Wenn in Europa Kopftücher aus Schulen verbannt oder Karikaturen des Propheten Mohammed veröffentlicht werden, rauscht es stets laut und empört im arabischen Blätterwald. Die Nachricht, wie friedliche Demonstranten, Taxifahrer, Hoteliers, Wirte und die Polizei am vergangenen Wochenende den «Anti- Islamisierungskongress» von Rechtsradikalen in Köln verhindert haben, hat in der arabischen Welt dagegen großes Erstaunen hervorgerufen.
Doch zeigen die Reaktionen auch, dass das Klischee vom islamfeindlichen Europa in den Köpfen einiger Muslime so fest verankert ist, dass sie alles, was diesem Klischee widerspricht, einfach ausblenden. «Die deutsche Stadt Köln siegt im Namen ihrer Muslime über die braunen Rechten», kommentiert Iskander al-Diek für die überregionale arabische Zeitung «Al-Hayat». «Diese heftigen Reaktionen der Bürger und der Behörden hätte niemand erwartet», schwärmt er und drückt gleichzeitig seine Bewunderung für die kreative Form des Widerstandes der Kölner gegen die Rechtsradikalen aus.
Von Libyen bis Libanon berichten die arabischen Medien über die fehlgeschlagene Konferenz in Köln, mehr noch als die türkische Presse. «Die Neonazis und die Gegner des Islam sind gescheitert», schreibt die Zeitung «Al-Akhbar» aus Beirut. «Als deutscher Muslim bin ich stolz auf Köln, meine Stadt. Hier ist kein Platz für Extremismus», heißt es in einem Kommentar, den ein arabischer Leser der palästinensischen Zeitung «Al-Quds» in holprigem Englisch verfasst hat.
Doch einige der Kommentare, die in den arabischen Chat-Foren zu finden sind, zeigen auch, dass nicht alle Muslime zwischen Riad und Damaskus überhaupt verstanden haben, worum es in Köln wirklich ging und wer dort gegen was protestiert hat. «Gott ist groß, dies ist ein Sieg für den Islam», heißt es da und, «dass sich der Islam in Europa und Amerika so traumhaft schnell ausbreitet, ist nur normal, denn schließlich ist er ja die Religion des Rechts».
Auch so mancher Leser der Website des Nachrichtensenders Al- Dschasira, der häufiger als alle anderen arabischen Sender Videos oder Audio-Bänder von El-Kaida-Anführer Osama bin Laden und anderen islamistischen Terroristen zugespielt bekommt, nimmt die Nachricht vom verhinderten Kongress der Rechten nur zum Anlass für neue Feindseligkeit: «Ja, dies ist doch ein weiterer Beweis für die Feindschaft der Christen, Juden und Ungläubigen gegen die Muslime» heißt es da: «Niemand kann das Licht Gottes zum Erlöschen bringen». (Anne-Beatrice Clasmann, dpa)