«Dann tat er unbeschreibliche Dinge mit mir»: Stimmen aus dem Krieg im Kongo21. Nov 2008 11:16  |  Viele Frauen im Osten des Kongo wurden Opfer einer Vergewaltigung | Foto: Sven Torfinn |
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Das Schicksal jedes einzelnen im Osten des Kongo ist vom Krieg überschattet. Mit einem Internetprojekt gibt Ärzte ohne Grenzen den Vertriebenen und Verwundeten ein Forum, um ihre Geschichten zu erzählen.
«Ich wurde im Krieg geboren. Er dauert immer noch an. Zukunft heißt sterben. Heute bin ich 18 Jahre alt.» Mit diesen hoffnungslosen Worten des jungen Kongolesen Louis beginnt der eindrucksvolle Film des Multimedia-Projektes «Condition: Critical» (Lage: dramatisch) der Hilfsorganisation Ärzte ohne Grenzen. Mit dem Projekt will die Organisation den Menschen in der krisengeschüttelten Region eine Stimme geben.
In dem zentralafrikanischen Land sind Hunderttausende Menschen auf der Flucht. Sie fliehen vor einem Krieg, der seit Jahren in den Provinzen Nord- und Süd-Kivu schwelt und in den vergangenen Monaten erneut eskalierte. Die Vertriebenen sind verängstigt, krank oder verwundet. Andere wurden schikaniert oder vergewaltigt. «Das Schicksal jedes einzelnen in dieser Region ist vom Krieg überschattet», heißt es auf der Webseite www.condition-critical.org. «Es ist wichtig, die Geschichten ihres Überlebenskampfes zu erzählen.»
Multimediaprojekt Ärzte ohne Grenzen |
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So erzählt auch Lucie in dem Film ihre schreckliche Geschichte: «Ich ging aufs Feld. Da kam ein Mann aus dem Wald. Er stieß mich zu Boden. Wir kämpften lange. Er würgte mich. Er drückte und drückte immer mehr bis ich ohnmächtig wurde, dann tat er unbeschreibliche Dinge mit mir.» Der 70-jährige Boniface Ntakontagize berichtet, wie bewaffnete Männer in sein Haus kamen und anfingen herumzuschießen. An diesem Abend gab es drei Tote und drei Verwundete. «Ich habe eine Kugel in den Unterarm bekommen. Die Wunde hat sich infiziert und man musste mir die rechte Hand amputieren.»
Die Lage ist verheerend
Bis vor wenigen Wochen hat die Weltöffentlichkeit die Krise im Kongo kaum wahrgenommen. Erst mit dem Vormarsch der Rebellen unter Führung des Tutsi-Generals Laurent Nkunda rückte das Elend und Leid der Bevölkerung in den Provinzen Nord- und Südkivu wieder ins Rampenlicht. Dass der internationale Start der Internetseite mit der jüngsten Eskalation zusammenfalle, sei Zufall, sagte Helen O'Neill von Ärzte ohne Grenzen bei der Vorstellung des Multimediaprojektes in Berlin. «So etwas kann man nicht planen.» Schon vor einem Jahr begann die Organisation mit der Arbeit an dem Projekt.
 |  Flüchtlingslager im Osten des Kongo | Foto: Sven Torfinn/Ärzte ohne Grenzen |
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Die stellvertretende Programmleiterin für die Demokratische Republik Kongo kehrte erst vor wenigen Tagen aus der Region zurück. «Die Lage ist verheerend.» Tausende mussten ihre Dörfer verlassen. Sie würden nicht ausreichend versorgt und an einigen Orten sei Ärzte ohne Grenzen die einzige Hilfsorganisation. Mehr als 1100 Mitarbeiter kümmerten sich unter anderem um Kriegsverletzte, stellten sauberes Wasser und lebensnotwendige Hilfsgüter bereit.
«Viele Menschen in der Region wurden nicht nur einmal vertrieben, sondern immer wieder – manche fünf oder sechs Mal», berichtet die gebürtige Irin. «Sie tun das, was sie schon seit Jahren tun müssen: Sie fliehen.» Manche Vertriebene würden auf dem Gelände und in den Hospitälern der Organisation Schutz suchen. «Aber wir können die Menschen nicht beschützen. Wir können nur die Verwundeten und Kranken aufnehmen», sagt O'Neill mit hilflosem Blick. Erschießungen und Vergewaltigungen gebe es von beiden Seiten - egal, ob Regierungstruppen oder Rebellen, klagt sie. «Die Menschen in der Region sind so sehr an Gewalt und Brutalität gewöhnt - doch niemand sollte das sein.»
Für das Web ediert von Michaela Duhr |