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Nixon-Tonbänder veröffentlicht: 

«Das Establishment ist der Feind»

03. Dez 2008 19:39
Mit den Worten 'Wir werden sie bombadieren' eskalierte Nixon den Vietnamkrieg
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Die Regierung Nixon galt als eine der geheimniskrämerischsten der USA. Nun gelangten Mitschnitte aus dem Weißen Haus an die Öffentlichkeit, die vor allem den Verfolgungswahn des Watergate-Präsidenten verdeutlichen.

Ein anderer US-Präsident als er hätte sich im Dezember 1972 im Glanz seiner Wiederwahl einen Monat zuvor gesonnt, Richard Nixon indes wähnte sich von Feinden umgeben. Auf einen davon, Nordvietnam, ließ er bald darauf Bomben hageln; über seine anderen Widersacher versprühte er Gift und Galle.

«Vergessen Sie das nie», bläute Nixon seinem Nationalen Sicherheitsberater Henry Kissinger ein: «Die Presse ist der Feind. Das Establishment ist der Feind. Die Professoren sind der Feind.» - «Professoren sind der Feind!» wiederholte Nixon, wie auf einer diese Woche freigegebenen Tonbandaufnahme aus dem Oval Office zu hören ist. «Schreiben Sie das 100 Mal an die Tafel, und vergessen Sie es nie.»

Das Gespräch fand am 14. Dezember 1972 statt, vier Tage vor dem Beginn massiver US-Luftangriffe auf Hanoi und Haiphong, mit denen Nordvietnam bei den Friedensgesprächen unter Druck gesetzt werden sollte. «Wir werden sie bombardieren», sagte Nixon zu Kissinger und seinem Berater Alexander Haig - und gab damit grünes Licht für eine der umstrittensten Aktionen im Vietnam-Krieg. «Über die Weihnachtszeit kriegen wir Zunder, und am 3. Januar gibt's dann den Weihnachtsrückzug.»

«Ärgernis» Vietnam

Die zum Nationalarchiv gehörende Nixon-Bibliothek hat jetzt weiteres Material aus seiner Regierungszeit freigegeben. 90.000 Seiten Dokumente wurden offengelegt und 200 Stunden Tonbandaufnahmen aus dem Weißen Haus online gestellt.

Auf den Bändern ist auch ein Gespräch Nixons mit dem sowjetischen Botschafter Anatoli Dobrynin Anfang Dezember 1972: Die Sowjets sollten Hanoi Druck machen, bei den schleppenden Friedensgesprächen ernsthaft zu verhandeln. «Ihre Regierung und ich, wir haben Besseres zu tun als diese verdammte Sache», sagte der US-Präsident über den Vietnam-Krieg. Die Sache müsse erledigt werden, damit man sich anderen Dingen zuwenden könne. Als «Ärgernis» bezeichnete er Vietnam.

2200 Stunden auf Band

Kissinger sagte später, die Wiederaufnahme des Bombardements sei Nixons bis dahin einsamste Entscheidung gewesen. Für den Forscher Luke Nichter zeigen die jüngsten Bänder, dass «Präsident Nixon mehr mit den Details des Vietnam-Kriegs zu tun hatte, als wir bisher annahmen, zumindest während des Bombardements an Weihnachten».

Über 2200 Stunden Tonaufzeichnungen aus Nixons Amtszeit hat das Nationalarchiv bereits freigegeben, rund 1200 Stunden sollen noch folgen. Paradoxerweise werde dank dieser Bänder «eine der geheimniskrämerischsten Regierungen der amerikanischen Geschichte mit der Zeit die am besten dokumentierte werden», meint Nichter, der die Gespräche und Telefonate analysiert.

Politische Gegner und Friedensaktivisten im Visier

Die Dokumente zeigen auch, in welchem Ausmaß Nixons Mitarbeiter vom Misstrauen ihres Chefs angesteckt wurden. Sie bewarfen seine Kritiker mit Dreck, zogen über die Ehe- und Alkoholprobleme politischer Gegner her. So wurde der Gouverneur von Alabama, George Wallace, in einem Memo als «Psychotiker» mit Eheproblemen dargestellt.

Der Demokrat Thomas Eagleton zog seine Bewerbung an der Seite des damaligen Präsidentschaftskandidaten George McGovern zurück, nachdem herausgekommen war, dass er in psychiatrischer Behandlung gewesen war. Ein Parteigänger hatte Nixons Leuten zugetragen, dass Eagleton Alkoholiker sei und sich seine Whisky-Stimme «redlich verdient» habe.

Und Nixons Anhänger versuchten, den zunehmenden Unmut der Öffentlichkeit über den Vietnam-Krieg unter dem Deckel zu halten. Besonders im Auge behielt Nixon Antikriegs- und Bürgerrechtsdemonstrationen, selbst die friedlichsten. Der FBI-Beamte Mark Felt berichtete ihm regelmäßig auch über so läppische Vorfälle wie eine Rauferei in einer Schul-Cafeteria, bei der sieben Schüler festgenommen wurden, sowie ein friedliches Sit-in von 20 Studenten in Rhode Island.

Insgeheim hatte Felt ganz anderes vor: Er war jener Informant «Deep Throat», der der «Washington Post» Enthüllungen über den Watergate-Skandal steckte, über den Nixon schließlich stürzte. (Calvin Woodward, AP)

 
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