22.10.2008
Herausgeber: netzeitung.de
Entblößt erscheint der Mensch auf dem Monitor eines Nackt-Scanners
Foto: AP
Quelle: NZ Netzeitung GmbH
James Bond hatte eine Brille, durch die er angezogene Menschen nackt sehen konnte. Auf den Flughäfen Europas könnte bald eine vergleichbare Technik zum Einsatz kommen. Nun meldete das Europaparlament Bedenken an.
Das Europaparlament fordert Aufklärung über den von der EU-Kommission geplanten Einsatz so genannter Nackt-Scanner für die Flugsicherheit. Die EU-Kommission müsse die möglichen Auswirkungen der Durchleuchtungsgeräte auf die Persönlichkeitsrechte und die Gesundheit prüfen, hieß es in einer Entschließung, über die am Donnerstag in Straßburg abgestimmt werden sollte. Der CSU- Abgeordnete Manfred Weber kritisierte am Mittwoch, die EU-Kommission könne das Vorhaben nicht einfach «durch die Hintertür» einführen.
Ganzkörper-Scanner, die Passagiere bis auf die Haut durchleuchten, werden bereits auf Flughäfen in Amsterdam, Zürich und London getestet und sind auch in den USA im Einsatz, um beispielsweise Keramikmesser oder Plastiksprengstoff zu finden. Die EU-Kommission, die die Geräte generell zulassen will, hat den Abgeordneten für den 6. November eine Beratungsrunde zugesagt.
Die europäischen Abgeordneten sind allerdings nicht grundsätzlich gegen das Projekt. Wenn der Passagier die Wahl zwischen dem Ganzkörper-Scanner und der derzeit verwendeten Abtast-Methode habe, könne man dem Einsatz der Geräte zustimmen, sagte Weber. Der SPD- Abgeordnete Wolfgang Kreissl-Dörfler forderte einen Beweis dafür, dass die Scanner-Bilder mehr Sicherheit bieten als das Abtasten. Es müsse geprüft werden, ob der Sicherheitsgewinn einen solch schweren Eingriff in die Privatsphäre wirklich rechtfertige.
Bei der neuen Technik entsteht mit Hilfe elektromagnetischer Strahlen ein dreidimensionales Bild, auf dem der Fluggast ohne Kleidung erscheint. Alle am Körper befestigten Gegenstände werden sichtbar, beispielsweise Keramikmesser oder Plastik-Sprengstoff, die mit herkömmlichen Sicherheitskontrollen schwer zu entdecken sind. (dpa)