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Obamas Rede in Denver: 

«Er kam, sah und siegte»

29. Aug 2008 14:03
Barack Obama begeistert mit seiner Rede in Denver die Massen
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Trotz hoher Erwartungen hat Obama mit seiner Rede nicht enttäuscht, wie Michaela Duhr berichtet. Ein «Meisterwerk», schwärmen manche US-Kommentatoren. Doch was bleibt von der Rede, wenn McCain den Amerikanern seine Gesichte erzählt?

Die Erwartungen an die Rede des frisch gekürten Präsidentschaftskandidaten Barack Obama waren so hoch, dass nicht nur seine Kritiker Zweifel hegten, ob er diese tatsächlich erfüllen kann. Doch der charismatische Senator aus Illinois, der bis zur letzten Minute an seinen Formulierungen gefeilt hatte, lieferte vor mehreren Zehntausend Menschen eine beeindruckende und mitreißende Rede.

«Er kam, sah und siegte», fasst Joseph Palermo, US-Geschichtsprofessor an der kalifornischen Universität San Jose, in dem linksliberalen US-Politblog «Huffington Post» Obamas fulminanten Auftritt zusammen. «In dieser Nacht verkörperte und artikulierte Obama die Gemütslage von Millionen von Amerikanern, die wissen, dass die vergangenen acht Jahre ein Betrug an ihrem Land waren.» Rund 84.000 Menschen strömten am Donnerstagabend in das Invesco-Football-Stadion in Denver, um die mit größter Spannung erwartete Rede des ersten schwarzen Präsidentschaftskandidaten zu hören. Das waren mehr Zuschauer als bei John F. Kennedys Nominierungsrede 1960 in Los Angeles.

Der 47-jährige Obama versprach den Delegierten und Zuschauern nichts weniger, als den «amerikanischen Traum» wiederzubeleben. Er präsentierte sich nicht nur als Versöhner, sondern auch als Retter, der all die Probleme lösen könne, die unter der achtjährigen Führung von George W. Bush geschaffen wurden. Der meisterhafte Redner überzeugte die Zuschauer, die ihren Helden mit Jubelstürmen feierten. Selbst Medienvertreter ließen sich von der Begeisterung anstecken: «Das war weniger eine Rede als eine Symphonie», schwärmte ein Kommentator des US-Senders CNN. «Ein Meisterwerk.»

McCain ist ein Mitläufer

Kritik an dem designierten Präsidentschaftskandidaten der Republikaner, John McCain, durchzog Obamas Rede wie ein roter Faden. McCain sei ein Mitläufer, rief Obama der jubelnden Menge zu. Er stehe «allein in seiner halsstarrigen Weigerung, einen fehlgeleiteten Krieg zu beenden», sagte Obama in Anspielung auf den Irakkrieg. Er glaube nicht, dass sich der 72-jährige Senator nicht um Amerika kümmere, aber dieser verstehe einfach die Probleme des Landes nicht. Erstmals schwang in seinen Äußerungen auch Zorn mit, kommentiert die «Washington Post».

Auf diese kraftvolle Rede hatten viele Demokraten schon lange gewartet. Sie drängen den schwarzen Senator seit Wochen, endlich angemessen auf die zunehmend schärferen Angriffe aus dem republikanischen Lager zu reagieren. Vor allem der Versuch von McCains Strategen, Obama als oberflächliche und substanzlose Berühmtheit darzustellen, verärgerte die Partei.

Leise Zweifel

Barack Obama beim Parteitag in Denver
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Es war eine schwere Mission, die Obama zu bewältigen hatte: Er wollte begeistern und inspirieren und seinem Ruf gerecht werden, charismatisch wie John F. Kennedy zu sein. Er wollte sich gegen die Angriffe der Republikaner wehren, ohne sein Image des Versöhners aufs Spiel zu setzen. Er wollte an den schwarzen Bürgerrechtler Martin Luther King anknüpfen, der vor genau 45 Jahren seine Rede «I have a dream» gehalten hatte, ohne als Kandidat der afro-ameriikanischen Bevölkerung aufzutreten.

Obama scheint seine Mission erfüllt zu haben, die US-Medien spenden viel Lob und Anerkennung. Auch bei vielen Wählern ist die Rede gut angekommen: «Obama hat große Ideen. Diese Nacht ist ein Meilenstein in seiner Kampagne und ein großer Augenblick in der Geschichte unseres Landes», schreibt die 27-jährige Demokratin im Webblog der «Detroit Free Press». «Es war die richtige Rede zum richtigen Zeitpunkt. Ich bewundere Obamas Entschlossenheit und begrüße die Kampfansage an McCain», schreibt ein unabhängiger 66-jähriger Wähler.

Aber es gab auch leise Zweifel: «Das war die perfekte Rede für eine skeptische Nation», kommentiert Joe Klein vom «Time»-Magazin. Obama habe die zweifelnden Amerikaner davon überzeugen wollen, dass er ein Pragmatiker und kein Träumer ist. Deshalb habe er in seiner Rede häufiger das Wort «Versprechen» und weniger das Wort «Traum» verwendet. Doch was wird von Obamas Rede bleiben, fragt sich Klein. Nächste Woche zur gleichen Zeit, wenn Amerika McCains Lebensgeschichte hört, könnte die Erinnerung an Obamas Rede bereits verblasst sein.

 
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