18.09.2008
Herausgeber: netzeitung.de
Ihr habt wie Löwen gekämpft, bedankte sich Liwni
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Quelle: NZ Netzeitung GmbH
Nach ihrer Wahl zur Vorsitzenden der regierenden Kadima-Partei will die israelische Außenministerin Liwni bereits am Freitag Koalitionsgespräche aufnehmen. Sie hat nicht viel Zeit, um ein neues Regierungsbündnis zu schmieden.
Nach einem überraschend dramatischen Duell hat es die israelische Außenministerin Zipi Liwni geschafft: Rund 74.000 Mitglieder der regierenden Kadima-Partei wählten am Mittwoch die 50-Jährige zu ihrer neuen Parteivorsitzenden. In der Urwahl setzte sie sich unerwartet knapp gegen Verkehrsminister Schaul Mofas durch. Sie hat nun gute Chancen die zweite Ministerpräsidentin in der Geschichte Israels nach Golda Meir zu werden.
Der unter Korruptionsverdacht stehende Ministerpräsident Ehud Olmert, der die Partei bislang führte, will am Sonntag seinen Rücktritt als Regierungschef einreichen. Liwni kündigte an, sie werde bereits am Freitag Koalitionsgespräche aufnehmen. Präsident Schimon Peres kann die Politikerin allerdings erst nach dem Rücktritt Olmerts offiziell mit der Regierungsbildung beauftragen.
«Die nationale Verantwortung, die die Öffentlichkeit mir überträgt, lässt mich das Amt mit großer Ehrfurcht antreten», sagte Liwni kurz nach Veröffentlichung der offiziellen Ergebnisse. Der Vorsprung der Außenministerin vor ihrem größten Konkurrenten Mofas betrug demnach nur 1,1 Prozentpunkte oder 431 Stimmen. Die beiden anderen Kandidaten, Innenminister Meir Schitrit und Polizeiminister Avi Dichter, kamen auf 8,5 beziehungsweise 6,5 Prozent. Die Wahlbeteiligung lag bei 53,7 Prozent.
Mofas habe Liwni telefonisch zum Sieg gratuliert, hieß es in israelischen Medienberichten. Der ehemalige Verteidigungsminister habe den Vorschlag eines Beraters zurückgewiesen, juristisch gegen die Ergebnisse vorzugehen. In Prognosen dreier Fernsehsender, die am Mittwochabend unmittelbar vor dem Ende der Abstimmung veröffentlicht worden waren, hatte alles noch auf einen klaren Sieg für Livni hingedeutet. In diesen Prognosen kam die Außenministerin auf 47 bis 49 Prozent der Stimmen, Mofas dagegen nur auf 37 Prozent.
Liwni hatte sich bereits am späten Abend bei ihren Anhängern bedankt. «Ihr habt wie Löwen gekämpft», sagte sie in einem Telefonanruf zu ihren Gefolgsleuten, die sich in ihrem Hauptquartier in Tel Aviv versammelt hatten. «Ihr habt Erstaunliches geleistet, und ich will all das tun, wofür ihr gekämpft habt.»
Von männlichen Rivalen als «schwach» bezeichnet Liwni hatte bei ihrer Stimmabgabe in Tel Aviv die Parteimitglieder aufgerufen, sich an der Abstimmung zu beteiligen: «Ihr könnt heute bestimmen, welchen Charakter Kadima haben wird. Ihr könnt heute wirklich entscheiden, ob wir genug von altmodischer Politik haben. Kommt und stimmt ab, bringt eure Kinder mit und zeigt ihnen, wie ihr das Land verändert.» Mofas hat sich in dem parteiinternen Wahlkampf als Hardliner präsentiert. Er selbst bezeichnet sich auch gern als «Mister Sicherheit».
Männliche Rivalen haben Liwni als «schwach» bezeichnet und sprechen von ihr als «dieser Frau». Sie hat die Geschlechterfrage heruntergespielt. «Die Tatsache, dass ich eine Frau bin, macht mich nicht zu einem schwachen Führer. Ich habe kein Problem, im Fall des Falles den Abzug zu drücken», sagte die frühere Mossad-Agentin vergangene Woche in einem Interview.
Vorgezogene Parlamentswahl nicht ausgeschlossen Als Nachfolgerin Olmerts hat Liwni gute Aussichten auf das Amt des Regierungschefs, allerdings fällt es ihr nicht automatisch zu. Kadima ist die größte der vier Parteien in der Regierungskoalition, und die neue Vorsitzende hat nun 40 Tage Zeit, eine neue Regierung zu bilden. Sollte es Liwni nicht gelingen, eine Regierungskoalition zu schmieden, finden Anfang nächsten Jahres vorgezogene Neuwahlen statt. (nz/AP/dpa)