Netzeitung Logo
 
Aktuelles  »  Politik  »  Ausland
DruckenVersenden
 

Pakistan vor Präsidentenwahl: 

Zardari bald mächtigster Mann Pakistans

05. Sep 2008 15:03
PPP-Chef Asif Ali Zardari und Witwer von Benazir Bhutto ist klarer Favorit bei der Präsidentenwahl
Bild vergrößern
Von Korruption bis hin zu Mord wird dem Witwer von Benazir Bhutto fast alles vorgeworfen. Dennoch hat PPP-Chef Asif Ali Zardari beste Chancen, zum neuen Präsidenten Pakistans gewählt zu werden.

Er gilt als korrupt und ist innenpolitisch umstritten. Doch seinen Erfolgschancen tut dies keinen Abbruch. Wenn an diesem Samstag in Pakistan eine Wahlversammlung den Nachfolger für den vor knapp drei Wochen zurückgetretenen Präsidenten Pervez Musharraf bestimmt, geht der amtierende Chef der regierenden Pakistanischen Volkspartei (PPP) und Witwer der ermordeten früheren Premierministerin Benazir Bhutto, Asif Ali Zardari, als aussichtsreichster Kandidat ins Rennen.

Neben Zardari gibt es zwei weitere Bewerber: Der Senator und frühere Journalist Mushahid Hussain Syed tritt für die Musharraf- treue Muslimliga PML-Q an. Die Partei des ehemaligen Premiers Nawaz Sharif, Muslimliga PML-N hat den blassen ehemaligen Richter Saeeduz Zaman Siddiqui nominiert. Für einen Erfolg reicht die einfache Mehrheit. Doch nur ein gemeinsamer Kandidat der Opposition könnte die Wahl Zardaris ernsthaft in Gefahr bringen, da dessen Unterstützer in der Wahlversammlung aus Abgeordneten von Unterhaus und Senat sowie der vier Provinzparlamente über etwa die Hälfte der Stimmen verfügen.

Zardari fürchtet Rückkehr von Chaudhry

Vor allem die Nominierung Siddiquis wird daher nicht als Kampfansage, sondern als politischer Fingerzeig Sharifs gewertet. Eine Woche nach dem Rücktritt Musharrafs hatte die PML-N die von der Volkspartei geführte Koalitionsregierung verlassen. Auslöser war der Streit um die Wiedereinsetzung von 60 Richtern, die Musharraf während des Ausnahmezustands im vergangenen Herbst entlassen hatte.

Anders als die PPP forderte Sharif eine bedingungslose Wiedereinsetzung der Richter. Zardari jedoch blockierte trotz anderslautender Absprachen mit dem Koalitionspartner monatelang das Vorhaben und sträubte sich vor allem gegen die Rückkehr des Obersten Richters, Iftikhar Chaudhry. Der kritisiert unter anderem eine unter Musharraf vereinbarte Amnestievereinbarung für die Bhutto-Familie, die auch Zardari die Rückkehr aus dem Exil nach Pakistan ermöglichte. Sollte Zardari am Samstag zum Präsidenten gewählt werden, genießt er Immunität.

Mächtigster Mann in Pakistan

Ex-Staatschef Pervez Musharraf
Bild vergrößern
Ein weiterer Streitpunkt war die Nominierung Zardaris. Zwar hatte Sharif seine Unterstützung für einen PPP-Präsidenten in Aussicht gestellt. Allerdings forderte er einen Konsens-Kandidaten sowie die Rücknahme der von Musharraf durchgesetzten Verfassungsänderung. Damit hatte dieser nach seinem Militärputsch die Befugnisse des Präsidenten erheblich ausgeweitet - von der Auflösung des Parlaments bis zur Entlassung der Regierung. Nach dem Willen Sharifs sollte Musharrafs Nachfolger wieder vorwiegend repräsentative Aufgaben übernehmen. Die PPP ließ sich darauf jedoch nicht ein.

Im Falle seiner Wahl würde Zardari damit auch verfassungsrechtlich zu einem der mächtigsten Männer in Pakistan. Eine Vorstellung, die in großen Teilen der Bevölkerung für Unbehagen sorgt. In den 90er Jahren bekam Zardari - als Minister in der Regierung seiner Frau - den Spitznamen «Mister 10 Prozent», weil er unter anderem ein illegales Million-Vermögen ins Ausland geschleust haben soll. Zudem werden ihm Erpressung und Mord vorgeworfen. Mehr als acht Jahren lang saß er im Gefängnis. Rechtskräftig verurteilt wurde Zardari allerdings nie.

Krise könnte noch schlimmer werden

Dennoch gibt es erhebliche Zweifel, dass er Pakistan aus der gegenwärtigen Krise führen kann. Im Gegenteil: Viele Pakistaner befürchten von einer Präsidentschaft Zardaris sogar eine Zunahme der innenpolitischen Turbulenzen und eine weitere Verschärfung der ohnehin angespannten Sicherheitslage. Aber ein Fünkchen Hoffnung bleibt. Ein pakistanischer Journalist sagte dieser Tage, Zardaris Leumund sei so schlecht, dass er das Land als Staatschef eigentlich nur positiv überraschen könne. (Von Stefan Mentschel, dpa)

 
Drucken
VersendenSocial Bookmark Mister Wong Yigg Google del.icio.us Oneview Webnews
 
Zu weiteren Bildergalerien
Zu weiteren Bildergalerien
Zum Wissenstest
Zum Wissenstest

Alle Wissenstests

Zum Wissenstest

Alle Wissenstests

Sie müssen JavaScript aktiviert und Flash 8 installiert haben, um diese Seite in vollem Umfang nutzen zu können.
 
Der mächtigste Vize-Präsident aller Zeiten: 
US-Vizepräsident Cheney bereut nichts
Bereitschaftsdienst: 
Parlament kämpft gegen Dauerarbeit
 
Kritik an EU-Klimabeschluss: 
Merkels «Kniefall vor der Industrie»
 
150 Lkws in Peschawar angezündet: 
Taliban zerstören Nato-Truppennachschub
BND-Untersuchungsausschuss: 
Brisante Daten, laxe Kontrolle
 
Israelisch-palästinensischer Krieg: 
EU und Nahost-Quartett verlangen Feuerpause
Live Top 5
netzeitung.de auf Ihrer iGoogle-Seite
Aus anderen Ressorts
Zur Autogazette

Geschäftsführer: Josef Depenbrock & Robert Rischke | Chefredakteurin: Domenika Ahlrichs | Impressum | Datenschutz
NZ Netzeitung GmbH · Karl-Liebknecht-Str. 29 · 10178 Berlin · Tel.: 030 23 27 6840 · Fax: 030 23 27 6874
Alle Rechte © 2008 NZ Netzeitung GmbH
 
Vermarktung: DZH Online Media Sales Group GmbH
 
IT & Security by Procado
 
[ai:ti]-Quotes&Charts: IT Future AG
Quellen der Börsendaten: IT Future AG, Standard&Poor's Comstock Inc. und weitere.