11.11.2008
Herausgeber: netzeitung.de
Bau auf, bau auf: Die Außenfassade des Pekinger Olympiastadions
Foto: dpa
Quelle: NZ Netzeitung GmbH
Die Kommentatoren begrüßen die Ankündigung der chinesischen Regierung, eine halbe Billion Euro in die Stützung der Konjunktur zu investieren. Dass damit größere Ambitionen und Ansprüche einhergehen, wird nicht übersehen. Berliner Zeitung: «Pekings Horrorszenario» Angesichts der Finanzkrise erkennt die Pekinger Regierung das immense Risiko der chinesischen Exportabhängigkeit. Rund ein Drittel der chinesischen Wirtschaft hängt von Exporten ab, ein weiteres Drittel ist stark auf ausländische Investitionen in China angewiesen. Eine tiefe Rezession bei den wichtigsten Handelspartnern des Landes der EU, den USA und Japan könnte für Chinas Wirtschaft verheerende Folgen haben. Das würde unweigerlich zu einer politischen Krise führen. Der Grund: Die Kommunistische Partei legitimiert ihre Herrschaft allein mit dem Erfolg ihrer Wirtschaftspolitik. Sollte es ökonomisch ernsthaft bergab gehen, könnte sich die Partei immer weniger überzeugend als der Garant für Chinas Stärke präsentieren. Eine Wirtschaftskrise zählt deshalb für Peking zu den größten Horrorszenarien überhaupt. Frankfurter Allgemeine Zeitung: «Elegante Mogelpackung» Der Zuspruch für das chinesische Konjunkturprogramm ist rund um die Welt groß, obwohl die Ankündigung letztlich eine Mogelpackung ist: Den überwiegenden Teil seines Hilfspaketes von mehr als einer halben Billion Euro für die eigene Wirtschaft hatte Peking in mehreren Schritten längst bekanntgegeben. Doch unter dem Strich zählt nur die Summe. Sie beweist dreierlei: Die große Sorge Pekings vor den Folgen der Finanzkrise im Westen. Die großen Möglichkeiten des Entwicklungslandes, Stürme abzuwettern. Und das große Streben, im Westen als verantwortungsvoller Teilnehmer der Weltwirtschaft betrachtet zu werden. Rechtzeitig vor dem Weltfinanzgipfel am Wochenende hat Peking auf elegante Weise seinen Anspruch unterstrichen, dauerhaft am Tisch der führenden Wirtschaftsnationen Platz nehmen zu wollen. Frankfurter Rundschau: «Und was macht Deutschland?» Dass China jetzt das Steuer herumreißt, die Binnennachfrage stimuliert und so die Exportüberschüsse abbaut, ist für die Weltwirtschaft ein Segen. Immerhin ist China die Nummer drei der Weltwirtschaft vor Deutschland oder die Nummer vier nach Deutschland, je nach Umrechnungskurs. Und was macht Deutschland, der Exportweltmeister? Es hat noch immer nicht verstanden, was die Stunde im globalen Kapitalismus geschlagen hat. Ein schuldenfinanziertes Konjunkturprogramm von mehr als 100 Milliarden Euro, das den Konsum über Steuerschecks ankurbelt und die Investitionen über Infrastrukturprogramme, lautet das Gebot der Stunde. Märkische Oderzeitung: «China will mitreden» Das Reich der Mitte mischt künftig als neues Zentrum des globalen Finanzgeschehens in der Weltpolitik mit neuem Gewicht mit. Einige haben das verstanden - siehe Island, das angesichts des drohenden Staatsbankrotts in Peking um Hilfe ruft. Und siehe Bundeswirtschaftsminister Glos, der Chinas Staatsfonds gestern dazu eingeladen hat, Niederlassungen in Deutschland zu gründen, sprich: zu investieren. Spannend dürfte es nun beim bevorstehenden Weltfinanzgipfel in Washington werden. Denn China will bei der geforderten Neugestaltung des globalen Finanzsystems mitreden. Die führenden Industrieländer, allen voran die USA, sind dabei gut beraten, den asiatischen Riesen als starken Partner zu betrachten. Ansonsten haben sie bald einen starken Feind. (nz/dpa)
Berliner Zeitung: «Pekings Horrorszenario»Angesichts der Finanzkrise erkennt die Pekinger Regierung das immense Risiko der chinesischen Exportabhängigkeit. Rund ein Drittel der chinesischen Wirtschaft hängt von Exporten ab, ein weiteres Drittel ist stark auf ausländische Investitionen in China angewiesen. Eine tiefe Rezession bei den wichtigsten Handelspartnern des Landes der EU, den USA und Japan könnte für Chinas Wirtschaft verheerende Folgen haben. Das würde unweigerlich zu einer politischen Krise führen. Der Grund: Die Kommunistische Partei legitimiert ihre Herrschaft allein mit dem Erfolg ihrer Wirtschaftspolitik. Sollte es ökonomisch ernsthaft bergab gehen, könnte sich die Partei immer weniger überzeugend als der Garant für Chinas Stärke präsentieren. Eine Wirtschaftskrise zählt deshalb für Peking zu den größten Horrorszenarien überhaupt.
Frankfurter Allgemeine Zeitung: «Elegante Mogelpackung»Der Zuspruch für das chinesische Konjunkturprogramm ist rund um die Welt groß, obwohl die Ankündigung letztlich eine Mogelpackung ist: Den überwiegenden Teil seines Hilfspaketes von mehr als einer halben Billion Euro für die eigene Wirtschaft hatte Peking in mehreren Schritten längst bekanntgegeben. Doch unter dem Strich zählt nur die Summe. Sie beweist dreierlei: Die große Sorge Pekings vor den Folgen der Finanzkrise im Westen. Die großen Möglichkeiten des Entwicklungslandes, Stürme abzuwettern. Und das große Streben, im Westen als verantwortungsvoller Teilnehmer der Weltwirtschaft betrachtet zu werden. Rechtzeitig vor dem Weltfinanzgipfel am Wochenende hat Peking auf elegante Weise seinen Anspruch unterstrichen, dauerhaft am Tisch der führenden Wirtschaftsnationen Platz nehmen zu wollen.
Frankfurter Rundschau: «Und was macht Deutschland?»Dass China jetzt das Steuer herumreißt, die Binnennachfrage stimuliert und so die Exportüberschüsse abbaut, ist für die Weltwirtschaft ein Segen. Immerhin ist China die Nummer drei der Weltwirtschaft vor Deutschland oder die Nummer vier nach Deutschland, je nach Umrechnungskurs. Und was macht Deutschland, der Exportweltmeister? Es hat noch immer nicht verstanden, was die Stunde im globalen Kapitalismus geschlagen hat. Ein schuldenfinanziertes Konjunkturprogramm von mehr als 100 Milliarden Euro, das den Konsum über Steuerschecks ankurbelt und die Investitionen über Infrastrukturprogramme, lautet das Gebot der Stunde.
Märkische Oderzeitung: «China will mitreden»Das Reich der Mitte mischt künftig als neues Zentrum des globalen Finanzgeschehens in der Weltpolitik mit neuem Gewicht mit. Einige haben das verstanden siehe Island, das angesichts des drohenden Staatsbankrotts in Peking um Hilfe ruft. Und siehe Bundeswirtschaftsminister Glos, der Chinas Staatsfonds gestern dazu eingeladen hat, Niederlassungen in Deutschland zu gründen, sprich: zu investieren. Spannend dürfte es nun beim bevorstehenden Weltfinanzgipfel in Washington werden. Denn China will bei der geforderten Neugestaltung des globalen Finanzsystems mitreden. Die führenden Industrieländer, allen voran die USA, sind dabei gut beraten, den asiatischen Riesen als starken Partner zu betrachten. Ansonsten haben sie bald einen starken Feind. (nz/dpa)