Attentat in Südossetien: 

netzeitung.deRussland verurteilt «Anschlag auf Friedensplan»

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Eine gefährliche Mission: Russische Soldaten im Kaukasus (Foto: AP<br/>Quelle: NZ Netzeitung GmbH)

Lupe Eine gefährliche Mission: Russische Soldaten im Kaukasus
Foto: AP
Quelle: NZ Netzeitung GmbH

Die Explosion einer Autobombe hat in Südossetien sieben russische Soldaten getötet. Moskau machte den georgischen Geheimdienst für das Attentat vor dem Hauptquartier seiner Streitkräfte verantwortlich.

Bei der Explosion einer Autobombe sind in der abtrünnigen georgischen Region Südossetien nach Angaben der dortigen Regierung sieben Menschen getötet und drei weitere verwundet worden. Die russischen Streitkräfte erklärten, bei den Toten handele es sich um russische Soldaten. Die Explosion ereignete sich am Freitag vor dem Hauptquartier der russischen Streitkräfte. Die mit Moskau verbündete Regierung Südossetiens machte den georgischen Geheimdienst für den «terroristischen Akt» verantwortlich. Das Innenministerium in Tiflis wies die Vorwürfe zurück. Georgien halte die Detonation vielmehr für eine Provokation russischer Geheimdienste, sagte ein Sprecher der Agentur Interfax.


Das explodierte Auto war den Angaben zufolge zuvor in einer von Georgiern bewohnten Ortschaft beschlagnahmt worden, nachdem in dem Fahrzeug Waffen gefunden worden waren. Es sei mit Sprengstoff vollgepackt gewesen und zum russischen Militärhauptquartier gebracht worden, wo es dann in die Luft flog. Unter den Toten sollen auch zwei Soldaten sein, die das Auto gefahren haben. Unklar blieb, warum ein verdächtiges Fahrzeug zum Hauptquartier gebracht und die Zentrale damit einer Gefahr ausgesetzt wurde.
«Anschlag auf den Friedensplan»
Russland hat die Bombenexplosion als «Anschlag auf den Medwedew-Sarkozy-Friedensplan» für den Südkaukasus bezeichnet. Die Detonation neben dem Kommandostab der russischen Truppen am Freitag in der Hauptstadt Zchinwali sei «ein sorgfältig geplanter Terrorakt», der gegen das Abkommen von Frankreichs Präsidenten Nicolas Sarkozy und Kremlchef Dmitri Medwedew gerichtet sei. Das teilte das Verteidigungsministerium in Moskau laut der Agentur Interfax mit. Es war zunächst unklar, ob der Anschlag Auswirkungen auf den im Abkommen festgelegten Truppenabzug aus der Region hat.

Das Verteidigungsministerium machte für die Explosion der rund 20 Kilogramm starken Autobombe georgische Kräfte verantwortlich. Dies wies das Innenministerium in Tiflis am Abend scharf zurück. Georgien halte die Detonation vielmehr für eine Provokation russischer Geheimdienste, sagte ein Ministeriumssprecher laut Interfax. Mit dem Anschlag wolle sich Moskau einen Grund für einen späteren Abzug seiner Truppen aus Georgien als zum vereinbarten Termin, dem 10. Oktober, verschaffen, behauptete er. Hingegen macht Südossetien Georgien für die Explosion verantwortlich, bei der am Mittag sieben russische Soldaten ums Leben kamen und mindestens vier weitere Personen verletzt wurden.

Georgischer Geheimdienst beschuldigt
Bei einer zweiten Explosion am Freitag in Südossetien wurden mehrere Menschen verletzt. «Wir haben keinen Zweifel, dass diese Terroranschläge vom georgischen Geheimdienst verübt wurden», sagte der südossetische Präsident Eduard Kokojty. Nach seinen Angaben sei die Autobombe in Zchinwali explodiert, als sich sowohl Soldaten wie auch Zivilisten in dem Fahrzeug aufhielten. Sechs Menschen kamen am Tatort ums Leben. Auf dem Weg zum Krankenhaus starb ein weiteres Opfer. In Südossetien wurden spekuliert, der Sprengsatz sei möglicherweise per Fernschaltung gezündet worden.

Vor einer Woche war in der ebenfalls abtrünnigen Provinz Abchasien nach Angaben der dortigen Führung ein Sprengstoffanschlag auf den Geheimdienst verübt worden. Dabei entstand lediglich Sachschaden.

Vor dem Krieg jede Woche Anschläge
Bereits vor dem Südkaukasus-Krieg waren in der Konfliktregion beinahe jede Woche Anschläge auf beiden Seiten verübt worden. Georgien griff Anfang August das abtrünnige Gebiet Südossetien an der Grenze zu Russland an. Daraufhin holte Russland zu einem groß angelegten Militärschlag gegen Georgien aus und besetzte Teile des georgischen Hinterlandes. Südossetien hat nach der Anerkennung seiner Selbstständigkeit durch Russland Ende August Moskau um dauerhaften militärischen Beistand gebeten.

Es blieb zunächst unklar, ob der jüngste Anschlag Auswirkungen auf den Abzug der russischen Truppen aus der sogenannten Pufferzone um Südossetien haben könnte. In Übereinstimmung mit internationalen Abkommen hatte Russland am Mittwoch eine Beobachtermission der Europäischen Union in die Sicherheitszone um die abtrünnigen Gebiete Südossetien und Abchasien gelassen.

Der russische Präsident Dmitri Medwedew hat zugesagt, bis zum 10. Oktober seine Truppen aus georgischem Kerngebiet abzuziehen. Dann sollen die EU-Experten vor den Grenzen von Südossetien und Abchasien die Kontrolle übernehmen und die Einhaltung der Waffenruhe überwachen. Derzeit sind etwa 225 EU-Experten, die meisten von ihnen Polizisten, im Einsatz. Geleitet wird die Mission vom deutschen Diplomaten Hansjörg Haber. (AP/dpa)