Bereit für das Präsidentenamt?: 

netzeitung.dePalins erschreckende Unwissenheit

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Republikanische Vize-Kandidatin Sarah Palin (Foto: AP<br/>Quelle: NZ Netzeitung GmbH)

Lupe Republikanische Vize-Kandidatin Sarah Palin
Foto: AP
Quelle: NZ Netzeitung GmbH

Alle Bedenken sollten mit ihrem ersten großen TV-Auftritt ausgeräumt werden. Doch die republikanische Vize-Kandidatin lässt mit harschen Tönen zu Russland und fehlendem politischen Wissen die Zweifel nur noch wachsen.

Die Skepsis gegenüber den Fähigkeiten der republikanischen Vize-Kandidatin Sarah Palin dürften nach ihrem ersten großen Interview kaum beseitigt sein - im Gegenteil. Die umstrittene Gouverneurin von Alaska präsentierte sich im Gespräch mit dem US-Sender ABC News als außenpolitischer Falke: Sie würde nicht nur einen Krieg gegen Russland unterstützen, sondern auch einen israelischen Militärschlag gegen den Iran.

Auf die Frage von ABC-Moderator Charles Gibson, ob die USA als Nato-Mitglied nicht Russland den Krieg erklären müssten wegen des Einmarsches in Georgien, antwortete Palin etwas unsicher: «Vielleicht ja. Ich meine, die Vereinbarung ist doch, dass man als Nato-Verbündeter einem anderen Land zu Hilfe eilen muss, wenn es angegriffen wird.» Beunruhigende Töne für eine außenpolitisch völlig unerfahrene Politikerin, deren Kenntnisse der amerikanisch-russischen Beziehungen sich darin erschöpfen, dass «Alaska an Russland grenzt und man das Land tatsächlich auch von einer Insel aus sehen kann».

Erstaunlich auch, dass Palin sieben Jahre nach den Terroranschlägen vom 11. September von der so genannten Bush-Doktrin offenbar noch nichts gehört hat. Darauf angesprochen war Palin zunächst davon ausgegangen, Gibson wolle über die «Weltanschauung» von US-Präsident George W. Bush sprechen. Dieser klärte sie daraufhin auf, dass die Doktrin, die vor dem Irakkrieg im Jahr 2002 von der Bush-Regierung verkündet wurde, den Vereinigten Staaten das Recht gibt, im Kampf gegen Terror und zur Verbreitung der Demokratie andere Staaten präventiv anzugreifen. Etwas verunsichert stimmte sie zwar der Politik von Bush zu, «die Welt von Extremisten zu befreien», kritisierte aber die Planung des Irak-Einsatzes: «Es gab Pfusch, und es gab Fehler».

Ohne mit der Wimper zu zucken
Doch trotz aller Unkenntnis und Unerfahrenheit fühlt sich die 44-Jährige bereit, an der Seite von John McCain ins Weiße Haus einzuziehen und notfalls auch das Präsidentenamt zu übernehmen, sollte dem 72-jährigen Senator etwas zustoßen. Schließlich wäre der weißhaarige Vietnamkriegs-Veteran McCain im Falle eines Sieges einer der ältesten Präsidenten der Vereinigten Staaten.

Immerhin weiß Palin bereits, «dass man nicht mit der Wimper zucken darf», um das Amt auszuüben. «Man muss entsprechend verdrahtet sein, um der Mission, auf der wir uns befinden, der Reform des Landes und dem Sieg im Krieg (gegen den Terrorismus) so verpflichtet zu sein...», sagte sie. Die Republikanerin und Mutter von fünf Kindern ist erst seit zwei Jahren Gouverneurin von Alaska, zuvor war sie Bürgermeistern eines Ortes mit 9000 Einwohnern.

Die Reaktionen auf Palins ersten seriösen Auftritt waren gemischt. Für die «New York Times» war in dem ganzen Interview nur eine einzige Antwort von Palin überzeugend. Als sie sagte, sie habe keinen Moment gezögert, als McCain bei ihr anfragte, um ihr das Amt des Vize anzubieten. Ansonsten habe sie nichts als Phrasen wiederholt. Als «gefährliches Säbelrasseln» kommentierte der Außenpolitik-Experte Ilan Goldenberg in dem Polit-Blog «Huffington Post». «Kein führender amerikanischer oder europäischer Politiker mit gesundem Menschenverstand würde jemals eine solche Antwort geben».

Der britische Sender BBC urteilte etwas milder: Palin habe zwar naiv gewirkt, doch sie habe direkt und offen geredet. Das ABC-Interview, so glaubt BBC, werde kaum etwas an der öffentlichen Wahrnehmung Sarah Palins ändern: Für die Republikaner bleibe sie die bodenständige, nicht leicht einzuschüchternde und frische Inspiration, und die Demokraten sähen Palins Schwäche, ihre Unerfahrenheit, bestätigt.

Für das Web ediert von Michaela Duhr