28.11.2008
Herausgeber: netzeitung.de
Ein indischer Soldat in Bombay
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Bei der Suche nach den Hintergründen der blutigen Attacken in der indischen Metropole meint die indische Regierung, die Schuldigen gefunden zu haben. Die geretteten Europäer werden indes von einem französischen Flugzeug ausgeflogen.
Nach der beispiellosen Terrorserie in Bombay verschärfen sich die Spannungen zwischen den benachbarten Atommächten Indien und Pakistan. Ersten Informationen zufolge seien «Elemente in Pakistan» für die Anschläge verantwortlich, sagte der indische Außenminister Pranab Mukherjee am Freitag nach Angaben der Nachrichtenagentur PTI.
Zuvor hatte die pakistanische Regierung Neu Delhi vor Schuldzuweisungen gewarnt. Der pakistanische Sender Dawn News meldete, die indische Regierung habe Islamabad aufgefordert, den Chef des berüchtigten pakistanischen Geheimdienstes ISI zum Austausch von Informationen und Beweisen nach Neu Delhi zu schicken.
Der pakistanische Präsident Asif Ali Zardari und Premierminister Yousaf Raza Gilani berieten zur Stunde über die Anfrage, berichtete Dawn News weiter. Nach indischen Medienberichten richtet sich der Verdacht nach den Angriffen von Bombay auf die muslimische Terrorgruppe Lashkar-e-Toiba (Armee der Reinen).
Warnung des indischen PremiersNach Überzeugung der indischen Sicherheitskräfte operiert Lashkar-e-Toiba von Pakistan aus. Die Gruppe wurde bereits für zahlreiche Anschläge in Indien in den vergangenen Jahren verantwortlich gemacht. Lashkar-e-Toiba wurden in der Vergangenheit Verbindungen zumindest zu Teilen des ISI nachgesagt.
Der indische Premierminister Manmohan Singh hatte am Donnerstagabend in einer Ansprache an die Nation die Nachbarländer der Atommacht gewarnt.
Man werde es nicht dulden, wenn von ihrem Territorium aus Anschläge auf Indien verübt würden. «Wenn keine angemessenen Maßnahmen von ihnen ergriffen werden, wird das seinen Preis haben», sagte er. Die verantwortliche Terrorgruppe habe ihre Basis im Ausland. Pakistan hatte er nicht ausdrücklich genannt, die Aussagen wurden aber als Warnung an die Adresse Islamabads verstanden. Die pakistanische Regierung hat die Anschläge scharf verurteilt.
Oberoi-Hotel unter KontrolleAm Freitag Vormittag haben indische Kommandotruppen nach eigenen Angaben das Oberoi-Hotel unter ihre Kontrolle gebracht. Bei Gefechten in dem Gebäude seien zwei Bewaffnete getötet worden, erklärten die Sicherheitskräfte.
Zuvor waren mehrere Dutzend Menschen aus dem Luxushotel in Sicherheit gebracht worden. Mutmaßliche Islamisten hatten das Oberoi und weitere Orte am Mittwochabend angegriffen. Dabei wurden mindestens 119 Menschen getötet.
Frankreich entsendet FlugzeugFrankreich hat am Freitag ein Flugzeug in die indische Finanzmetropole Bombay geschickt, um Europäer nach den Terroranschlägen in ihre Heimat zurückzubringen. Außenminister Bernard Kouchner erklärte, an Bord seien neben drei Ärzten auch Konsularmitarbeiter. Diese sollten Menschen helfen, die in dem Chaos der Terrorwelle ihre Ausweise verloren haben.
Deutschland und Spanien hätten Paris gebeten, auch ihre Staatsangehörigen nach Hause zu bringen, sagte Kouchner. Das Flugzeug habe Platz für 150 Passagiere. Die Maschine traf am Morgen in Bombay ein und sollte bereits am Abend die Rückreise antreten.
Keine Panik an Bombays BörseAm ersten Handelstag nach den Terroranschlägen ist eine Panikreaktion an der Börse im indischen Bombay ausgeblieben. Die meisten Werte notierten am Freitag in der Finanzmetropole trotz der Attacken mit mindestens 125 Toten leicht im Plus. Der 30 Werte umfassende Börsen-Index Sensex stieg am Freitag um 124,37 Punkte oder 1,38 Prozent auf 9151,09 Punkte.
Nachdem die Börse am Donnerstag nicht geöffnet hatte, waren die Kurse nach Wiedereröffnung am Freitagmorgen zunächst um 1,5 Prozent gefallen, erholten sich dann aber im Handelsverlauf und drehten überwiegend ins Plus. An Indiens Nationalbörse (NSE), die sich ebenfalls in Bombay befindet, notierte der Nifty-Index 0,80 Prozent im Plus bei 2777 Punkten. (nz/dpa/AP)