Ushahidi sammelt SMS aus Krisenregion:
Krieg im Kongo auf Google-Maps
19. Nov 2008 13:44
 |  Ushahidi macht das Elend der Vertriebenen im Osten des Kongo sichtbar | Foto: AP |
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Ein afrikanisches Internetprojekt sammelt SMS und E-Mails von Augenzeugen aus der Krisenregion im Kongo und verortet sie auf einer digitalen Landkarte. Das Projekt hat sich bereits in Kenia bewährt.
Die afrikanische freie Internetsoftware Ushahidi visualisiert den Bürgerkrieg im Kongo: Das Open-Source-Projekt sammelt Berichte, Videos und Bilder von Augenzeugen über Kämpfe, Verbrechen und Ausschreitungen aus dem krisengeschüttelten zentralafrikanischen Land und verzeichnet diese auf einer digitalen Landkarte.
Die Software ist noch nicht vollständig ausgereift, dennoch wollten die Macher des Projektes nicht länger warten: Vor knapp zwei Wochen wurde die Software für die Demokratische Republik Kongo freigeschaltet. Über die Mobilfunknummer 00243992592111 können nun jederzeit SMS oder E-Mails aus der Krisenregion an Ushahidi geschickt werden. Die eingehenden Nachrichten werden mit Hilfe farbiger Punkte in Google-Maps integriert: Lila steht beispielsweise für Unruhen, blau für Tote, rot für sexuelle Übergriffe, braun zeigt die Stellungen der Rebellen, gelb die der UN-Friedenstruppen.
Kampf um Lebensmittel
Die Menschen berichten von Erschießungen, Plünderungen, Vergewaltigungen oder Entführungen. So heißt es in einer Nachricht vom 12. November: «Heute traf Benjamin Mujinya, ein Bauer aus dem Dorf Kalengera Patrol Post, im Flüchtlingslager im Goma ein - mit einer grauenvollen Geschichte: Sein Dorf wurde von Rebellen eingenommen. Er musste zusehen, wie sein Vater Etienne Mujinjya und 20 weitere Dorfbewohner erschossen wurden.»
Andere berichten von aus ihren Dörfern Vertriebenen, von der Situation in den Flüchtlingslagern und der Arbeit von Hilfsgruppen. Wieder andere klagen über das Versagen der Regierung: Zwölf Tonnen Lebensmittel für über 6500 Familien - da seien Kämpfe zwischen den Vertriebenen um ein Paket Mehl programmiert.
 |  Screenshot der afrikanischen Projektseite Ushahidi | Foto: nz/screenshot |
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Eine Überprüfung der Berichte kann Ushahidi – was übersetzt Zeugnis heißt – allerdings nicht leisten. Keines der Teammitglieder sei in der Lage, die Nachrichten zu verifizieren, warnen die Betreiber auf ihrer Webseite. Man arbeite jedoch mit lokalen Hilfsorganisationen zusammen, die selbst über das Geschehen in der Region berichteten und das Team bei der Verifizierung unterstützten.
Von kenianischen Bloggern initiiert
Der Grundstein für das afrikanische Projekt wurde bereits in Kenia gelegt: Nach den umstrittenen Präsidentschaftswahlen Ende vergangenen Jahres und den darauffolgenden blutigen Unruhen riefen kenianische Blogger die Projektseite Ushahidi.com. ins Leben. Die Internetseite lieferte mit Berichten von Augenzeugen vor Ort über Gewalttaten, Unruhen oder der Arbeit von Hilfsorganisationen einen Überblick über das Geschehen im Land.
Seit Jahren schwelt im Osten der Demokratischen Republik ein Konflikt zwischen den Rebellen unter Führung des Tutsi-Generals und international gesuchten Kriegsverbrechers Laurent Nkunda und der kongolesischen Regierung. Nkundas Truppen gelang es innerhalb weniger Tage bis zur Provinzhauptstadt Goma vorzudaringen und die Armee aus mehreren Städten der Region Nord-Kivu zu vertrieben. Die UN-Friedenstruppe Monuc steht dem Vormarsch weitgehend machtlos gegenüber. Die schweren Kämpfe lösten eine Massenflucht von mehreren Zehntausend Zivilisten aus, die teilweise ins benachbarte Uganda flohen.
Für das Web ediert von Michaela Duhr