Auswärtiges Amt bestätigt: 

netzeitung.deDeutsche aus Hotel in Bombay gerettet

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Befreiungsaktion am jüdischen Zentrum (Foto: AP<br/>Quelle: NZ Netzeitung GmbH)

Lupe Befreiungsaktion am jüdischen Zentrum
Foto: AP
Quelle: NZ Netzeitung GmbH

Teilweise ist die Lage nach den Terrorangriffe in Bombay unter Kontrolle: Während das Oberoi-Trident-Hotel gesichtert sein soll, sind aus dem gestürmten Taj-Hotel und dem Nariman-Gebäude noch Schüsse zu hören.

Schrittweise scheint sich die Situation zu beruhigen: Mehr als 40 Stunden nach den Terrorangriffen in Bombay haben Sicherheitskräfte das umkämpfte Oberoi-Trident-Hotel nach eigenen Angaben unter ihre Kontrolle gebracht.

Der Chef der indischen Elite-Einheit NSG (National Security Guard), J.K. Dutt, sagte am Freitag in der westindischen Finanzmetropole, die beiden Terroristen, die sich in dem Hotel verschanzt hatten, seien getötet worden. Angaben zu möglichen Opfern unter den Hotelgästen machte Dutt nicht. Am ebenfalls von Terroristen gestürmten Taj-Hotel und dem Nariman-Gebäude waren weiterhin Schüsse zu hören.

Deutsche befreit
Zwei deutsche Mitarbeiter des Auswärtigen Amtes sind am Freitagmorgen aus dem Hotel «Oberoi Trident» in Bombay befreit worden. Das teilte eine Sprecherin des Auswärtigen Amts in Berlin mit. Die Mitarbeiter des Außenministeriums hätten sich bereits vor Beginn der Attentatswelle mit mindestens 125 Toten und mehr als 300 Verletzten in dem Hotel aufgehalten. Unklar war, ob die Deutschen als Geiseln festgehalten worden waren, oder ob sie sich in Zimmern des Hotels verschanzt hatten.

Die Sprecherin des Außenministeriums sagte, es könne nicht ausgeschlossen werden, dass weitere Deutsche unter den Betroffenen sind. «Die Lage ist weiterhin unübersichtlich.» Außenminister Frank- Walter Steinmeier (SPD) hatte am Donnerstagabend gesagt, es sei auch möglich, dass weitere Deutsche ums Leben gekommen seien. Ein Münchner Medienunternehmer war bei einem dramatischen Fluchtversuch aus dem Hotel «Taj Mahal», das im Zentrum der Angriffswelle stand, ums Leben gekommen.

Befreite Lufthansa-Mitarbeiter
Unter den am Freitag befreiten Geiseln in Bombay befinden sich auch sieben Mitarbeiter der Deutschen Lufthansa. Sie konnten das belagerte Hotel Oberoi verlassen, wie Firmensprecher Thomas Jachnow in Frankfurt sagte. «Darüber sind wir sehr, sehr glücklich.» Das Unternehmen war nach seinen Angaben in ständigem Kontakt mit den Angestellten. Es sei zwar eine extreme Belastung gewesen, jedoch sei es ihnen den Umständen entsprechend gut gegangen, sagte Jachnow.

Die sieben Mitarbeiter sollen am Freitag nach Deutschland gebracht werden. Unter ihnen befinden sich auch Deutsche. Die genaue Zahl nannte die Lufthansa zunächst nicht. Nach Angaben des Unternehmens sind jetzt keine Mitarbeiter mehr in Bombay als Geiseln genommen. Die Lufthansa-Mitarbeiter gehören zu einer Gruppe von Gefangenen, die am Freitag gerettet wurden. Sie wurden in Bussen weggebracht.

Aus dem Hubschrauber abgeselit
Rund 100 Soldaten seilten sich von einem Hubschrauber ab und begannen damit, von Zimmer zu Zimmer, von Etage zu Etage das fünfstöckige Gebäude zu durchkämmen. Aus dem jüdischen Gemeindezentrum im Nariman-Gebäude wurden nach Angaben der israelischen Generalkonsulin Orna Sagiv keine jüdischen Geiseln befreit.

Am Taj- Mahal-Hotel befinde man sich «im Endstadium der Operationen, bevor wir die Dinge zum Abschluss bringen», sagte Generalmajor N. Thumbiraj.

Es sei «eine Frage von Stunden».
Die Sicherheitskräfte seien angewiesen, langsam vorzugehen, um Opfer zu vermeiden. Im Hotel harrten weiterhin «eine Hand voll» Gäste in Zimmern aus.

Die Nachrichtenagentur PTI meldete unter Berufung auf offizielle Quellen, drei Terroristen seien in der Nacht am Taj-Hotel festgenommen worden, darunter auch ein Pakistaner.

Die Extremisten hätten angegeben, der berüchtigten muslimischen Terrorgruppe Lashkar- e-Toiba (Armee der Reinen) anzugehören. Eine offizielle Bestätigung dafür gab es zunächst nicht. Nach Überzeugung der indischen Sicherheitskräfte operiert Lashkar-e-Toiba von Pakistan aus. Die Gruppe wird für zahlreiche Anschläge verantwortlich gemacht.

Ein Polizeisprecher sagte, die Zahl der Todesopfer in Bombay läge weiterhin bei 125.

Die Zahl der Verletzten bezifferte er mit 252. Ursprünglich war von mehr als 320 Verletzten die Rede gewesen. Die mutmaßlich muslimischen Extremisten hatten Augenzeugenberichten zufolge vor allem Amerikaner, Briten und Juden im Visier. Getötet wurden aber zum überwiegenden Teil Inder und Ausländer - Menschen, die in den Kugelhagel und die Handgranatenexplosionen gerieten.

Die Angreifer waren nach Polizeidarstellung mit AK-47-Sturmgewehren und Handgranaten bewaffnet und kannten sich in dem Viertel sehr gut aus.

Kommandotrupps der indischen Sicherheitskräfte befreiten im Laufe des Donnerstags zahlreiche Geiseln und bargen Leichen. Wie viele Menschen noch in der Gewalt der Extremisten waren, war aber weiterhin unklar - ebenso die endgültige Zahl der Opfer der Kämpfe.

Bei dem Sturmangriff der indischen Spezialeinheiten auf das Zentrum der jüdischen Organisation Chabad Lubavitch waren im südlichen Bombay auch bizarre Szenen dieser Art zu beobachten: Hunderte von Schaulustigen beobachteten das Geschehen, viele mit Ferngläsern, etliche kletterten sogar auf Dächer. Über das Schicksal der möglichen Geiseln in dem Zentrum wurde zunächst nichts bekannt. (AP/dpa)