Bitte um Milliardenhilfe:
US-Kongress begegnet Autochefs skeptisch
04. Dez 2008 18:27
 |  In die GM-Zentrale könnten bald Konkursverwalter einziehen - wenn der Staat nicht hilft | Foto: dpa |
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Besonders einem der «großen Drei», General Motors, drohen «Chapter 7» oder «Chapter 11» – amerikanische Konkursverfahren. Demokraten und Republikaner zeigen sich davon wenig beeindruckt.
Die Chefs der ums Überleben kämpfenden drei großen US-Autokonzerne haben den Kongress am Donnerstag um staatliche Kredite in Höhe von 34 Milliarden Dollar gebeten, sind damit aber auf Vorbehalte gestoßen. Der demokratische Mehrheitsführer im Senat, Harry Reid, sagte vor der Sitzung des Bankenausschusses, er sehe nicht die erforderliche Mehrheit für eine derartige Unterstützung.
Reid sagte, es sei Sache der Regierung, Mittel aus dem 700-Milliarden-Dollar-Paket für die Banken an die Automobilbranche abzuzweigen. Richard Shelby, führender Republikaner im Bankenausschuss des Senats, kritisierte, die Autobauer hätten die erbetene Summe in den vergangenen beiden Wochen deutlich erhöht. Sie müssten klarmachen, wie sie das Geld den Steuerzahlern zurückzahlen wollten, sagte Shelby. Der demokratische Ausschussvorsitzende Chris Dodd verwies die Branche an die Notenbank. Er schrieb einen Brief an Fed-Präsident Ben Bernanke mit der Frage, ob es irgendwelche Hindernisse für Kredite der Notenbank an die Automobilkonzerne gebe. Viele Fragen bei der geforderten Nothilfe seien noch ungeklärt, sagte Dodd, betonte aber, Unterstützung für die Autobauer sei in jedem Fall nötig. Ein Bankrott eines oder mehrere Autobauer «würde jeden Sektor unserer Wirtschaft in Mitleidenschaft ziehen».
Anhörungen ausgesetzt
Die Anhörungen der Vorstandschefs von General Motors (GM), Ford und Chrysler sind auf zwei Tage angesetzt. Sie legen diesmal getrennte Rettungspläne vor, die eine massive Umstrukturierung vorsehen. GM will vom Staat einen Notkredit über zwölf Milliarden Dollar, wobei vier Milliarden sofort überwiesen werden sollen. Außerdem wünscht sich die Opel-Mutter zur Absicherung weiterer Risiken eine zusätzliche Kreditoption auf sechs Milliarden Dollar. Chrysler hat seinen Finanzbedarf bis zum Jahresende mit sieben Milliarden Dollar angegeben, um den Betrieb aufrechtzuerhalten. Ford hat eine Kreditlinie von neun Milliarden Dollar beantragt. «Wir sind heute hier, weil wir Fehler gemacht haben», sagte GM-Vorstandschef Rick Wagoner vor dem Bankenausschuss des Senats. Chrysler-Chef Bob Nardelli erklärte, er habe nie an einer wichtigeren Sitzung teilgenommen.
Gewerkschaft zu Zugeständnissen bereit
Um Abgeordnete und Öffentlichkeit gnädig zu stimmen, haben Wagoner und Ford-Chef Alan Mulally angekündigt, dass sie bei staatlicher Hilfe ihr persönliches Jahresgehalt auf einen Dollar begrenzen wollten. Nardelli hat diesen Schritt bereits vollzogen. Vor dem Kapitol zeigen die Detroiter Konzerne neue Modelle mit geringem Benzinverbrauch, um zu demonstrieren, dass sie ihre Firmenstrategie bereits erneuert haben. Die Autoarbeitergewerkschaft UAW erklärte sich zu Zugeständnissen bereit, um den Konzernen zu helfen. Die UAW wolle unter anderem Zahlungen der Konzerne in Höhe von mehreren Milliarden Dollar an einen Gesundheitsfonds stunden, sagte Gewerkschaftspräsident Ron Gettelfinger nach einem Krisengespräch am Mittwoch in Detroit. Außerdem soll die sogenannte Jobs-Bank ausgesetzt werden. Diese Einrichtung sichert entlassenen Mitarbeitern bis zu 95 Prozent ihres Gehalts. In den Jobs-Bank-Programmen sind derzeit rund 3500 Arbeiter vom GM, Chrysler und Ford registriert. (AP)