren zieht Eleanor fünf Kinder groß. Eine wenig erfüllende Aufgabe: «Mit Kindern zu spielen fiel mir schwer», schreibt sie später. Erst als die USA 1917 in den zweiten Weltkrieg eintreten, wird Eleanor wieder aktiv. Sie managt eine Soldatenkantine und hält Reden. Später kämpft sie an der Seite der Gewerkschaften für den Mindestlohn für Frauen und das Verbot der Kinderarbeit.
Ihre Ehe hat zu dieser Zeit jedoch alle Romantik verloren. Nach einer Affäre Franklins leben die Roosevelts vor allem als «Geschäfts-Partner» zusammen. 1933 wird Franklin Präsident der Vereinigten Staaten. Eleanor sorgt dafür, dass möglichst viele Frauen Posten im Weißen Haus ergattern. Sie knüpft Kontakte zu Studentenorganisationen, Gewerkschaftlern und Bürgerrechtlern, setzt sich für Afroamerikaner und jüdische Flüchtlinge ein.
Vielen galt sie als zu liberalVielen Kritikern gilt sie als zu liberal, zu links. Alarmiert legt das FBI eine Akte über sie an, die bei ihrem Tod mehr als 3.000 Seiten dick sein wird. Im April 1945 endet Eleanors Zeit als First Lady, als ihr Mann an einer Hirnblutung stirbt. Aber kurz darauf beruft Präsident Truman sie zur Delegierten bei den Vereinten Nationen.
Nach ihrem Triumph am 10. Dezember 1948 verleihen Fans ihr einen neuen Titel: «First Lady der ganzen Welt». Für ihre Verdienste in den UN schlug Präsident John F. Kennedy sie später für den Friedensnobelpreis vor. Eleanor Roosevelt starb 78-jährig am 7. November 1962. (Von Ina Rometsch/epd)