27.11.2008
Herausgeber: netzeitung.de
Ralph Burkei: Umtriebiger Geschäftsmann und ehemals Leipziger Fußball-Präsident
Foto: dpa
Quelle: NZ Netzeitung GmbH
Der Münchner Ralph Burkei flüchtete vor den Terroristen und stürzte von der Hotelfassade ab. Auf dem Weg ins Krankenhaus starb der Ex-Schatzmeister der Münchner CSU. Andere Ausländer berichten entsetzliche Details von der Nacht in Bombay.
Unter den Opfern der Terroranschläge in der indischen Finanzmetropole Bombay ist auch ein prominenter Mann aus München. Der Medienunternehmer Ralph Burkei starb bei dem Überfall auf das «Taj Mahal»-Hotel. Das bestätigte die Medienfirma C.A.M.P. TV der Deutschen Presse-Agentur am Donnerstag. Burkei sei in der Nacht zum Donnerstag ums Leben gekommen, als er aus dem Hotel flüchten wollte, berichtet die «Abendzeitung».
Burkeis Geschäftsführer Ralph Piller sagte der Zeitung: «Der Ralph wollte über die Hotel-Fassade flüchten und ist dann abgestürzt. Burkei hat dann noch auf dem Vordach liegend einen Freund in München angerufen und ihm gesagt: «Ich habe mir alle Knochen gebrochen. Wenn mir jetzt keiner hilft, dann schaffe ich es nicht mehr.» Auf dem Weg ins Krankenhaus sei der 51-Jährige dann gestorben.
Burkei war Programmleiter bei dem Medienunternehmen, das unter anderem das Bayernjournal als landesweites Wochenendfenster für Sat 1 und RTL produziert. Früher war er auch Vizepräsident des TSV 1860 München, Präsident des VfB Leipzig und ehemaliger Schatzmeister der Münchner CSU. Ein weiterer Münchner, der aus dem Hotel entkommen konnte, berichtete dem Bayerischen Rundfunk, alles sei sehr chaotisch abgelaufen. Er sei mehrere Stunden in einem Raum gefangen gehalten worden. Inzwischen sei er in einem anderen Hotel untergebracht. Er habe Kontakt zu einem weiteren Deutschen, der noch im «Taj Mahal» festsitze.
Im Kugelhagel geflohenMehrere andere Ausländer sind den Anschlägen in Bombay nur knapp entkommen. Sieben EU-Abgeordnete, unter ihnen der Karlsruher Daniel Caspary, erlebten den Anschlag im Hotel «Taj Mahal». Einige von ihnen seien «im Kugelhagel» aus dem Hotel geflohen, sagte Caspary. «Wir alle sind vom Ausmaß der Gewalt extrem überrascht», fügte er hinzu. Die Delegation wurde unterdessen ins französische Konsulat gebracht. Ob noch weitere Deutsche von den Anschlägen betrofffen sind, war am Morgen noch unklar.
Eine australische Schauspielerin hatte sich mit sechs anderen Gästen in den Toiletten eingeschlossen, als in der Lobby die Schießerei ausgebrochen war. «Es war schrecklich, da ist auf den Fluren auf die Leute geschossen worden, vor den Waschräumen lag eine Leiche», berichtete die 28-jährige Brooke Satchwell, die in der Serie «Neighbours» mitspielt. Sie selbst sei in einem kleinen Schrank gekrochen, berichtete sie.
«Das war ein Amoklauf»Die australische Touristin Kate Anstee (24) sei im Unterschenkel von einer Kugel getroffen, berichtete ihr Freund David Coker (23) am Donnerstag im australischen Fernsehen. Die jungen Attentäter hätten in einem Café mit Schnellfeuergewehren wahllos um sich geschossen. «Sie sahen aus wie kleine Jungs. Das war ein Amoklauf», sagte Coker. «Es hörte sich an, als würden Feuerwerkskörper losgehen, die Leute schrien», berichtete er.
Ein britischer Hotelgast sagte dem indischen Fernsehen, dass die Attentäter im «Taj Mahal» gezielt nach Gästen mit britischem oder amerikanischem Pass gesucht hätten. Er selbst habe entkommen können, ohne seine Nationalität preiszugeben. «Die Terroristen waren etwa 20 bis 25 Jahre alt. Sie trugen Jeans und T-Shirts und gaben sich sehr aggressiv», sagte er.
«Es klang wie Feuerwerk»Ein indischer Architekt hat den Anschlag auf das «Taj Mahal»-Hotel in Bombay aus einem nahe gelegenen Café miterlebt. «Wir haben gegen 22 Uhr das Café verlassen und eine Reihe von Schüssen gehört, es klang wie Feuerwerk», sagte der 33-jährige Perena Motwane am Donnerstag der dpa. «Es wurde immer lauter, wie Explosionen, aber er war nicht klar, aus welcher Richtung es kam», sagte er.
«Wir haben uns zunächst nichts dabei gedacht, in Bombay ist immer was los», fügte er hinzu. Dann seien Menschen gelaufen gekommen. Ein Mann in einem blutigen T-Shirt habe um Hilfe geschrien. «Dann kam ein junges Pärchen, vermutlich ausländische Touristen. Die Frau weinte, der Mann humpelte, es sah aus, als sei er angeschossen worden», berichtete Motwane. Sie sagten, sie seien in einem Café gewesen, als ein paar Männer wild um sich geschossen hätten. Überall sei Blut gewesen.
Lufthansa streicht FlügeDie Lufthansa hat ihre beiden Verbindungen nach Bombay am Donnerstag gestrichen. Wie ein LH-Sprecher mitteilte, wurden die Flüge von Frankfurt und München annulliert. Betroffen seien jeweils rund 600 Reisende nach und von Indien. Die Lufthansa fliegt Bombay mit dem Airbus-Langstreckenjet A340 an. Für die nächsten Tage sei noch keine Entscheidung gefallen, hieß es. (nz/dpa/AP)