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netzeitung.deDer Rechtspopulist, der Österreich veränderte

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Jörg Haider mobilisierte mit seinen Sprüchen das extrem rechte Lager (Foto: dpa<br/>Quelle: NZ Netzeitung GmbH)

Lupe Jörg Haider mobilisierte mit seinen Sprüchen das extrem rechte Lager
Foto: dpa
Quelle: NZ Netzeitung GmbH

Verbale Ausfälle und Lob für die NS-Zeit: Jörg Haider war ein strammer Rechter und Agent Provocateur der politischen Szene in Österreich.

Jörg Haider sprach von der «Ehre» der Waffen-SS und traf sich mit dem irakischen Diktator Saddam Hussein oder dem libyschen Staatschef Muammar el Gaddafi. US-Präsident George W. Bush nannte er einen «Kriegsverbrecher», den ehemaligen französischen Präsidenten Jacques Chirac einen «Westentaschen-Napoleon». Der rechtsgerichtete Kärntner Landeshauptmann polarisierte mit Genuss: Je mehr Empörung desto besser, schien seine Devise.

Am Samstag ist Haider im Alter von 58 Jahren mit seinem Dienstwagen tödlich verunglückt. Der Politiker übernahm 1986 die Führung der damals unbedeutenden Freiheitlichen (FPÖ) und machte sie mit markiger Rhetorik zu einer festen Größe des österreichischen Politikspektrums. Im Jahr 2000 erreichte der machtbewusste Populist seinen politischen Zenit: Die FPÖ war 1999 mit 27 Prozent landesweit die zweitstärkste Kraft nach den Sozialdemokraten (SPÖ) geworden und beteiligte sich an einer Regierung mit der konservativen Volkspartei (ÖVP).

Wegen Haiders fremdenfeindlicher Äußerungen kam es international zu Protesten, die EU verhängte erstmals Sanktionen gegen ein Mitgliedsland. Israel zog zeitweise seinen Botschafter ab. Das focht Haider nicht an. Nicht seine Partei, sondern die Europäische Union sei undemokratisch, weil sie den Willen der österreichischen Wähler ignoriere und mit ungerechtfertigten Sanktionen drohe, erklärte er damals in Interviews. Er ging aber nicht selbst in die Regierung und trat schon im Frühjahr 2000 vom FPÖ-Vorsitz zurück.

Fortan zog der Mann aus dem Kärntner Bärental im Hintergrund die Fäden. Doch fünf Jahre später stand Haider vor einem politischen Scherbenhaufen. Die FPÖ spaltete sich, seine Fraktion hatte kaum mehr Bedeutung. Erst mit der Wahl im September 2008 gelang seinem Bündnis Zukunft Österreich (BZÖ) mit einem Ergebnis von knapp elf Prozent die Trendwende. Nun ist die Partei führungslos.

Überzeugt nationalsozialistische Eltern
Haider wurde von seinen überzeugt nationalsozialistischen Eltern geprägt. Sein Vater, ein Schuster, wurde nach dem Zweiten Weltkrieg gezwungen, von der SS angelegte Massengräber freizulegen. Seine Mutter, eine Lehrerin, war nach dem Krieg jahrelang mit Berufsverbot belegt. Auf die Frage nach den engen Verbindungen seiner Eltern zu den Nazis sagte Haider einmal: «Im Nachhinein ist man immer klüger.»

Im Alter von 16 Jahren hielt er politische Reden, mit 27 Jahren wurde der Jurist Landesparteisekretär der FPÖ in Kärnten und zog als damals jüngster Abgeordneter der österreichischen Geschichte in den Nationalrat ein. Mit der Übernahme des Parteivorsitzes 1986 begann er mit der Inszenierung seines populistisch-nationalistischen Mix, der bei den Wählern ankam. In Kärnten wurde die FPÖ Ende der 90er Jahre erstmals auf Landesebene stärkste Partei.

Kommentare zur NS-Zeit
Für Empörung sorgte Haider mehrfach mit Kommentaren zur NS-Zeit. Nachdem er die «ordentliche Beschäftigungspolitik» im Dritten Reich gelobt hatte, musste er 1991 als Landeshauptmann zurücktreten, da die ÖVP ihm die Zusammenarbeit aufkündigte. Auch über «die Ehre» der Männer der Waffen-SS schwadronierte Haider und besuchte in den 90er Jahren sogar deren Veteranentreffen. Für verschiedene Äußerungen entschuldigte er sich später, nur um dann in anderer Richtung nachzulegen. Die Verunglimpfung jüdischer Vornamen oder das Schelten der «faulen Südländer» - Haider ließ nichts aus.

«Kultivierte Gespräche» mit Saddam Hussein
Für internationale Empörung sorgten auch seine Besuche bei Saddam Hussein. Drei Mal flog Haider nach Angaben der Nachrichtenagentur APA in den Irak und berichtete hinterher von «kultivierten Gesprächen» mit dem Diktator. Einen bereits geplanten vierten Besuch 2003 machte der Irak-Krieg zunichte. Dem Außenminister Saddams Husseins, Nadschi Sabri, bot Haider später sogar Asyl in Kärnten an. Sonst forderte er aber immer wieder einen «Einwanderungsstopp». Bush und den damaligen britischen Premierminister Tony Blair nannte er fortan nur noch «Kriegsverbrecher», womit er abermals große Zustimmung bei den Österreichern fand.

Bestrebungen Haiders, eine Art europäische Sammelbewegung der extremen Rechtsparteien zu erreichen, blieben jedoch in den Anfängen stecken - zum einen wegen politischer Differenzen, vor allem aber wegen persönlicher Querelen. Seine Gesprächspartner, etwa der Chef der italienischen Lega Nord, Umberto Bossi, oder der Vorsitzende der französischen Front National, Jean-Marie Le Pen, waren wie er streitlustige Führungspersönlichkeiten, mit denen wohl keine gemeinsame Linie möglich war.

Haider hinterlässt seine Frau Ursula und zwei erwachsene Töchter. In Klagenfurt legten Bürger am Samstag Blumen nieder und zündeten Kerzen für ihren verstorbenen Landeshauptmann an. Bundeskanzler Alfred Gusenbauer äußerte sich betroffen. Haider habe die gesamte innenpolitische Landschaft Österreichs über Jahrzehnte hinweg geprägt. Bundespräsident Heinz Fischer sprach von einer «menschlichen Tragödie». (George Jahn, AP)