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Nach Haiders Tod: 

Österreichs Rechte verlieren ihre Leitfigur

11. Okt 2008 16:43
Haider stirbt auf dem Höhepunkt seines Erfolges, glaubt ein Kommentator
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Wahlerfolge, Parteispaltungen und Neugründungen löste er aus, immer am rechten Rand der Politskala. Der Unfalltod des Populisten Haider könnte allerdings die extreme Rechte in Österreich sogar stärken.

Eben haben sie noch ihren Wahlerfolg gefeiert, jetzt herrscht tiefe Trauer: Mit dem plötzlichen Unfalltod von Jörg Haider hat Österreichs Rechte ihre Ikone verloren. Der Rechtspopulist war wohl der schillerndste Volksvertreter des Alpenlandes, aber auch einer der umstrittensten Politiker in Europa.

Experten beschreiben ihn jenseits aller Ideologie als intelligenten und hochprofessionellen Taktiker. Wie es nun mit den Rechten in Österreich weitergeht, die bei der Nationalratswahl Ende September zusammen mit rund 28 Prozent einen historischen Erfolg feierten, ist unklar.

Einige Kommentatoren malen bereits das Bild einer künftig geeinten und starken Rechten in Österreich an die Wand - was bisher am Bruderzwist zwischen dem BZÖ-Chef Jörg Haider und dem Vorsitzenden der Freiheitlichen Partei (FPÖ) Heinz-Christian Strache scheiterte. Ein so talentierter Populist wie Haider wird als neuer Anführer jedoch schwer zu finden sein. «Haider stirbt auf dem Höhepunkt seines Erfolges», analysiert ein Kommentator des Senders ORF am Samstag.

1986 übernahm der studierte Jurist die Führung in der FPÖ. Über Jahre hinweg treibt er sie von damals rund vier Prozent Zustimmung zu ihrem bisher größten Wahlerfolg von 26,9 Prozent bei der Nationalratswahl 1999 hoch und bringt sie in Regierungsverantwortung. Doch dann mehren sich sie Streitereien in der Partei. Besonders sein ehemaliger politischer Ziehsohn, Heinz-Christian Strache, der für eine nationalistischere Linie eintritt, macht ihm immer mehr Probleme. 2005 spaltet sich Haider dann mit seinem Bündnis Zukunft Österreich (BZÖ) von der FPÖ ab - und ist fortan mit dem neuen FPÖ-Chef Strache nur noch per Sie.

Mögliche Wiedervereinigung der rechten Parteien

«Das extrem rechte Lager kann sich nun wiedervereinen, Strache kann sein Erbe antreten, ohne sich mit ihm einen Kampf um die Macht liefern zu müssen», schreibt der Kommentator der liberalen Wiener Zeitung «Der Standard» nun nach Haiders Tod. Für die Machtkonstellation in Österreich hätte das schwerwiegende Folgen - nach der für die Rechten so erfolgreichen Wahl hofften viele in Österreich darauf, dass sich die zerstrittenen Rechtsparteien in der Opposition gegenseitig neutralisieren. Auch der ORF-Kommentator Hans Bürger hält eine Fusion beider Parteien oder eine Zusammenarbeit nach dem Vorbild von CDU und CSU in Deutschland für gut möglich.

Für das BZÖ wäre die Wiedervereinigung mit der FPÖ die Chance, ohne ihren Gründer nicht in der politischen Bedeutungslosigkeit zu versinken. Denn das BZÖ war allzu stark mit der Person des charismatischen Kärntner Landeshauptmannes verknüpft, was der jüngste Wahlerfolg nach Haiders Rückkehr auf die bundespolitische Bühne beweist. «Das BZÖ war eine Haider-Partei», sagt der Politologe Fritz Plasser.

Kein beliebter Nachfolger in Sicht

Bei Befragungen nach den Wahlen hätten zwei Drittel der Wähler angegeben, das BZÖ direkt oder indirekt wegen Haider gewählt zu haben. Einen ähnlich beliebten Nachfolger hat die Partei bisher nicht zu bieten: Der EX-Parteichef Peter Westenthaler hat sich nach einer Verurteilung wegen Falschaussage in einem Prügel-Prozess selbst diskreditiert, Haiders Vize Stefan Petzner gilt als absoluter politischer Neuling.

Anders als viele andere Protest-Politiker verkaufte Haider seine teils rechten Thesen äußerst clever und überzeugte durch sein Auftreten. «Es wird völlig unterschätzt, wie kommunikationstechnisch hochprofessionell und strategisch er immer vorgegangen ist», sagt der Politikwissenschaftler Peter Filzmaier.

Schon in den 80er Jahren habe er beispielsweise den amerikanischen Event-Wahlkampf mit bunten Luftballons und Pop-Musik nach Österreich geholt, während die anderen Parteien noch Funktionärssitzungen abhielten. Dazu käme noch Haiders «persönliches Talent der vielen Gesichter». Denn ob am Biertisch oder in der Vorstandsetage - Haider schaffte es, die Menschen für sich einzunehmen. (Miriam Bandar, dpa)

 
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