Überraschungsbesuch in Afghanistan:
Jung bedauert Tod von Zivilisten
02.09.2008
Herausgeber: netzeitung.de
Jung war am Nachmittag für einige Stunden in dem Camp der rund 600 deutschen Soldaten der internationalen Afghanistan-Schutztruppe ISAF. Aus Sicherheitsgründen war seine Reise geheim gehalten worden. Die Lage in der Provinz hat sich nach deutschen und afghanischen Angaben extrem verschlechtert. Bei einem Lagevortrag wurde Jung darüber informiert, dass die Gefahren vor allem durch Selbstmordattentäter, Sprengfallen, Raketenangriffe und Hinterhalte gestiegen seien.
Am vergangenen Mittwoch war ein 29 Jahre alter Hauptfeldwebel bei einem Anschlag auf seine Patrouille getötet worden. Die Angst vor neuen Anschlägen auf die Bundeswehr löst unter den Soldaten zunehmend Nervosität aus. Einige von ihnen berichteten, die Stimmung im Feldlager sei «angespannt». Der Hinweis auf eine Sprengfalle in der Nähe des Feldlagers war am Dienstag möglicherweise Fehlalarm.
Bei dem Zwischenfall an einer Straßensperre der Bundeswehr am vergangenen Donnerstag waren versehentlich eine Frau und zwei Kinder erschossen worden, als ihr Wagen trotz der Aufforderung zum Halten auf den Checkpoint zugefahren war. Jung sagte nach einem Gespräch mit Otmansai sowie dem Gouverneur der Provinz Kundus, Engineer Mohammad Omar: «Ich habe unsere Betroffenheit und unser Mitgefühl zum Ausdruck gebracht.»
Unterdessen wurde der Kommandeur des deutschen Wiederaufbauteams in Kundus nach Ministeriumsangaben wegen «eines gestörten Vertrauensverhältnisses» am Dienstag von seinem Amt entbunden. Dies habe aber nichts mit den jüngsten Vorfällen zu tun, hieß es.
Der stellvertretende Grünen-Fraktionsvorsitzende Hans-Christian Ströbele bezeichnete die Lage in Afghanistan in der Phoenix-Sendung «Unter den Linden» als katastrophal. «Das ist ein veritabler Krieg, bei dem jeden Tag Menschen sterben.» Der Parlamentarische Staatssekretär im Verteidigungsministerium, Christian Schmidt (CSU), widersprach: «Es sind Scharmützel, es ist kein Krieg.» (dpa)

