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Tote Zivilisten in Afghanistan: 

Ministerium begegnet Spekulation sehr scharf

01. Sep 2008 13:19
Die Bedingungen für Bundeswehrsoldaten werden immer schwieriger
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Auf Mutmaßungen, dass sich Bundeswehrangehörige beim Tod dreier Zivilisten falsch verhalten hätten, reagiert das Verteidigungsministerium energisch. Bei Kundus werden unterdessen wieder Soldaten beschossen.

Das Verteidigungsministerium in Berlin hat scharf kritisiert, dass nach den tödlichen Schüssen auf Zivilisten in Nordafghanistan über die Verletzung der Einsatzregeln durch deutsche Soldaten spekuliert worden ist. Es sei eine «Anmaßung» zu behaupten, die Soldaten hätten bei dem Zwischenfall am Donnerstagabend nahe Kundus im Norden Afghanistans einem Fahrzeug «hinterher geschossen», sagte ein Ministeriumssprecher am Montag in Berlin. Bei dem Vorfall waren eine Frau und zwei Kinder getötet worden.

Es verbiete sich, mit Spekulationen über Menschen zu richten, die in einer Ausnahmesituation gewesen seien. Zu den Einsatzregeln gehöre, dass Soldaten von der Waffe Gebrauch machen müssen, wenn ein Fahrzeug an einer Straßensperre trotz eindeutiger Aufforderung zum Halten und nach Abgabe von Warnschüssen weiterfahre. Er verwies darauf, dass die Staatsanwaltschaft die Ermittlungen aufgenommen hat.

Die Bundeswehr wurde unterdessen am Montag nahe Kundus erneut beschossen. Verletzte gab es nicht, teilte der Ministeriumssprecher mit. Gegen 11 Uhr Ortszeit sei eine Patrouille der Bundeswehr mit Handfeuerwaffen beschossen worden. Ferner seien Explosionen unbekannter Art in der Nähe der deutschen Soldaten wahrgenommen worden.

Gouverneur spricht von wartenden Attentätern

Im nordafghanischen Bundeswehr-Standort Kundus halten sich nach Erkenntnissen des Provinzgouverneurs außerdem vier Selbstmordattentäter für Anschläge bereit. Er selber sei ein mögliches Ziel, sagte Gouverneur Engineer Mohammad Omar.

Die Attentäter seien aus den halbautonomen pakistanischen Stammesgebieten an der Grenze zu Afghanistan nach Kundus-Stadt gekommen. «Wir haben viele Sicherheitsprobleme», sagte Omar. Die Stadt sei unter Kontrolle, die Distrikte in der restlichen Provinz Kundus seien aber problematisch.

Vorsitzender der Polizeigewerkschaft: «Probleme unterschätzt»

Der Vorsitzende der Gewerkschaft der Polizei (GdP), Konrad Freiberg, hat der Politik vorgeworfen, «die Dimension der Probleme in Afghanistan völlig falsch eingeschätzt» zu haben. In einem Interview mit der «Leipziger Volkszeitung» lehnte Freiberg zugleich neuerliche Rufe nach weiterer Polizei-Aufbauhilfe für Afghanistan in der derzeitigen Bedrohungslage entschieden ab. «Dort wird nicht der Polizist benötigt, der den Ladendieb oder den Räuber überführt. In Afghanistan werden paramilitärische Einheiten gebraucht, also Fachleute, die Sprengstofffallen erkennen, die Selbstmordattentäter verfolgen.»

Bundesverteidigungsminister Franz Josef Jung (CDU) hat sich bei der Trauerfeier für einen in Afghanistan getöteten Soldaten für die Fortsetzung des Einsatzes der Bundeswehr ausgesprochen. «Wir dürfen Afghanistan jetzt nicht allein lassen», sagte der. Das Land dürfe nicht zurückfallen und wieder zum Ausbildungscamp für Terroristen werden.

Jung sagte, die deutschen Soldaten hätten bei den Menschen in Afghanistan ein hohes Ansehen. Sie verdienten daher auch die rückhaltlose Unterstützung der deutschen Bevölkerung. Die jüngsten Anschläge hätten verdeutlicht, dass sich die Sicherheitslage auch im Norden des zentralasiatischen Landes verschärft habe: «Deshalb müssen unsere Soldaten auch kämpfen, damit der Wiederaufbau gelingt.» (nz/dpa/AP)

 
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