Druck auf Pakistan wächst: 

netzeitung.dePolitische Scharmützel nach Bombay-Terror

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Pakistan soll bei der Aufklärung der Anschläge helfen (Foto: AP<br/>Quelle: NZ Netzeitung GmbH)

Lupe Pakistan soll bei der Aufklärung der Anschläge helfen
Foto: AP
Quelle: NZ Netzeitung GmbH

Während Pakistan vor Überreaktionen nach den Anschlägen warnt, erhöhen die USA den Druck auf die Regierung in Islamabad. Sollten die Spannungen anhalten, könnte sich die Lage an der pakistanisch-indischen Grenze verschärfen.

Nach der Terrorserie in Bombay erhöhen die USA und Indien den Druck auf die Atommacht Pakistan. US- Außenministerin Condoleezza Rice sagte am Montag bei einem Besuch in London, die USA erwarteten die «uneingeschränkte» Kooperation Islamabads. Rice wird an diesem Mittwoch in der indischen Hauptstadt Neu Delhi erwartet.

Indische Medien berichteten, das Außenministerium in Neu Delhi habe den pakistanischen Botschafter einbestellt und Protest eingelegt. Das Außenministerium teilte lediglich mit, es sei zu einem Treffen mit dem Botschafter gekommen. Indien hat «Elemente in Pakistan» für die Angriffe in Bombay verantwortlich gemacht.

Der pakistanische Präsident Asif Ali Zardari hatte Indien vor einer «Überreaktion» gewarnt. Der Nachrichtensender NDTV meldete, indische Grenztruppen hätten ihre Patrouillen an der Grenze zu Pakistan verstärkt. Sollten die Spannungen zwischen den beiden Atommächten eskalieren, könnten die rund 100.000 pakistanischen Soldaten von der afghanischen an die indische Grenze verlegt werden, berichteten pakistanische Medien unter Berufung auf die Armee.

Angriffe auf Afghanistan
Dadurch würden die Truppen für den vor allem von den USA geforderten Anti-Terror-Kampf in den an Afghanistan angrenzenden Stammesgebieten nicht mehr zur Verfügung stehen. Von den Stammesgebieten im Nordwesten Pakistans greifen Aufständische Ziele in Afghanistan an.

Der einzige festgenommene Attentäter der Anschlagsserie in Bombay bestätigte nach indischen Medienberichten Mutmaßungen über Verbindungen nach Pakistan. Die Gruppe habe sich ein Jahr lang in einem Trainingslager der radikalislamischen Organisation Lashkar-e- Toiba in Pakistan vorbereitet, sagte der 21-jährige Ajmal Amir Kasav bei seinem Verhör nach einem Bericht der «Times of India» am Montag.

Er habe zu einer Gruppe von 24 jungen Männern gehört. «Zehn von uns wurden am Ende für die Operation in Bombay ausgewählt», sagte Kasav, der bei den Kämpfen verletzt wurde. Seine Gruppe habe Bombay auf dem Seeweg vom pakistanischen Karachi aus erreicht. Die pakistanische Polizei dementierte, dass aus dem angeblichen Heimatdorf des Terroristen jemand mit dessen Namen fehle.

«Bedrohung der Seele Indiens»
Der neue indische Innenminister P. Chidambaram sagte nach seiner Amtsübernahme am Montag, die Anschläge seien «eine Bedrohung der Idee Indiens, der Seele Indiens». Die indische Gesellschaft sei säkular, tolerant und offen. Man werde mit Entschlossenheit auf Bedrohungen reagieren.

Der bisherige Finanzminister Chidambaram löste Shivraj Patil als Innenminister ab, der am Sonntag nach Kritik wegen der Angriffserie von Bombay zurückgetreten war. Am Montag legte auch der Innenminister und Vize-Ministerpräsident des Bundesstaats Maharashtra, R. R. Patil, seine Ämter nieder. Bombay ist die Hauptstadt Maharashtras. Der Ministerpräsident des Bundesstaats, Vilasrao Deshmukh, bot ebenfalls seinen Rücktritt an.

Deshmukh gehört zur Kongresspartei, die auch die Zentralregierung in Neu Delhi anführt. Im Frühjahr stehen in Indien Parlamentswahlen an. Die Opposition wirft der Kongresspartei vor, bei der inneren Sicherheit versagt zu haben. Die Zentralregierung und die Regierung des Bundesstaates Maharashtra sind in die Kritik geraten, weil sie die Terrorserie in Bombay trotz Hinweisen auf bevorstehende Angriffe nicht verhindert hatten. Neu Delhi kündigte an, die Anti-Terror- Eliteeinheit NSG deutlich zu verstärken.

Dreitägiges Terrordrama
Am Samstag hatten Sicherheitskräfte unter Führung der NSG mit der Einnahme des Luxushotels «Taj Mahal» das dreitägige Terrordrama in der westindischen Finanzmetropole beendet. Die Terroristen töteten nach offiziellen Angaben 188 Menschen, 313 wurden verletzt. Unter den 28 toten Ausländern sind laut dem indischen Außenamt auch drei Deutsche. Die vermutlich islamistischen Attentäter hatten am Mittwochabend insgesamt zehn Ziele in Bombay angegriffen, darunter ein jüdische Gemeindezentrum.

Die israelische Luftwaffe soll sechs Todesopfer des blutigen Anschlags auf das Gemeindezentrum nach Israel bringen. Ein Sprecher des israelischen Außenministeriums sagte am Montag, sechs Leichen seien identifiziert worden. Zunächst war von neun Toten im jüdischen Gemeindezentrum die Rede gewesen. Ministeriumssprecher Jigal Palmor sagte, es gebe noch zwei Leichen in Krankenhäusern, die von den indischen Behörden für Israelis gehalten würden. Man müsse dies prüfen, halte es jedoch für sehr unwahrscheinlich, da alle vermissten Israelis bereits Kontakt mit ihren Familien aufgenommen hätten. Ein forensisches Expertenteam sei in Indien angekommen und helfe dort bei der Leichen-Identifizierung. (dpa)