11.11.2008
Herausgeber: netzeitung.de
An Cholera erkranktes Kind mit seiner Mutter
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Quelle: NZ Netzeitung GmbH
Im Osten des Kongos droht eine Hungersnot. Nach Einschätzung von Hilfsorganisationen brauchen die Menschen dort dringend Essen, aber auch mehr UN-Soldaten zum Schutz vor Morden und Vergewaltigungen.
Eine humanitäre Katastrophe bahnt sich an: Mehr als eine Million Menschen im umkämpften Osten der Demokratischen Republik Kongo sind nach Schätzungen der Weltgesundheitsorganisation (WHO) von Lebensmitteln, Trinkwasser und Medizin abgeschnitten. «Diese Menschen sind in sehr großer Gefahr», warnte WHO-Sprecher Paul Garwood am Dienstag in Genf. Es handle sich dabei sowohl um Flüchtlinge als auch um Bewohner der Region.
Zudem warnte die Organisation vor einer Choleraepidemie in der umkämpften Provinz Nord-Kivu. Seit Oktober seien mindestens 1000 Fälle der ansteckenden Lungenkrankheit in dem Gebiet bekannt geworden, so Garwood.
Eine Sprecherin des Welternährungsprogramms (WFP) sagte, die Gefechte zwischen kongolesischen Regierungstruppen und Einheiten des abtrünnigen Generals Laurent Nkunda hinderten viele Helfer daran, zu den Bedürftigen vorzudringen.
Flüchtlinge zwischen den FrontenZudem verwandelten massive Niederschläge die Wege und Straßen der Region in Schlammpisten. Das WFP brauche dringend einen Betrag von 61 Millionen US-Dollar, um die seit August geflohenen 250.000 Frauen, Männer und Kinder mit Lebensmitteln zu versorgen.
Die 65.000 Flüchtlinge, die in zwei Lagern in der Nähe der Provinzhauptstadt Nord-Kivus, Goma, untergebracht sind, sind nach Angaben des UN-Flüchtlingshilfswerks weiter besonders gefährdet. Regierungstruppen und Rebellen seien bis an die Camps vorgerückt, so dass die Flüchtlinge zwischen die Fronten geraten könnten, so ein UNHCR-Sprecher.
Kurzfristiger Schutz gefordertHuman Rights Watch forderte den UN-Sicherheitsrat am Dienstag auf, die bislang 17.000 Mann starke UN-Truppe um weitere 3000 Soldaten und Polizisten aufzustocken. Die bisherigen politischen Fortschritte reichten nicht aus, um den tausenden Flüchtlingen im Osten Kongos zu helfen, sagte Anneke Van Woudenberg von Human Rights Watch.
Die UN-Friedenstruppe in Kongo ist schon jetzt die weltweit größte der Vereinten Nationen. Die Soldaten haben es aber bislang trotzdem nicht geschafft, Kämpfe wie die jetzt wieder im Osten des Landes aufgeflammten zu verhindern. Verhandlungen böten zwar langfristig eine Hoffnung auf Lösung, die Bevölkerung brauche aber kurzfristig Schutz vor Morden und Vergewaltigungen, sagte Van Woudenberg.
Militärisches Eingreifen abgelehntBislang sollen mindestens 50 Menschen bei den Kämpfen ums Leben gekommen sein. Allein in der Nähe der Stadt Kibati sollen 50.000 Flüchtlinge in Lagern leben. Die Europäische Union rief die Konfliktparteien am Montag zu einer sofortigen Einstellung der Kämpfe auf. Ein militärisches Eingreifen lehnte eine Mehrheit der EU-Staaten aber ab.
Dabei hatte zu Beginn der Beratungen auch der französische Außenminister Bernard Kouchner die Forderung erhoben, zur Unterstützung der UN-Truppe MONUC würden mindestens «3000 zusätzliche Soldaten» benötigt.
Rebellenchef droht KabilaDer kongolesische Rebellengeneral Laurent Nkunda drohte mit dem Sturz der Regierung in Kinshasa , sollte er nicht an den Verhandlungen über eine politische Lösung des Konflikts im Ostkongo beteiligt werden. «Wenn er (Präsident Joseph Kabila) nun Verhandlungen ausschließt, wird er nicht in der Lage sein, das Land zu führen und zu regieren», sagte Nkunda dem britischen Rundfunksender BBC.
Nkunda, der mit seiner etwa 6000 Mann starken Rebellenarmee derzeit vor der Provinzhauptstadt Goma in der Region Nord Kivu steht, war nicht zu dem von den UN und der Afrikanischen Union (AU) in der vergangenen Woche in Nairobi organisierten Kongo-Krisengipfel eingeladen worden.
Einseitige Waffenruhe bestätigtZugleich betonte Nkunda, der von ihm einseitig erklärte Waffenstillstand sei immer noch gültig. Seine Truppen hätten in den vergangenen Tagen nur gekämpft, um auf Angriffe zu reagieren.
Die jüngsten Kämpfe begannen am 28. August mit einer Offensive der Tutsi-Rebellen von Laurent Nkunda gegen die Regierungstruppen, die Mai-Mai-Miliz und Hutu-Extremisten, die nach dem Völkermord in Ruanda und der anschließenden Machtübernahme der Tutsi in den Kongo flohen. (epd/dpa/AP)