20.11.2008
Herausgeber: netzeitung.de
Heidemarie Wieczorek-Zeul und Robert B. Zoellick in Frankfurt am Main
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Quelle: NZ Netzeitung GmbH
Finanzkrise, Konjunktureinbruch: Die Industrieländer stehen unter Schock. Betroffen von der Entwicklung sind jedoch auch die ärmeren Länder. Weltbank-Präsident Zoellick fordert höhere Entwicklungshilfe.
Die ärmsten Länder brauchen laut Weltbankpräsident Robert Zoellick mehr Hilfe, um die Folgen der Finanzkrise bewältigen. Die derzeit rund 100 Milliarden US-Dollar Entwicklungshilfe pro Jahr seien verglichen mit den Rettungspaketen für die Banken ein Tropfen auf den heißen Stein, sagte Zoellick am Donnerstag in Frankfurt beim zehnten deutschen Weltbankforum. Thema des eintägigen Treffens von Managern und Politikern war Asien.
Heidemarie Wieczorek-Zeul (SPD), die Bundesministerin für Entwicklungshilfe, bekräftigte, Deutschland werde seine zugesagte Erhöhung der Entwicklungshilfe einhalten. «Das ist unsere Verpflichtung», sagte sie. Zugleich rief die Ministerin zu einer neuen Partnerschaft auf, einem «globalen New Deal». Ziel müssen ein faires Finanz-, Handels- und Wirtschaftssystem sein. An ölexportierende arabischen Staaten appellierte sie, in die Landwirtschaft in Entwicklungsländern zu investieren.
Weltbankpräsident Zoellick sagte, die Entwicklungsländer litten weiter unter der Ernährungs- und Energiekrise, weil die stark gestiegenen Preise nur langsam sänken: «Jetzt trifft sie ein viel heftigerer Sturm.» Die armen Staaten trügen keine Verantwortung für die Finanzkrise, blieben aber nicht verschont. «Kein Land ist immun», warnte Zoellick. Die Finanzkrise sei bereits zur Wirtschaftskrise geworden. Eine Beschäftigungskrise werde folgen.
Blick auf AsienAsien war nach den Worten Wieczorek-Zeuls bisher ein Wachstumsmotor der Weltwirtschaft. Zugleich mahnte sie mehr Armutsbekämpfung auf dem Kontinent an. «Das Wachstum hat die Armen noch viel zu wenig erreicht», sagte sie. In Asien lebten zwei Drittel der absolut Armen weltweit. Länder wie China, Indien, Indonesien und Thailand müssten auch ihre Rolle als «regionale Anker» zur Stabilisierung der Märkte sehr ernst nehmen.
Laut Wieczorek-Zeul liegt es im Interesse Europas, den asiatischen Ländern beizustehen, um die weltweiten Rezessionstendenzen abzumildern. Die Lebensmittel- und die Energiekrise habe bereits 100 Millionen Menschen zusätzlich in Armut gestürzt. Bei jeden Prozentpunkt, um den die Wachstumsrate der Weltwirtschaft sinke, nehme die Zahl der Armen um weitere 20 Millionen Menschen zu. Die Weltbank schätzt, dass insgesamt 1,4 Milliarden Menschen extrem arm sind. (epd)