Krise in Thailand:
Thailändische Regierung will Urlaubern helfen
30.11.2008
Herausgeber: netzeitung.de
Regierungsgegner halten den internationalen Flughafen seit Dienstagabend besetzt. Den Ausweichflughafen Don Moeang legten sie am Donnerstag lahm. Sie wollen die Regierung zum Rücktritt zwingen.
Der stellvertretende Regierungschef hat vor einem verheerenden Einbruch bei den Urlauberzahlen gewarnt. Im vergangenen Jahr kamen nach seinen Angaben 14,5 Millionen Touristen nach Thailand, in diesem 13,5 Millionen. Doch könnte die Zahl auf sechs bis sieben Millionen im nächsten Jahr sinken, fürchtet Olarn Chaipravat. Dadurch seien eine Million Arbeitsplätze in Gefahr.
«Je mehr Zeit vergeht, desto stressiger wird es», sagt Julie Lewis aus dem englischen Devon, die zu einer Hochzeit nach Thailand reiste. «Das hier hat die Reise wirklich total verdorben. Es wird das letzte sein, was uns von dem Urlaub in Erinnerung bleibt.»
Auch die hochschwangere Ehefrau des englischen Rugby-Kapitäns Jamie Peacock, Faye, sitzt mit ihrem vierjährigen Sohn in Bangkok fest. Der Sportler bat am Samstag in einem öffentlichen Appell um die sichere Rückkehr seiner Familie. «Dem Land (Thailand) steht viel Ärger bevor», sagte er. «Es sieht so aus, als hätten sie die gestrandeten Urlauber vergessen.»
In der Hoffnung auf einen Rückflug drängten sich hunderte verzweifelte Urlauber am Samstag am Ticketschalter der Thai Airways. Viele von ihnen äußerten sich frustriert über die Ungewissheit, in der sie sich befinden, und klagten über widersprüchliche Informationen und unbegründete Gerüchte. «Zuhause warten unsere Familie und unsere Arbeit auf uns», sagt John Neilson, ein Computerfachmann aus England. «Wenn ich nicht da bin, bekomme ich kein Geld.» Einige Urlauber nahmen Busreisen über mehrere hunderte Kilometer auf sich, um von anderen Flughäfen etwa auf der Insel Phuket oder in der Stadt Chiang Mai im Norden des Landes aus zurückzufliegen. Andere reisten dafür sogar in die Nachbarländer Kambodscha oder Malaysia.
Vom Militärflughafen U-Tapao knapp 200 Kilometer südöstlich von Bangkok aus werden bereits Urlauber ausgeflogen. Der kleine Luftwaffenstützpunkt ist dafür aber nicht ausgelegt und jetzt hoffnungslos überlastet: Er verfügt nur über 100 Parkplätze, und im Terminal können nur 400 Reisende zugleich abgefertigt werden. Eine erste Sondermaschine mit deutschen Urlaubern kehrte am Samstag aus Bangkok zurück. Die etwa 250 Reisenden waren auf dem Landweg von der thailändischen Hauptstadt nach Phuket gebracht worden, wie eine TUI-Sprecherin mitteilte. Mehr als 500 spanische Urlauber sollten ebenfalls in Kürze nach Hause zurückgebracht werden, wie die Regierung in Madrid am Sonntag ankündigte.
Für den Großteil der Reisenden ist Warten aber die einzige Option, nicht zuletzt, weil das Ausweichen auf andere Flughäfen mit zusätzlichen Kosten und neuen Unsicherheiten verbunden ist. Viele ausländische Botschaften haben davon ohnehin abgeraten. Die wenigsten Touristen können dem verlängerten Urlaub etwas abgewinnen. Die meisten von ihnen bleiben aus Sorge vor der Gewalt zwischen Regierungsgegnern und Sicherheitskräften in der Nähe ihrer Hotels. «Ich habe keine Lust, im thailändischen Niemandsland auf einem Militärflughafen ohne sanitäre Einrichtungen herumzuhängen», sagte David Walker, ein 40-jähriger Bankangestellter aus London. «Wir sitzen einfach fest.» (dpa, AP)

