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Angriff in Wasiristan: 

Nato soll Zivilisten in Pakistan getötet haben

03. Sep 2008 12:44
Die US-Soldaten kamen mit drei Hubschraubern aus Afghanistan
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Eine US-geführte Militäreinheit soll bei einem Angriff im Nordwesten Pakistans mindestens 20 Menschen getötet haben. Es könnte der erste grenzübergreifende Bodeneinsatz von Nato-Truppen in dem Land gewesen sein.

Eine US-geführte Militäreinheit ist an einem Angriff im Nordwesten Pakistans beteiligt gewesen. Bei dem Angriff in der Region Südwasiristan seien am Mittwoch rund 20 Menschen getötet worden, berichteten Geheimdienstkreise und ein Augenzeuge. Unter den Opfern seien auch Frauen und Kinder, hieß es. Möglicherweise habe es sich um den ersten grenzübergreifenden Bodeneinsatz von Nato-Truppen in Pakistan gehandelt.

Die Soldaten seien mit drei Hubschraubern aus Afghanistan kommend in dem Dorf Musa Nikow gelandet, hätten ein Haus gestürmt und auf die Menschen in dem Haus gefeuert, sagte der Augenzeuge Habib Khan Wazir. «Später sah ich 15 Leichen in dem Haus und davor. Sie wurden in den Kopf geschossen».

US-Streitkräfte wissen von nichts

Als weitere Dorfbewohner in Panik ihre Häuser verließen, hätten die US-Soldaten in die Menge geschossen. Alle Opfer seien Zivilpersonen gewesen. Geheimdienstmitarbeitern zufolge habe es sich bei den Angreifern um amerikanische und afghanische Soldaten gehandelt.

Die US-geführten Streitkräfte erklärten, ihnen lägen keine Berichte über einen Einsatz in Pakistan vor. Die pakistanische Armee bestätigte, dass es einen Angriff gab, wollte aber nichts zu einer möglichen Beteiligung von ausländischen Truppen sagen. Pakistans Verteidigungsminister Chaudhry Ahmed Muktar sagte, der Angriff werde untersucht. Fremde Truppen hätten keine Erlaubnis, militärisch auf pakistanischem Gebiet vorzugehen.

«Märtyertod»

«Unschuldige pakistanische Bürger erlitten den Märtyertod», sagte der Gouverneur der an Afghanistan grenzenden Nordwestprovinz, Owais Ahmed Ghani über den Vorfall. «Dies ist ein direkter Angriff auf die Souveränität Pakistans, und das pakistanische Volk erwartet, dass die Armee die Souveränität des Landes verteidigt und eine angemessene Antwort auf solche Angriffe gibt».

Ein örtlicher Sicherheitschef sagte, die von den USA geführten Koalitionstruppen seien vermutlich auf der Suche nach hochrangigen Al-Qaeda-Kämpfern und Taliban gewesen. Die von der Regierung in Islamabad kaum kontrollierte Gegend gilt als Rückzugsgebiet der radikal-islamischen Rebellen.

Suche nach Al-Qaeda-Lagern

Die US- Streitkräfte hatten bereits des öfteren Luftangriffe auf vermeintliche Al-Qaeda-Lager in Pakistan geflogen. Auch dabei waren immer wieder Zivilisten getötet worden. Die USA und Pakistan arbeiten zwar im Kampf gegen den Terror zusammen, es kam jedoch immer wieder zu schweren Zwischenfällen. So wurden zu Beginn des Jahres elf pakistanische Soldaten bei einem US-Luftangriff getötet.

Verteidigungsminister Franz Josef Jung (CDU) ist am Mittwoch in der afghanischen Hauptstadt Kabul mit Präsident Hamid Karsai und dem UN-Sondergesandten Kai Eide zusammengekommen. Beide haben sich sorgenvoll über die Situation an der Grenze zwischen Pakistan und Afghanistan geäußert. Jung forderte die beiden Nachbarländer dazu auf, «effektivere Grenzsicherung zu gewährleisten», um Rückzugsmöglichkeiten für die Taliban in den pakistanischen Stammesgebieten und Nachschub für Terroristen zu unterbinden. (nz/dpa/AP)

 
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