22.10.2008
Herausgeber: netzeitung.de
Proteste in Thailand
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Quelle: NZ Netzeitung GmbH
Thailand kommt nicht zur Ruhe. Nachdem der ehemalige Ministerpräsident Thaksin in Abwesenheit zu zwei Jahren Haft verurteilt wurde, haben Demonstranten den amtierenden Regierungschef angegriffen.
Der thailändische Regierungschef ist am Mittwoch nur mit knapper Not einer aufgebrachten Menschenmenge entkommen. Demonstranten bedrängten Ministerpräsident Somchai Wongsawat in einem Parkhaus des staatlichen Telekom-Unternehmen TOT und bewarfen ihn unter anderem mit Plastikflaschen und Schuhen. Letzteres gilt in der Thai-Kultur als schwere Beleidigung, da Füße als der schmutzigste Teil des Körpers betrachtet werden.
Sicherheitsagenten und Polizisten stellten sich vor den Regierungschef, so dass Somcha unverletzt entkommen konnte. Er wurde zu einem wartenden Auto geführt, das dann schnell davonfuhr. Die mehr als 100 Demonstranten waren Mitarbeiter des Telekom-Unternehmens. Sie beschimpften Somchai als Mörder, weil bei gewaltsamen Protesten am 7. Oktober zwei Menschen ums Leben kamen. Die seit Ende August andauernde Protestbewegung wird vor allem von konservativen und wohlhabenden Bevölkerungsgruppen getragen, während die Regierung von der ärmeren Landbevölkerung unterstützt wird.
Somchai ist der Schwager von ThaksinSomchai hat sein Amt erst im September angetreten, stößt aber als Schwager des bei einem Militärputsch gestürzten Ministerpräsidenten Thaksin Shinawatra auf gehörige Antipathie. Thaksin war am Dienstag in Abwesenheit wegen Korruption zu zwei Jahren Haft verurteilt worden. Das Oberste Gericht des Landes befand den 59-Jährigen in Bangkok für schuldig, seine Frau beim Kauf eines Grundstücks vom Staat begünstigt zu haben.
Thaksins Frau Potjaman ist nach Auffassung der Richter dagegen unschuldig. Es war das erste Urteil in einer Reihe von ähnlichen Verfahren gegen den 2006 durch einen Militärputsch gestürzten Politiker und Unternehmer, der vor zwei Monaten nach Großbritannien geflohen ist. Thaksin sprach in Manchester von einem politisch motivierten Urteil. Es sei eine «Fortsetzung des Staatsstreichs» gegen ihn, sagte Thaksin.
Urteil verstärkt die politische KriseDas Urteil gegen Thaksin dürfte die politische Krise in Thailand, die das Land zunehmend lähmt, weiter verstärken. Er hat die Vorwürfe wiederholt zurückgewiesen. Beflügelt wurde durch den Schuldspruch die oppositionelle Volksallianz für Demokratie, deren Anhänger seit August den Sitz des Ministerpräsidenten besetzt halten und die den Rücktritt der Regierung fordern. Sie werfen ihr vor, von Thaksin kontrolliert zu sein. «Ab ins Gefängnis! Ab ins Gefängnis!» hieß es in Sprechchören. Bemühungen der Regierung, eine Auslieferung Thaksins zu erreichen, gab es bislang nicht.
Thaksin gilt nach wie vor als einflussreicher Strippenzieher in der thailändischen Volksmachtspartei PPP, die derzeit die Regierung unter seinem Schwager Somchai Wongsawat anführt. Die Möglichkeit eines Comebacks Thaksins in Thailand hatte im Mai heftige Proteste des Oppositionsbündnisses PAD ausgelöst, die in schweren Straßenschlachten gipfelten. Dabei wurden am 7. Oktober zwei Demonstranten getötet und mehr als 400 weitere verletzt. (dpa/AP)