Nixon-Tonbänder veröffentlicht:
«Das Establishment ist der Feind»
03.12.2008
Herausgeber: netzeitung.de
Das Gespräch fand am 14. Dezember 1972 statt, vier Tage vor dem Beginn massiver US-Luftangriffe auf Hanoi und Haiphong, mit denen Nordvietnam bei den Friedensgesprächen unter Druck gesetzt werden sollte. «Wir werden sie bombardieren», sagte Nixon zu Kissinger und seinem Berater Alexander Haig - und gab damit grünes Licht für eine der umstrittensten Aktionen im Vietnam-Krieg. «Über die Weihnachtszeit kriegen wir Zunder, und am 3. Januar gibt's dann den Weihnachtsrückzug.»
Auf den Bändern ist auch ein Gespräch Nixons mit dem sowjetischen Botschafter Anatoli Dobrynin Anfang Dezember 1972: Die Sowjets sollten Hanoi Druck machen, bei den schleppenden Friedensgesprächen ernsthaft zu verhandeln. «Ihre Regierung und ich, wir haben Besseres zu tun als diese verdammte Sache», sagte der US-Präsident über den Vietnam-Krieg. Die Sache müsse erledigt werden, damit man sich anderen Dingen zuwenden könne. Als «Ärgernis» bezeichnete er Vietnam.
Über 2200 Stunden Tonaufzeichnungen aus Nixons Amtszeit hat das Nationalarchiv bereits freigegeben, rund 1200 Stunden sollen noch folgen. Paradoxerweise werde dank dieser Bänder «eine der geheimniskrämerischsten Regierungen der amerikanischen Geschichte mit der Zeit die am besten dokumentierte werden», meint Nichter, der die Gespräche und Telefonate analysiert.
Der Demokrat Thomas Eagleton zog seine Bewerbung an der Seite des damaligen Präsidentschaftskandidaten George McGovern zurück, nachdem herausgekommen war, dass er in psychiatrischer Behandlung gewesen war. Ein Parteigänger hatte Nixons Leuten zugetragen, dass Eagleton Alkoholiker sei und sich seine Whisky-Stimme «redlich verdient» habe.
Und Nixons Anhänger versuchten, den zunehmenden Unmut der Öffentlichkeit über den Vietnam-Krieg unter dem Deckel zu halten. Besonders im Auge behielt Nixon Antikriegs- und Bürgerrechtsdemonstrationen, selbst die friedlichsten. Der FBI-Beamte Mark Felt berichtete ihm regelmäßig auch über so läppische Vorfälle wie eine Rauferei in einer Schul-Cafeteria, bei der sieben Schüler festgenommen wurden, sowie ein friedliches Sit-in von 20 Studenten in Rhode Island.
Insgeheim hatte Felt ganz anderes vor: Er war jener Informant «Deep Throat», der der «Washington Post» Enthüllungen über den Watergate-Skandal steckte, über den Nixon schließlich stürzte. (Calvin Woodward, AP)

