23.10.2008
Herausgeber: netzeitung.de
Proteste in Islamabad gegen US-Angriffe, die von Afghanistan aus auf Pakistan ausgeführt werden.
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Quelle: NZ Netzeitung GmbH
Bei einem Raketenangriff auf eine Religionsschule in Pakistan sind mehrere Menschen getötet worden. Vermutlich sind US-Streitkräfte verantwortlich. Das pakistanische Parlament fordert den Dialog mit den Aufständischen.
Mindestens neun Menschen sind bei einem Raketenangriff auf eine Religionsschule im pakistanischen Grenzgebiet getötet und sechs weitere verletzt worden. Ein Stammesälterer sagte, die Opfer seien Koranschüler im Alter zwischen 12 und 18 Jahren gewesen. Die angegriffene Religionsschule sei von Taliban-Kommandeur Jalaluddin Haqqani aufgebaut worden.
Ein Angehöriger der Sicherheitskräfte, der nicht genannt werden wollte, sagte, bei dem Angriff am Donnerstag sei ein Teil der Koranschule im halbautonomen Stammesgebiet Nord-Waziristan zerstört worden. Der Angriff wurde vermutlich von den US-Streitkräften in Afghanistan ausgeführt.
Wenige Stunden zuvor hatte der pakistanische Premierminister Yousaf Raza Gilani bei einer gemeinsamen Sitzung beider Häuser des Parlaments gesagt, seine Regierung werde «niemals einer ausländischen Macht erlauben, die Unantastbarkeit unserer Grenzen zu beschädigen».
Parlament will eigenständige AußenpolitikDas Parlament verabschiedete am Donnerstag eine Resolution zum Kampf gegen den Terrorismus. Darin forderten die Abgeordneten mit Blick auf mehrere Angriffe der US-Streitkräfte in der jüngeren Vergangenheit eine «eigenständige Außenpolitik». Ein Dialog mit den Aufständischen müsse «höchste Priorität haben», allerdings mit den «Elementen», die sich an die Verfassung und die Gesetze halten wollten. Die Regierung nannte die Resolution einen historischen Moment für Pakistan.
Die US-Regierung soll für mehr als zehn derartige Attacken in Pakistan seit August verantwortlich sein. Das Grenzgebiet zu Afghanistan gilt als Hochburg der Taliban, dort wird auch Al-Qaida-Anführer Osama bin Laden vermutet. Die Angriffe sorgen für Unmut bei pakistanischen Abgeordneten, die die Souveränität ihres Landes verletzt sehen.
Pakistan zählt seit den Anschlägen vom 11. September 2001 als wichtigster Verbündeter der USA im Kampf gegen den Terror. Allerdings kritisiert die US-Regierung, das Land gehe nicht entschlossen genug gegen Extremisten vor. Die Streitkräfte verfolgen derzeit zwei Offensiven im Nordwesten des Landes, im Swat-Tal und in dem Stammesgebiet von Bajur. Dort sind nach offiziellen Angaben mehr als 1000 mutmaßliche Extremisten getötet worden. (AP/dpa)