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TV-Duell im US-Wahlkampf: 

Punktgewinn für «den da»

08. Okt 2008 11:40
Auch in der zweiten TV-Debatte kann McCain nicht nennenswert punkten.
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Trotz bissiger Töne im Vorfeld war die zweite TV-Debatte zwischen McCain und Obama weder mitreißend noch inspirierend. Von dem Duell wird nur eines in Erinnerung bleiben: «der da». Von Michaela Duhr

«Eineinhalb verlorene Stunden meines Lebens», lautet der lapidare Kommentar eines Lesers des konservativen «National Review» nach der zweiten TV-Debatte zwischen John McCain und Barack Obama. Und er hat Recht: Keiner der beiden Präsidentschaftskandidaten lieferte vor den rund 100 unentschlossenen Wählern einen besonders mitreißenden Auftritt. Die Debatte brachte keine neuen Einsichten, keine Überraschungen und keine größeren Fehltritte.

Nach den scharfen persönlichen Attacken im Vorfeld der Debatte hatten viele mit einem aggressiveren Ton gerechnet. Doch weder fiel der Name des Ex-Terroristen und heutigen Professors William Ayers, den Vize-Kandidatin Sarah Palin verzweifelt versucht, in die Nähe von Obama zu rücken, noch wurde der Keating-Five-Korruptionsskandal erwähnt, in dem McCain eine unrühmliche Rolle spielte.

Immer wieder die gleichen Phrasen

Obama geht erneut als Sieger hervor
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Fast eine Stunde lang drehte sich das Thema um die Finanzkrise und eine Stunde lang wiederholten McCain und Obama exakt die Phrasen, die sie schon seit Tagen herunterspulen. «Ich weiß, wie man die Probleme lösen kann», versicherte McCain. Details blieb der 72-Jährige, dem die Mehrheit der US-Wähler ökonomische Kompetenzen abspricht, indes schuldig. Sein demokratischer Widersacher, der zwar mit differenzierteren und vor allem konsequenten Antworten aufwartete, machte erneut die Bush-Regierung und damit auch McCain für das derzeitige Finanzdesaster verantwortlich.

Nur eines wurde erneut deutlich: McCains persönliche Abneigung gegenüber Obama. In der ersten TV-Debatte würdigte der weißhaarige Senator seinen Rivalen keines Blickes. Dieses Mal zeigte er mit dem Finger auf ihn und nannte Obama «that one« - auf Deutsch: der da. Das klang erniedrigend und beleidigend. So sprechen alte, schrullige und unbelehrbare Männer – ein Image, welches McCain doch so dringend los werden will. Den Spruch kürte der CBS-Kommentator Jeff Greenfield denn auch gleich zur «zentralen Schlagzeile der Debatte» - mangels substanzieller Inhalte.

McCain konnte das Blatt nicht wenden

Außerdem erweckt McCain mit seinem belehrenden und eindringlichen Ton oft genug den Eindruck, als spreche er zu widerspenstigen Kindern, die einfach nicht begreifen wollen, warum sie ihn wählen müssen. Erfrischend dagegen Obama, der die amerikanischen Wähler wenigstens ernst zu nehmen scheint und sie vor allem wie Erwachsene behandelt.

McCain stand in der TV-Debatte unter großem Zugzwang, schon seit Tagen führt Obama in landesweiten Umfragen. Doch es gelang ihm nicht, dem Wahlkampf eine neue Richtung zu geben und von der Finanzkrise abzulenken. Ersten Umfragen zufolge geht Obama erneut als Sieger aus der Debatte hervor: Laut CNN sprachen sich 45 Prozent der Zuschauer für den schwarzen Senator aus, nur 30 Prozent für den Vietnamkriegs-Veteran.

Der 72-Jährige lieferte in der Debatte gleich selbst das Argument, weshalb er für das Amt des Präsidenten nicht geeignet ist: «Wir brauchen jemanden, der das Land mit ruhiger Hand führen kann». Gemessen daran müssten sich die Wähler am 4. November ganz klar für Obama entscheiden. Denn McCain hat mit seinen überstürzten und unüberlegten Aktionen - von der Nominierung Palins bis hin zu seinem erfolglosen Vermittlungsversuch in Washington - auf ganzer Linie versagt. Daran änderte auch die zweite und vorletzte TV-Debatte nichts.
 
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