Krise in Thailand:
Explosionen in Bangkok verschärfen Spannungen
30.11.2008
Herausgeber: netzeitung.de
Mehrere Fluggesellschaften starten vom Marineflughafen U-Tapao, 140 Kilometer südlich von Bangkok, um Urlauber nach Hause zu bringen. Der Flughafen ist jedoch zu klein, um Tausende Passagiere rasch abzufertigen. Mehrere Veranstalter sagten geplante Flüge ab, während etwa 88 Maschinen, zumeist aus ausländischen Gesellschaften, auf dem Rollfeld des internationalen Flughafens parken.
Die Polizei hatte am Samstag den Internationalen Flughafen umstellt und damit Spekulationen über eine bevorstehende Erstürmung angeheizt. Etwa 2000 Beamte wurden in der Umgebung des Flughafens positioniert, der seit Dienstagabend besetzt gehalten wird. Bisher hatten die Sicherheitskräfte die Regierungsgegner lediglich aufgefordert, das Gelände zu verlassen und keine Gewalt einzusetzen.
In der Nacht und am Samstagabend waren Hunderte weitere Aktivisten am Flughafen eingetroffen, so dass die Zahl der Demonstranten dort auf mehrere tausend anstieg. In Erwartung einer möglichen Räumung des Flughafens wurden zahlreiche Krankenwagen bereitgestellt.
Die thailändische Industrie schätzt den Schaden durch die Krise auf etwa 57 bis 85 Millionen Dollar (45 bis 67 Millionen Euro) pro Tag. Die Tourismusindustrie warnt vor einem Rückgang der Gästezahlen im kommenden Jahr um 40 Prozent, sollten die Flughäfen bis Ende Dezember blockiert bleiben. Bangkok ist wegen der Besetzung des internationalen und des nationalen Flughafens weiterhin vom zivilen Luftverkehr abgeschnitten. Ein Sprecher der Demonstranten der Volksallianz lehnte Verhandlungen mit der Regierung ab.
Sollte die Polizei gewaltsam räumen, «werden wir uns entschieden verteidigen», sagte Parnthep Wongpuapan. Bei der Explosion mehrerer Sprengsätze in Bangkok sind am Sonntag mindestens 51 Regierungsgegner verletzt worden. Damit verschärften sich die Spannungen in dem seit mehr als drei Monaten andauernden Konflikt. Der erste Sprengsatz ging am Morgen vor dem Regierungssitz hoch, der seit Ende August von Demonstranten besetzt gehalten wird.
Nach Angaben eines Sprechers der Protestbewegung handelte es sich um eine Handgranate, die auf ein Zeltdach geworfen wurde. Dabei wurden nach Klinikangaben mindestens 49 Menschen verletzt. Neun mussten stationär behandelt werden. Etwa 20 Minuten später folgten zwei Explosionen in der Zentrale eines regierungskritischen Fernsehsenders und eine Explosion in der Nähe des Flughafens Don Muang.
Dabei wurden zwei Menschen verletzt. Die Protestbewegung der Volksallianz für Demokratie (PAD) wurde bereits in der Vergangenheit angegriffen. Dabei wurde Anfang des Monats ein Demonstrant getötet. Die seit Dienstagabend anhaltende Blockade des internationalen Flughafens Suvarnabhumi und anschließend auch des Flughafens Don Muang hat den Flugverkehr in Thailand weitgehend lahmgelegt.
Rund 100.000 Touristen sitzen fest. Der stellvertretende thailändische Ministerpräsident Olarn Chaipravat sagte am Samstag, dass für 2009 ein Einbruch im Tourismus um die Hälfte auf rund sechs Millionen Besucher erwartet werde. Dies gefährde eine Million Arbeitsplätze, sagte Chaipravat.
Die PAD will den Rücktritt von Ministerpräsident Somchai Wongsawat, dessen Regierung sie als Marionettenregime des 2006 gestürzten Ministerpräsidenten Thaksin Shinawatra betrachtet. Die PAD wird von den konservativen Eliten in Bangkok getragen, während die Regierungspartei von der armen Landbevölkerung unterstützt wird. (AP)

