Palin bringt McCain in Bedrängnis:
Die Geheimnisse der Last-Minute-Kandidatin
02. Sep 2008 12:08
 |  Sarah Palin und John McCain | Foto: AP |
|
Nur in aller Eile soll der Republikaner geprüft haben, ob die Gouverneurin von Alaska ohne Fehl und Tadel ist. Die Schwangerschaft von Palins Tochter war McCain bekannt, doch weitere Enthüllungen säen Zweifel an seiner Urteilskraft.
In den USA gibt es neuen Wirbel um Sarah Palin, die Vizekandidatin des republikanischen Präsidentschaftsbewerbers John McCain. Wie die «New York Times» am Dienstag berichtete, mehren sich die Hinweise, dass ihr persönlicher Hintergrund vermutlich nur in aller Eile überprüft wurde, bevor McCain sie am vergangenen Freitag überraschend als seine «running mate» vorstellte. McCain habe sie erst vier oder fünf Tage vor seiner Ankündigung ernsthaft in Betracht gezogen und am letzten Tag überprüfen lassen, verlautete aus Kreisen seiner republikanischen Partei. Nach Informationen der «New York Times» ist inzwischen ein Team der republikanischen Partei in Alaska, um den Hintergrund Palins genauer unter die Lupe zu nehmen.
Bei der Entscheidung für die Wahl von Sarah Palin als Kandidatin für das Amt des Vizepräsidenten sei McCain die Schwangerschaft ihrer Tochter bekannt gewesen, sagte der Anwalt Arthur Culvahouse, der die Gouverneurin zuvor im Auftrag der Republikaner befragt hat. Dabei sei auch die Entlassung des Sicherheitsbeauftragten sowie eine zwei Jahrzehnte zurückliegende Verhaftung von Palis Ehemann Todd wegen Trunkenheit am Steuer zur Sprache gekommen, sagte Culvahouse. Der persönliche Hintergrund der Gouverneurin sei umfassend geprüft worden.
Obama vermeidet Schadenfreude
Möglicherweise bringt die Teenager-Schwangerschaft Palin bei einigen Wählern der Republikaner in evangelikalen Kreisen in Misskredit. Der demokratische Präsidentschaftskandidat Barack Obama jedoch sieht in der Angelegenheit kein Wahlkampfthema. «Ich denke, dass die Familien der Leute tabu sind. Und die Kinder sind ganz besonders tabu.»Das Baby von Sarah Palins Tochter soll im Dezember zur Welt kommen, wenn die Wahl am 4. November schon vorbei ist. Ihre Tochter werde den Vater heiraten und das Kind mit ihm aufziehen, versicherte die Gouverneurin von Alaska. Mit der Enthüllung ging Palin in die Offensive, nachdem zuvor Gerüchte in Umlauf waren, dass ihr jüngster Sohn, geboren im April, von ihrer Tochter stammen soll. Am Montag war bekannt geworden, dass die 17-jährige Tochter Palins schwanger ist.
Umstrittene Sexualerziehung
Die Debatte über Schwangerschaften von Jugendlichen und die staatliche Förderung der Sexualerziehung hat für die Republikaner eine ungewollte Aktualität bekommen. Palin hat sich gegen die staatliche Förderung von Sexualerziehungsprogrammen in Alaska gewandt. Stattdessen befürwortet sie ebenso wie Präsident George W. Bush, wenn Schüler zu sexueller Enthaltsamkeit angehalten werden.McCain hat es bislang vermieden, sich zu diesen Fragen zu äußern. Bei Abstimmungen im Senat folgte er aber dem ablehnenden Stimmverhalten der Republikaner, wenn es um Geld für Programme zur Prävention von Teenager-Schwangerschaften ging. Der rechte Flügel der Republikaner lehnt es ab, wenn dabei ausführlich über die verschiedenen Möglichkeiten der Verhütung gesprochen wird.
Für die Unabhängigkeit von Alaska
Die Sorgen mit der Tochter sind nicht das einzige Image-Problem Palins. Nach Angaben der «New York Times» soll die 44-Jährige in den 90er Jahren Mitglied einer Partei gewesen sein, die zeitweise für die Unabhängigkeit Alaskas eintrat. Zudem gebe es Vorwürfe, dass sie ihre Macht als Gouverneurin missbraucht habe, um einen Mitarbeiter zu entlassen. In Alaska untersucht ein Ausschuss ihre Entlassung des Beauftragten für die öffentliche Sicherheit, Walt Monegan. Dieser hatte sich geweigert, einen Polizisten zu feuern, der sich von Palins Schwester scheiden ließ. Am Montag wurde bekannt, dass die Gouverneurin wegen dieser Ermittlungen einen Anwalt engagiert hat. (dpa/AP)