24.11.2008
Herausgeber: netzeitung.de
Internetcafé in China
Foto: dpa
Quelle: NZ Netzeitung GmbH
Die chinesische Führung lässt nichts unversucht, um Kontrolle über das Internet zu erringen: Immer häufiger heuern Behörden linientreue Chatter an, um Foren nach kritischen Beiträgen zu durchsuchen.
Die angeworbenen Chatter durchforsten nicht nur die Foren, sondern sie kontern die Beiträge mit linientreuen Ansichten. Dafür lassen die chinesischen Behörden auch was springen: In der Provinzhauptstadt Changsa erhalten die volkseigenen Foren-Teilnehmer für ihre Arbeit umgerechnet rund 70 Euro im Monat. Das berichtete das Magazin «Spiegel» am Montag.
Darüber hinaus sollen die von den Behörden angeheuerten Internetnutzer mit Themen, die den Machthabern in Peking genehm sind, Diskussionen anregen. Diese Maßnahmen gehen einher mit einer noch härteren Form der Zensur: So erhalten Internet-Provider dem Bericht zufolge jeden Montag eine Liste mit verbotenen Themen, die eigens angestellte Cyber-Kontrolleure sofort löschen müssen. Betreiber, die sich nicht an die Anweisung halten, müssen mit empfindlichen Geldstrafen rechnen oder gar mit einer Betriebsschließung.
Nach offiziellen chinesischen Angaben nutzen inzwischen rund 250 Millionen Menschen das Internet. Die Zahl der Blogger verdoppelte sich in der ersten Jahreshälfte auf über 100 Millionen. Und die Führung in Peking versucht alles, um die Informationsfreiheit einzuschränken und die Inhalte zu zensieren. So werden unliebsame Webseiten blockiert, Surfer überwacht, kritische Inhalten einfach gelöscht. Das dafür zuständige Büro für Internet-Propaganda verfügt über enorme Ressourcen: Umgerechnet 19 Milliarden Euro gibt die chinesische Regierung jährlich für die Internet-Zensur aus, Tendenz steigend.