Schaul Mofas: 

netzeitung.dePortrait: Ein Hardliner will an die Macht

 Herausgeber: netzeitung.de

Der israelische Verkehrsminister Schaul Mofas bezeichnet sein eigenes Geburtsland Iran als «Wurzel allen Übels» und nennt sich selbst «Mister Sicherheit». 1976 war er an der Operation Entebbe beteiligt.

Mit dem Thema Sicherheit sind in Israel schon viele Wahlen gewonnen worden. Auf diese Karte setzt im parteiinternen Wahlkampf seiner Kadima-Partei auch Transportminister und Vize-Regierungschef Schaul Mofas, der im Falle seines Siegs am 17. September auch Israels künftiger Ministerpräsident werden könnte.

Der im iranischen Teheran geborene 60-Jährige, der als Neunjähriger mit seiner Familie nach Israel einwanderte, kann auf eine lange militärische Vergangenheit zurückblicken: Nach mehr als drei Jahrzehnten Armeedienst wurde er 1998 Generalstabschef und vier Jahre später israelischer Verteidigungsminister.

Mofas stellt sich deshalb gerne als «Mister Sicherheit» dar, der sein kriegserfahrenes Land auch in stürmischen Zeiten souverän lenken kann. Seine härteste Rivalin im Kampf um den Parteivorsitz, Außenministerin Zipi Liwni, erboste ihn zuletzt mit der Äußerung, Generäle gehörten in die Armee, nicht in die Politik. Er wirft seiner Konkurrentin hingegen immer wieder vor, es mangele ihr an Erfahrung in militärischen und sicherheitspolitischen Dingen.

Keine Teilung Jerusalems
Der Vater von vier Kindern im jungen Erwachsenenalter sorgte im Juni für Aufsehen, als er dem Iran mit einem Militärschlag drohte. Er bezeichnete sein Geburtsland zudem als «Wurzel allen Übels». Besondere Brisanz wurde seinen Äußerungen beigemessen, weil er in Israel für den strategischen Dialog mit den USA zuständig ist und deshalb über viel Hintergrundwissen verfügt. Er hat sich zudem gegen einen Rückzug Israels von den 1967 besetzten Golanhöhen an Syrien ausgesprochen. Als Vertreter des rechten Parteiflügels ist Mofas auch gegen eine Teilung Jerusalems im Rahmen einer Friedensvereinbarung mit den Palästinensern.

Sein Vorgehen als Armeechef während des Palästinenseraufstands Intifada, der im Jahr 2000 begann, war international sehr umstritten. Er unterstützte damals eine Politik der harten Hand gegen die Palästinenser. Im Dezember 2005 verließ er die rechtsorientierte Likud-Partei und folgte dem damaligen Ministerpräsidenten Ariel Scharon in die neugegründete Kadima-Partei. Ihm wurde zu der Zeit aus Likud-Kreisen Opportunismus vorgeworfen, weil er Kadima nur eine Woche zuvor noch als «gefährlich» und zu linksorientiert kritisiert hatte.

«Disziplinierter Soldat»
Im gegenwärtigen Kampf um den Parteivorsitz hat er Olmert an seiner Seite, obwohl Liwni dem Ministerpräsidenten in ihren Ansichten viel näher steht. Unterstützt wird er zudem von dem US-Medienberater Arthur Finkelstein, der 1996 schon seinem ehemaligen Likud- Parteigenossen, Benjamin Netanjahu, ins Amt des Regierungschefs verhalf. Mit Netanjahus Bruder Jonathan, der bei dem Einsatz ums Leben kam, hatte Mofas 1976 an der Operation Entebbe teilgenommen: Sie retteten Geiseln, die von palästinensischen und deutschen Terroristen nach Uganda entführt worden waren.

Der von einer israelischen Journalistin als «disziplinierter Soldat» beschriebene Mofas stammt aus kleinen Verhältnissen und hat der Vergangenheit betont, er werde deswegen von dem Willen angetrieben, sich zu beweisen. Der Mann, der mit 14 Jahren auf ein landwirtschaftliches Internat in Nahalal geschickt wurde und sich später in der Armee freiwillig zu den Fallschirmjägern meldete, fühlt sich immer noch am wohlsten in Gesellschaft einfacher Menschen. «Ich sitze nicht gerne in schicken Tel Aviver Cafes, ich bin eher ein Familienmensch», sagte Mofas der Zeitung «Jediot Achronot». «Die Familie ist der Schwerpunkt, der Ort, der mir Kraft gibt.» (Von Sara Lemel, dpa)