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Zum Weltaidstag 

Lupe Südafrika ändert seine Aids-Politik

Gute Nachrichten vom Kap: Südafrika war bisher für seine unverantwortliche Haltung beim Thema Aids bekannt. Doch jetzt sollen werdende Mütter besser versorgt werden, damit ihre Neugeborenen nicht infiziert werden.

Rote Beete und Knoblauch als Mittel im Kampf gegen Aids: Südafrika als Land mit der welthöchsten Zahl an HIV-Infizierten hat in seiner Aids-Politik jahrelang eine bizarre Mischung aus staatlicher Ignoranz und Sturheit demonstriert.

Die zögerliche Haltung der Regierung bei der Aids-Bekämpfung habe zwischen den Jahren 2000 und 2005 rund 330.000 Südafrikaner das Leben gekostet und zur Infizierung von mindestens 35.000 Babys geführt, rechnete die Harvard-Universität in einer Studie vor.

Radikale Wende
Doch passend zum Weltaidstag kommt gute Hoffnung vom Kap: Nach dem von seiner Partei erzwungenen Rücktritt von Präsident Thabo Mbeki hat das Land eine radikale Wende eingeleitet. Sie war zuvor bereits in Ansätzen von der damaligen Vizepräsidentin Phumzile Mlambo-Ngcuka vorgegeben worden.

Allerdings machte erst die Versetzung der umstrittenen Gesundheitsministerin Manto Tshabala- Msimang auf den eher zeremoniellen Posten einer Ministerin im Präsidialamt den Weg frei für die Neuordnung. Unter ihrer Nachfolgerin Barbara Hogan hat die Bekämpfung der Immunschwächekrankheit im Lande oberste Priorität.

Zwei Millionen Aidswaisen
Hogan schlug völlig neue Töne in einem Staat an, der sich bis dahin international mit merkwürdigen Thesen der Lächerlichkeit preisgab. Dabei ist die traurige Realität alles andere als zum Lachen: Insgesamt wird die Zahl der mit dem Aids-Virus Infizierten in dem Kap-Staat auf mehr als 5,5 Millionen geschätzt, täglich sterben Hunderte daran. Die Zahl der Aids-Waisen wird auf zwei Millionen veranschlagt und dürfte nach Schätzungen des UN-Kinderhilfswerks Unicef bis zum Jahr 2010 auf 3,1 Millionen steigen. Das wären knapp 20 Prozent aller Kinder unter 17 Jahren am Kap.

Hogan will einen starken Akzent auf die medizinische Versorgung der werdenden Mütter legen, um Neugeborenen möglichst eine Ansteckung zu ersparen. Zudem soll unter anderem das ehrgeizige Programm für die Versorgung der HIV-Infizierten mit lebensverlängernden antiretroviralen Medikamenten schleunigst ausgeweitet werden. Die Aids-Hilfsorganisation «Treatment Action Campaign» (TAC) hatte das Programm einst vor Gericht gegen den Willen von Hogans Vorgängerin durchgesetzt. Nun stellt die TAC sogar ganz offiziell eine Beraterin für die neue Gesundheitsministerin - ein Zeichen, das auch dem Ausland die neue Ära in Südafrikas Aids-Politik signalisieren soll.

Riskante traditionelle Kräutermedizin
Obwohl die Krankheit nach wie vor in vielen Gemeinden ein Tabu ist, haben die Aufklärungskampagnen zu greifen begonnen. Die John Hopkins Universität errechnete, dass rund 700.000 Jugendliche dadurch vor einer Infizierung bewahrt wurden. Unabhängig davon ist die verzweifelte Suche nach «afrikanischen Lösungen» für das Problem in vielen Regionen aber weiter stark verankert. So hat etwa die Regionalregierung der Provinz KwaZulu-Natal nach Informationen der «Sunday Times» ein Experiment in einem Hospiz gebilligt, bei dem Aids-Patienten in Durban traditionelle Kräutermedizin verabreicht wird. Darunter ist auch ein uBhejane genannter Kräutermix.

Es wurde von einem arbeitslosen Lastwagenfahrer nach einem Traum zusammengemischt, in dem ihm angeblich sein mit Heilkräutern erfahrener Großvater erschienen war. Eine seine ersten Patienten war die eigene Tochter - sie starb nur wenige Monate später. (Ralf E. Krüger, dpa)