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Bundeswehrverband kritisiert Regierung: 

«Wir befinden uns in einem Krieg«

03. Sep 2008 12:12
Deutscher Isaf-Soldat in Afghanistan
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Der Bundeswehrverband wirft der Bundesregierung vor, mit «gestelzten Wendungen» die Wahrheit über den deutschen Einsatz in Afghanistan zu verschleiern. Das sieht Grünen-Politiker Trittin anders.

Aus der verschärften Sicherheitslage in Afghanistan ziehen Parteien und Betroffene unterschiedliche Schlussfolgerungen. Der Vorsitzende des Bundeswehrverbands, Bernhard Gertz, warf der Bundesregierung am Mittwoch vor, die Wahrheit über den Einsatz zu verschleiern. Der «Neuen Osnabrücker Zeitung» sagte er: «Wir befinden uns in einem Krieg gegen einen zu allem entschlossenen, fanatischen Gegner.» Der Grünen-Politiker Jürgen Trittin wandte sich trotz der jüngsten Entwicklungen gegen einen Abzug der Soldaten.

Verteidigungsminister Franz Josef Jung (CDU) hat sich beim afghanischen Präsidenten Hamid Karsai für die Tötung von drei Zivilisten an einer Straßensperre der Bundeswehr entschuldigt. Der Minister teilte nach seinem Treffen am Mittwoch in Kabul mit, Karsai sei «dankbar im Hinblick auf unsere Entschuldigung bezüglich dieses Unfalls» gewesen. Der Regierungschef habe dies gegenüber den betroffenen Familien als ein wichtiges Zeichen angesehen.

«Der Soldat ist für die BRD gefallen»

Jung hatte nach einem Besuch vor Ort am Dienstagabend eine angespannte Sicherheitslage in Afghanistan eingeräumt. Es gebe Bedrohungen durch Sprengstoffanschläge und Selbstmordkommandos. Mit Blick auf den Zwischenfall, bei dem Soldaten der Bundeswehr drei afghanische Zivilpersonen erschossen, sagte der Minister in der ARD, Ziel sei es, den Menschen zu helfen, ein sicheres Umfeld zu schaffen und alles daran zu setzen, zivile Opfer zu vermeiden.

Bundeswehrverbandschef Gertz vertrat in dem Zeitungsinterview die Ansicht, der bei einem Anschlag nahe Kundus getötete 29-jährige Soldat aus Zweibrücken sei nicht ums Leben gekommen, wie es bei seiner Beisetzung hieß. «Richtig ist: Dieser Hauptfeldwebel ist für die Bundesrepublik Deutschland gefallen», erklärte Gertz. Die Bundesregierung wäre gut beraten, dies in aller Klarheit zu sagen.

Denn mit der Sprache fange es an: «Da wird schon verschleiert, da wird die Wahrheit verschwiegen», kritisierte der Vorsitzende des Bundeswehrverbands. Man müsse sich dann nicht wundern, «dass unsere Gesellschaft nicht versteht, was wir in Afghanistan wollen».

Anschläge «nagen am Nervenkostüm»

Der Verbandschef betonte, bis zu dem jüngsten Zwischenfall hätten sich deutsche Soldaten in Afghanistan «nicht die Hände schmutzig gemacht». Wer damit rechnen müsse, bei jeder Patrouille von Attentätern oder Sprengsätzen bedroht zu sein, agiere in Krisensituationen aber gelegentlich sehr schnell, bemerkte er zu dem Vorfall an einem Kontrollpunkt, wo deutsche Soldaten eine afghanische Frau und zwei Kinder getötet haben sollen.

Die signifikante Häufung von Anschlägen auch auf Bundeswehrangehörige «nagt am Nervenkostüm der Männer», wird Gertz zitiert. Die Grünen stehen trotz der jüngsten Verschärfung der Lage in Afghanistan weiter zum dortigen Einsatz der Bundeswehr. Im ARD-Morgenmagazin sagte der stellvertretende Bundestagsfraktionschef Trittin am Mittwoch: «Es gibt keine Alternative, in Afghanistan ohne Soldaten auszukommen.» Wenn man diese Soldaten nicht falschen Gefährdungen aussetzen wolle, müsse man aber mehr für die zivile Hilfe tun, fügte Trittin hinzu und hob hervor: «Daran werden wir unser Verhalten zu einem solchen Mandat messen.» (AP/dpa)

 
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