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Die Schweiz hat die Wahl: 

Volksabstimmung übers Kiffen

30. Nov 2008 12:22
Können die Sschweizer bald ungestraft kiffen?
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Hanftaler und Duftsäcklis könnte es bald wieder in der Schweiz zu kaufen geben - sofern die Eidgenossen einer Volksabstimmung zur Entkriminalisierung des Cannabis-Konsums zustimmen. Die historischen Fakten sprechen dafür.

Freiheit fürs Kiffen: Ja oder nein? Monatelang erhitzte die Frage die Schweizer Gemüter. Am Sonntag nun sollen die Eidgenossen ihre Antwort an der Urne geben. Zur Abstimmung steht die sogenannte Hanfinitiative. Die Hanflobby will den Besitz, den Konsum und den Erwerb von Cannabis für den Eigenverbrauch entkriminalisieren: Die Schweizer Kiffer könnten sich in Zukunft straffrei ihren Joints hingeben. Regierung und Parlament aber lehnen den Plan strikt ab.

«Die Initiative will ein gesellschaftliches Problem lösen, indem sie den Hanfkonsum in einen klaren gesetzlichen Rahmen stellt, anstatt ihn im kriminellen Dunstkreis mit Dealern, Geldwäscherei und Mafia zu belassen», betont die Abgeordnete Christa Markwalder Bär von der Freisinnig-demokratischen Partei. Sie wirbt auch damit, dass der Verkauf die Steuereinnahmen steigere.

Doch die Initiatoren streben keine totale Freiheit für die Hasch-Konsumenten an: Der Staat solle klare Regeln für Anbau, Ein- und Ausfuhr sowie Handel erlassen. Hanfläden müssten hohen Standards in punkto Herkunft und Qualität des Stoffs genügen. Und der Verkauf der berauschenden Substanz an Minderjährige soll strafbar bleiben.

Eigenverantwortung der Bürger

Die Hanflobbyisten setzen vor allem auf die Eigenverantwortung der Bürger: «Rund 600.000 Schweizerinnen und Schweizer beweisen, dass man Cannabis konsumieren und trotzdem normal arbeiten, leben und Steuern bezahlen kann.» Beat Aegler, Unternehmer aus Thun und Pro-Hanf-Aktivist, formuliert das gängige Argument seiner Gesinnungsgenossen: «Alles kann bei falscher Dosierung zur Droge werden.»

Genau an diesem Punkt haken die Gegner der Liberalisierung ein. «Wissenschaftliche Studien zeigen, dass Kiffer an Unkonzentriertheit, Gereiztheit sowie Wahrnehmungs- und Gedächtnisstörungen leiden», argumentiert die Abgeordnete der Schweizerischen Volkspartei, Andrea Geissbühler. Der Weg zu harten Drogen sei nach der Einstiegsdroge Cannabis nicht mehr weit. Der liberale Abgeordnete Claude Ruey fordert kategorisch: «Die Jugend braucht Schranken.»

Historischer Rückblick

Mit Kopfschütteln erinnern sich die Gegner des Kiffens an die beiden letzten Jahrzehnte des vergangenen Jahrhunderts. Damals schien die brave Eidgenossenschaft den Niederlanden den Rang als europäisches Drogen-Mekka streitig zu machen. Cannabis-Bauern bewirtschafteten eine Fläche von rund 200 Hektaren. Schweizer Stoff ging in den Export. Landesweit boten 200 Hanf-Shops ein reiches Sortiment an - bei der Tarnung des Krauts gaben sich die Eigentümer kaum Mühe. In «Hanftalern» und «Duftsäcklis» fanden die Kiffer schnell, was sie suchten. Auch viele Deutsche deckten sich in Zürich und Basel mit Gras ein. Selbst eine helvetische Ministerin gab zu, mit psychoaktiven Drogen experimentiert zu haben.

Doch auf dem Höhepunkt des Hanfbooms verlangte das konservative Establishment eine harte Gangart. Nach einem Gerichtsurteil konnte die Polizei das generelle Verbot von Anbau, Konsums und Verkauf von Hanf besser durchsetzen. Zwischen Bodensee und dem Luganer See verschwanden die Hanfläden so rasch wie sie gekommen waren. Auch der Konsum schrumpfte nach Recherchen des Bundesamtes für Gesundheit. Falls die Schweizer am Sonntag Ja zur Hanfinitiative sagen, dürften Cannabis-Shops und Cannabis-Konsum wieder in Mode kommen. (Von Jan Dirk Herbermann, epd)

 
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