Kampf um Parteivorsitz der Sozialisten: 

netzeitung.deRoyal sucht Revanche gegen Sarkozy

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Ségolène Royal: neue Frisur, neue Lockerheit (Foto: AP<br/>Quelle: NZ Netzeitung GmbH)

Lupe Ségolène Royal: neue Frisur, neue Lockerheit
Foto: AP
Quelle: NZ Netzeitung GmbH

Sie reist in die alte Königsstadt Reims, um sich zur Parteichefin krönen zu lassen. Doch der Ehrgeiz ist größer: «Ségolène Présidente» soll auch 2012 der Slogan lauten. Dafür arbeitet Mme. Royal sogar an ihrem Kleidungsstil.

Der französische Präsident Nicolas Sarkozy soll sich vor Freude schon die Hände reiben. Es sieht alles danach aus, als würde Ségolène Royal (55), die ehemalige Präsidentschaftskandidatin der Sozialisten, auch deren neue Parteichefin. Der am Wochenende anstehende Parteitag der Sozialisten in Reims bietet ihr die Bühne für einen letzten Wahlkampfauftritt – das letzte Wort haben die Parteimitglieder, die am 20. November über die künftige Parteispitze abstimmen. «Sarkozys Lieblingsfeindin», wie französische Medien sie nennen, hatte sich in einer Vorabstimmung überraschend gegen den Favoriten, den Pariser Bürgermeister Bertrand Delanoë, durchgesetzt.

Wenn Royal tatsächlich Parteichefin wird, dann löst sie ausgerechnet ihren Ex-Partner und den Vater ihrer vier Kinder im Amt ab. François Hollande und Ségolène Royal waren lange ein Traumpaar auf dem politischen Parkett. Er, der bieder und bisweilen plump wirkende Parteichef, sie, die strahlende Präsidentschaftskandidatin. Als sie gegen Sarkozy verlor, bröckelte auch die private Fassade. Noch am Wahlabend gab sie ihre Trennung von Hollande bekannt, der später einräumte, er habe sich ohnehin für den besseren Kandidaten gehalten.
Der Präsident klaut Ideen und Köpfe
Derzeit gibt die sozialistische Opposition in Frankreich nach Ansicht von Kritikern – nicht zuletzt aus den eigenen Reihen – ein Trauerspiel ab. Sarkozy scheut sich nicht, ihnen die besten Ideen und fähigsten Köpfe zu klauen. Anstatt der Regierung ihre Schwächen vorzuhalten und eigene Schwerpunkte zu setzen, scheint sich die PS seit Monaten in einem Geschacher um Führungsposten zu verlieren.

Dass Delanoë sich bei der Vorabstimmung in der vergangenen Woche – bei der es offiziell nicht um Personen, sondern um Texte ging – nicht durchsetzen konnte, mag unter anderem daran gelegen haben, dass Hollande sich hinter ihn gestellt hatte. Ein 58-Jähriger auf der Linie des bisherigen Parteichefs – das schien die Parteimitglieder abzuschrecken, die auf einen Neuanfang hoffen. Selbst in Paris bekam er gerade mal 38 Prozent Unterstützung.

Aubry und Delanoë müssten sich verbünden
Fast gleichauf mit Delanoë lag Martine Aubry, die Mutter der 35-Stunden-Woche. Eine Allianz der beiden könnte Royals Aufstieg an die Parteispitze noch verhindern, aber kurz vor dem Parteitag mitten in der Champagne sah es nicht danach aus, als wolle einer der beiden die eigenen Ambitionen zurückfahren.

Denkbar ist allerdings auch, dass Royal sich mit dem (bislang nicht existierenden) Amt eines Parteipräsidenten zufriedengibt. Dann könnte einer ihrer Vertrauten, etwa der 48-jährige Europa-Abgeordnete Vincent Peillon, Generalsekretär werden. Peillon hatte sich kürzlich erst über die alte Parteigarde beschwert, die «die Elefanten» genannt werden. «Wir müssen dringend unsere Führungsriege erneuern, selbst Obama ist jünger als ich», klagte er.

Bemühung um ein neues Image
Royal bemühte sich in den vergangenen Wochen mit frisch gelockter Mähne, Jeans und Tunika angestrengt um ein neues Image. Ihre gemeinsamen Auftritte mit Popstars seien eine «Mischung aus Showbiz und Sektenveranstaltung», kritisierte ein PS-Abgeordneter. Pariser Klatschblätter munkelten gar von einer neuen Liaison mit dem sechs Jahre jüngeren Erfinder der beliebten Politik-Satiresendung «Les Guignols».

Bei allem Geschacher um den Parteivorsitz geht es nicht zuletzt auch schon um die 2012 anstehende Präsidentschaftswahl. Dass Sarkozy ein zweites Mal kandidiert, steht so gut wie fest. Ob er dann gegen seine «Lieblingsgegnerin» antritt – oder möglicherweise gegen Dominique Strauss-Kahn, derzeit Chef des Weltwährungsfonds in Washington, ist allerdings noch lange nicht entschieden. (Ulrike Konersmann, dpa)