Gefährliche Täuschung in Pakistan:
Atommächte wegen Telefonat vor Kriegsausbruch
06.12.2008
Herausgeber: netzeitung.de
Erst als Rice mitten in der Nacht den indischen Außenminister Mukherjee anrief und dieser bestritt, der Anrufer gewesen zu sein, begann sich die Lage langsam wieder zu beruhigen, berichtete «Dawn». Es habe jedoch noch mehrere Stunden intensiver internationaler Bemühungen bedurft, um die Situation endgültig zu bereinigen. Noch am frühen Samstag, den 29. November habe Pakistan damit gedroht, 100 000 Soldaten von der wegen den radikal-islamischen Taliban und El-Kaida- Terroristen unsicheren Grenze zu Afghanistan abzuziehen und an die Grenze zu Indien zu verlegen - eine Ankündigung, die in Washington höchste Besorgnis auslöste.
Nicht nur in Pakistan fragten sich viele Beobachter beunruhigt, wie der Präsident eines Atomstaates so einfach getäuscht werden kann. Offensichtlich hatte sich der Anrufer keine besondere Mühe gemacht, als er Zardari anrief, diesem etwas vorzutäuschen. Nach Informationen der pakistanischen Zeitung «Dawn» gab es im Büro des Präsidenten keinerlei Versuche, die Identität des Anrufers zu überprüfen. Der selbe Mann habe wohl auch versucht, Rice anzurufen, sei aber nach der üblichen Überprüfung gar nicht erst durchgestellt worden. In Pakistan wird nun mit aller Energie nach dem Anrufer gesucht. Pakistanische Behörden vermuten, dass der Anruf aus Neu Delhi kam, möglicherweise sogar aus dem Außenministerium, was in Indien vehement bestritten wird.
Bei den Terrorangriffen in der vorigen Woche kamen 171 Menschen ums Leben. Durch die Festnahmen wurde Indiens Annahme, dass die Anschläge ausschließlich auf pakistanische Extremisten zurückgehen, erneut infragegestellt. Der aus Westbengalen stammende Mann soll die Karten erstanden haben und sie dann an den Kaschmiri weiterverkauft haben. Dieser soll Berichten zufolge in der zwischen Indien und Pakistan umstrittenen mehrheitlich muslimischen Region Kaschmir als Polizist tätig gewesen sein. Die indischen Ermittler brachten am Samstag zudem einen bereits im Februar festgenommenen Inder nach Bombay, um ihn auf eine mögliche Verbindung zu den Attentätern hin zu befragen. Faheem Ansari hatte bei seiner Festnahme zahlreiche detaillierte Skizzen von möglichen Anschlagszielen in Bombay bei sich.(dpa, AP)

