UN-Friedenstruppen machtlos: 

netzeitung.deNeue Kämpfe und Tote vor Kongo-Konferenz

 Herausgeber: netzeitung.de

Laurent Kabila: Vorwürfe gegen die UN-Truppen (Foto: AP<br/>Quelle: NZ Netzeitung GmbH)

Lupe Laurent Kabila: Vorwürfe gegen die UN-Truppen
Foto: AP
Quelle: NZ Netzeitung GmbH

Internationale Vermittler wollen die Kämpfe im Kongo beenden, doch im Vorfeld flammen diese wieder auf. Die UN-Friedenstruppen waren nicht in der Lage, die Menschen zu schützen.

UN-Generalsekretär Ban Ki Moon hat sich zusammen mit Vertretern der Afrikanischen Union (AU) auf einer Sonderkonferenz in Kenia am Freitag um ein Ende der Kämpfe in Kongo bemüht. Unmittelbar vor dem Treffen flammten im Ostkongo neue Kämpfe auf.

An den Beratungen mit dem UN-Generalsekretär nahmen auch der kongolesische Präsident Joseph Kabila und der ruandische Staatschef Paul Kagame teil. Kagame wird vorgeworfen, Rebellen im Kongo zu unterstützen. Ban rief alle bewaffneten Gruppen in der Region zu einem sofortigen Waffenstillstand und zu Verhandlungen über eine politische Lösung auf.
Keine direkten Gespräche zwischen Kabila und Kagame
Auf der Konferenz in der kenianischen Hauptstadt Nairobi sollte nach Angaben Tansanias, das derzeit den AU-Vorsitz innehat, auch über die Berufung eines Sonderbotschafters beraten werden. Direkte Gespräche zwischen Kabila und Kagame waren auf der Konferenz allerdings nicht geplant, wie EU-Entwicklungskommissar Louis Michel sagte. Michel war in den vergangenen Wochen mit beiden Politikern zusammengetroffen.

Ruanda hat maßgeblichen Einfluss auf die Tutsi-Rebellen von Laurent Nkunda, deren militärischer Vorstoß am 28. August die jüngste Krise ausgelöst hat. Der Rebellenführer Nkunda sagte, seine Kämpfer seien am Morgen von Regierungstruppen und Angehörigen der Mai-Mai-Miliz angegriffen worden. «Meine Soldaten haben ein Recht, sich zu verteidigen», sagte Nkunda und fügte hinzu: «Angriff ist die beste Verteidigung.»

Tutsi-Rebellen nehmen Militärstützpunkt ein
Im Osten des Kongos nahmen Tutsi-Rebellen nach Angaben von UN-Beobachtern einen Militärstützpunkt nördlich des Dorfes Kiwanja ein. In Kiwanja fanden zurückgekehrte Bewohner die Leichen von 16 Bewohnern in Zivilkleidung. Sie warfen den Rebellen vor, unbewaffnete Dorfbewohner getötet zu haben, weil sie diese als Sympathisanten der rivalisierenden Hutu-Miliz Mai Mai verdächtigten.

Die Rebellen erklärten hingegen, bei den Opfern habe es sich um bewaffnete Kämpfer der Miliz gehandelt. Ein UN-Beobachter sagte am Donnerstag, Kiwanja sei von zwei Wellen des Terrors heimgesucht worden. Erst seien die Mai Mai gekommen und hätten mutmaßliche Anhänger von Nkunda getötet. Dann hätten dessen Kämpfer das Dorf gestürmt und die vermeintlichen Parteigänger der Mai Mai umgebracht.

UN-Friedenstruppe konnten Menschen nicht schützen
Nach Informationen der Menschenrechtsorganisation Human Rights Watch wurden in Kiwanja mindestens 20 Bewohner getötet und 33 verletzt. Die UN-Friedenstruppe im Kongo sei nicht in der Lage gewesen, die Menschen zu schützen.

Auch Kongos Staatschef Kabila warf der UN-Friedenstruppe im Kongo vor, dem Blutvergießen im Osten seines Landes tatenlos zuzusehen. Der Leiter der UN-Mission, Alan Doss, wies dies zurück. Er forderte ein erweitertes Mandat für die 17.000 im Kongo stationierten UN-Blauhelme.

Konflikt zwischen Hutu und Tutsi
Rebellenführer Nkunda hatte 2004 die Regierungstruppen mit der Begründung verlassen, er müsse seine Tutsi-Minderheit vor Übergriffen von Hutu-Milizen aus Ruanda schützen. Die kongolesische Regierung wirft Nkunda die Verwicklung in Kriegsverbrechen vor. Geschürt wird der Konflikt unter anderem durch ethnische Spannungen nach dem Völkermord in Ruanda 1994. (AP/epd)