01.09.2008
Herausgeber: netzeitung.de
In der Kritik: Bundeswehr-Soldaten der Isaf-Truppe
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Quelle: NZ Netzeitung GmbH
Ausgerechnet am Internationalen Antikriegstag sind in Kabul weitere drei Zivilisten ums Leben gekommen. Gegen den Bundeswehr-Einsatz in der vergangenen Woche wurde inzwischen heftige Kritik laut.
Eine Militärrazzia afghanischer und US-Truppen hat an diesem Montag in Kabul einen Mann und zwei seiner Kinder das Leben gekostet. Die Razzia am Rand der Hauptstadt sei von US-Soldaten mit Unterstützung afghanischer Geheimdienstagenten durchgeführt worden, erklärte ein Polizeisprecher. Die Ehefrau des Mannes sei verletzt worden.
Der Tod der Zivilpersonen dürfte die Beziehungen zwischen Einheimischen und ausländischen Truppen weiter belasten. Erst Ende August waren nach afghanischen und UN-Angaben im Westen des Landes bei einem Luftangriff bis zu 90 Zivilpersonen getötet worden. Die USA haben diese Angaben zurückgewiesen, nach ihren Erkenntnissen wurden 25 Aufständische und fünf Zivilpersonen getötet.
Deutsche hätten nicht schießen dürfenBei einem Zwischenfall mit deutschen Soldaten der Afghanistan-Schutztruppe Isaf waren am Donnerstag eine Frau und zwei Kinder in einem zivilen Fahrzeug getötet worden. Gegen die Bundeswehr wurden nun schwere Vorwürfe erhoben: Wie die «Financial Times Deutschland» berichtete, sollen ausschließlich deutsche Soldaten auf ein flüchtendes Auto an einer Straßensperre bei Kundus geschossen haben. Es gebe jedoch klare Regeln, nach denen nur afghanische Polizeiposten das Feuer eröffnen dürften.
Die Einsatzregeln der Bundeswehr verböten den Soldaten sogar in Notsituationen, nach dem Abbruch eines Angriffs auf Flüchtende zu schießen, schrieb die Zeitung weiter. Außerdem sollen flüchtende Fahrzeuge mit Schüssen auf die Reifen gestoppt werden, da sie keine unmittelbare Bedrohung mehr darstellen. Die Schüsse der Deutschen seien aber durch die Fenster des Autos gegangen. Nach Bundeswehrangaben waren an der Straßensperre zunächst zwei Fahrzeuge gestoppt worden. Als einer der Wagen plötzlich wieder anfuhr, schossen Sicherungskräfte auf das Auto.
Der Staatssekretär im Verteidigungsministerium, Christian Schmidt (CSU), wies Forderungen nach einem Abzug der Bundeswehr aus Afghanistan zurück. «Ich gehe davon aus, dass sich unsere Soldaten entsprechend ihres Auftrags verhalten haben», sagte er der «Passauer Neuen Presse». «Man kann von keinem Soldaten verlangen, dass er in einer für ihn unüberschaubaren lebensbedrohenden Situation nicht reagiert». Es werde in alle Richtungen ermittelt. (nz/AP)