04.09.2008
Herausgeber: netzeitung.de
Geht in die Offensive: Palin
Quelle: NZ Netzeitung GmbH
In einer offensiven Rede stimmt die kampfeslustige Vizekandidatin Palin die Republikaner auf den Wahlkampfendspurt ein und adressiert direkt ihre Kritiker in den Medien: «Hier ist meine Eilmeldung.» Da spielte die Wahl des Kandidaten nur eine Nebenrolle. Mit Audio
John McCain ist offiziell zum US-Präsidentschaftskandidat der Republikanischen Partei nominiert worden. Bei der Abstimmung der Einzelstaaten erhielt er auf dem Parteitag in St. Paul am Donnerstag die notwendige Zahl von Delegiertenstimmen. Seine Antrittsrede will er in der Nacht zum Freitag (MESZ) halten.
Vor der Wahl hatte McCains Vizepräsidentschaftskandidatin Sarah Palin ihre Parteifreunde und Millionen von Wählern an den Fernsehschirmen mit einer kämpferischen Rede auf die heiße Phase im US-Präsidentschaftswahlkampf eingestimmt. Nachdem sie tagelang in den Medien selbst im Kreuzfeuer der Kritik gestanden hatte, nutzte Palin ihre Antrittsrede, um selbst in die Offensive zu gehen, und startete scharfe Angriffe gegen den demokratischen Präsidentschaftskandidaten Barack Obama. Palin stellte ihn als Politiker dar, der in wichtigen Fragen wie dem Irakkrieg, der Bekämpfung des Terrorismus und der Energiepolitik falsch liege. Außerdem warf sie ihm vor, die Steuern erhöhen zu wollen.
«Hier ist meine Eilmeldung» In einer vielbejubelten Rede präsentierte sich die 44-Jährige als kampfeslustige Politikerin, die nicht zum Establishment in Washington gehöre, sondern als engagierte Gouverneurin von Alaska und als «Durchschnittsmama», die ihrem Land dienen wolle. An die Adresse ihrer Kritiker in den Medien sagte Palin: «Hier ist meine Eilmeldung für all diese Reporter und Kommentatoren: Ich gehe nicht nach Washington, damit sie eine gute Meinung von mir bekommen. Ich gehe nach Washington, um den Menschen in diesem großartigen Land zu dienen.»
Nach der am vergangenen Freitag bekanntgegebenen Entscheidung von Präsidentschaftskandidat John McCains für Palin machten die Schwangerschaft ihrer 17-jährigen Tochter und eine umstrittene Entlassung eines Regierungsbeamten in Alaska Schlagzeilen. Palin stellte ihre fünf Kinder und ihren Ehemann Todd vor und erklärte, sie freue sich auf die vor ihr liegende Herausforderung. «Meine Damen und Herren, ich wäre geehrt, ihre Nominierung als Vizepräsidentin zu akzeptieren.» Palin ist die erste republikanische Kandidatin für den Posten des Vizepräsidenten in der US-Geschichte.
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Zugleich warb sie mit ihrem Image als Washington-Außenseiterin für sich. Sie gehöre nicht zur «Elite von Washington», sagte sie. Nach der 20-minütigen Rede gab es Standing Ovations für die Frau, die vor einer Woche noch wenig bekannt war und nun ihre erste große Bewährungsprobe im nationalen Scheinwerferlicht bestanden hatte. Ihr Mann und ihre Kinder kamen zu ihr auf die Bühne und feierten mit ihr.
McCain betrat ebenfalls die Bühne und rief in den Jubel der Delegierten hinein: «Glaubt ihr nicht, dass wir die richtige Wahl getroffen haben bei der nächsten Vizepräsidentin der Vereinigten Staaten?» (AP/dpa)